DER STANDARD

Die Impfung gegen das Corona-Virus sei in greifbare Nähe gerückt, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober vor wenigen Tagen. Aber wonach genau greifen wir da? Diese Frage stand im Zentrum einer neuen Ausgabe von "STANDARD mitreden", bei der eine Expertinnenrunde alle Facetten rund um die Corona-Impfstoffe diskutierte.

Die Immunologin Ursula Wiedermann-Schmidt, die in der ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts sitzt, klärte detailliert darüber auf, welchen Schutz jene drei neue Impfstoffe bieten, die kurz vor ihrer Zulassung stehen. Die Unternehmen Biontech/Pfizer, Moderna sowie Astra-Zeneca haben die zulassungsrelevanten Studien bereits bei den Behörden eingereicht.

Wiedermann-Schmidt stellte klar: Die von den Unternehmen übermittelten Ergebnisse seien vielversprechend, die Chancen gut, dass mit dem Impfstoff der Ausbruch der Erkrankung und schwere Verläufe verhindert werden können. Sie skizzierte eines der großen aktuellen Fragezeichen: "Es ist unklar, ob die Impfung auch vor dem Weitertragen schützt. Das ist in den Studien bisher nicht erfasst worden und geschieht in den kommenden Monaten."

"Da tut sich sehr schnell was"

Der Simulationsforscher Nikolas Popper stellte erste Berechnungen dazu vor, wie die Impfung das Pandemiegeschehen beeinflussen dürfte. Wenn es gelinge, in den Risikogruppen, also vor allem bei Älteren, 100.000 Menschen zu impfen, würde das die Zahl der Todesfälle und Hospitalisierungen schon um fünf Prozent verringern. Bei 1,2 Millionen Menschen in dieser Gruppe, die geimpft werden, reduziere sich die Zahl der Todesopfer und Hospitalisierungen in den kommenden sechs Monaten um 35 bis 40 Prozent, so Popper. "Da tut sich sehr schnell sehr viel."

Diesen Daten liegt zugrunde, dass die Impfung nicht vor einer Übertragung der Erkrankung schützt. Sollte das so sein, fordert Popper ganz präzise Kommunikation der Experten ein: "Wenn junge Menschen sich impfen lassen und dann glauben, das Virus nicht mehr weiterzuverbreiten, dann kann das sogar kontraproduktiv sein", so Popper.

Zu Gast bei der Debatte war auch der Sonderbeauftragte des Gesundheitsministeriums, Clemens Martin Auer: Er beschrieb detailliert, wie die Verteilung des Impfstoffes laufen wird. Die Produktion der Impfstoffe habe schon begonnen – wenn die Zulassung da sei, werde an den Pharma-Großhandel ausgeliefert. Die 900 Pflegeheime hätte oberste Priorität neben den Krankenanstalten. "Wenn das Pflegeheim zur Schönen Sonne sagt, ich will 100 Personen am 13. Jänner impfen, dann wird man die Dosen anliefern. Die Ärzte und das diplomierte Personal wird dann die Impfung durchführen."

Tausende Menschen haben im Rahmen der Studien bereits die diversen Impfstoffe gegen Corona erhalten.
Foto: Reuters

Lange diskutiert wurden die vielen User-Fragen zu möglichen Nebenwirkungen und Spätfolgen der Impfung. Gibt es die Gefahr, dass durch die Impfung Langzeitschäden entstehen wie Krebs? Kann der Wirkstoff kreuzreagieren? Finden Sie alle Antworten dazu im Video. Erfahren Sie im Video, was über Nebenwirkungen bisher bekannt ist.

Diskutiert wurde auch darüber, wie lange der Schutz durch die Impfung anhält. Dazu fehlen noch die wissenschaftlichen Daten. Ursula Wiedermann-Schmidt klärte auf, welche Konsequenzen das hat, wie diese Daten nun laufend erhoben werden. Und: Wie sicher sind die neuartigen sogenannten mRNA-basierten Vakzine, was genau sind diese? Auch dazu alle Antworten im Video.

Andere sollen beginnen

Mit dabei war Gallup-Österreich-Geschäftsführerin Andrea Fronaschütz: Sie berichtete von repräsentativen Gallup-Befragungen in Österreich zur Einstellung der Menschen in Sachen Corona-Impfung. Erstmals ist die Zahl jener, die sich gegen Corona impfen lassen würden, auf über 50 Prozent der Bevölkerung angestiegen. Wie kann verhindert werden, dass alle abwarten, bis sich anderen impfen, aus Angst vor Nebenwirkungen? Die Gallup-Chefin gab der Expertenrunde einige Tipps für die dementsprechende Kommunikation mit.

Sehen Sie außerdem im Video: Kommt die Impfung auch für Kinder infrage? Wiedermann-Schmidt gibt alle Antworten. Clemens Martin Auer klärt auf, was aus Sicht des Gesundheitsministeriums die größte logistische Hürde beim Impfprogramm ist – Ärzte spielen hier in mehrerer Hinsicht eine entscheidende Rolle. Er klärt auf, was aus seiner Sicht das beste Argument dafür ist, damit auch ganz alte Menschen sich impfen lassen. Wie muss reagiert werden in einem Worst-Case-Szenario: Jemand wird geimpft, verstirbt kurze Zeit später aus ganz anderem Grund, doch Boulevardmedien spekulieren sofort über einen Zusammenhang mit der Impfung? Die Antworten dazu gibt es im Video. (Text: András Szigetvari, Video: Yossef Ayham, 29.11.2020)