Wladimir Putin beim virtuellen G20-Gipfel am vergangenen Wochenende. Seine Auftritte werden seltener.

Foto: Alexei Nikolsky, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP

Ist er krank oder gesund, der Kreml-Chef? Der Petersburger Politologe und Historiker Waleri Solowjej behauptet Ersteres. Angeblich leidet der 68-Jährige an Parkinson. Solowjej beruft sich auf beste Kontakte zum Kreml. Demnach ist die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass Putin Anfang nächsten Jahres zurücktreten wolle.

Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Spekulationen als völligen Blödsinn. Der Präsident sei bei bester Gesundheit, sagte er. Beweise für eine schwere Krankheit des Staatschefs gibt es nicht, allenfalls Indizien. So ist Putin zuletzt den Spielen der "Nächtlichen Hockeyliga" ferngeblieben, bei denen er sich seit 2011 nur zu gern ablichten ließ, um seine Form zu demonstrieren. Solowjej selbst begründete seine These auch mit Videos, auf denen Putin unrund läuft, sich in seinen Sessel krallt oder in einem anderen Fall einen Arm nachzieht.

Auch Putins mediale Omnipräsenz ist seit Beginn der Corona-Pandemie Geschichte. Statt kreuz und quer im Land oder in der Welt herumzureisen, lässt er sich nur noch per Videokonferenz über die Entwicklungen allerorten unterrichten und greift selbst nur noch im Notfall ein. Doch Stichhaltiges ergibt die TV-Analyse nicht. Tatsächlich gibt es auch Videos aus seiner ersten Amtszeit, wo er einen Arm beim Gehen kaum bewegte. Das ist also eher eine Eigenart seines Gangs als eine neue Krankheit. Die neue Zurückgezogenheit hingegen lässt sich ebenfalls plausibel mit der Angst vor Ansteckung und dem Nichtwissen, wie er auf die Folgen der Pandemie reagieren soll, erklären.

Putins neue Tochter

Inmitten all der Spekulationen um Alterserscheinungen des russischen Präsidenten veröffentlichte das investigative Portal "Projekt" nun eine deutlich lebensfrohere Spekulation. Diese beschäftigt sich mit Swetlana Kriwonogich, einer angeblichen Geliebten Putins aus den 1990er- und Nullerjahren, mit der er sogar eine gemeinsame Tochter haben soll: Elisaweta. "Projekt"-Chefredakteur Roman Badanin hat sich in der Vergangenheit bereits einen Namen mit der Enthüllung einer Reihe von Putin-Vertrauten gemacht, so auch von Putins mutmaßlicher Tochter Jekaterina Tichonowa und ihrer Ehe mit Milliardär Kyrill Schamanow, dessen Vater zum Vertrautenkreis Putins zählt.

Im aktuellen Fall stützt sich die These darauf, dass die damalige Studentin Kriwonogich in kürzester Zeit sehr reich geworden ist und neben millionenschweren Immobilien auch Anteile an Putins sogenannter Hausbank Rossija hält. Tatsächlich ist wie so oft in Russland völlig unklar, wie die Frau zu ihrem Besitz gekommen ist.

Keine stichhaltigen Beweise

Die Beweisführung für intime Beziehungen zwischen Putin und Kriwonogich ist allerdings dürftig: So präsentiert "Projekt" vor allem den Tratsch ehemaliger Nachbarn aus der Petersburger Kommunalka (Gemeinschaftswohnung) Kriwonogichs vor ihrem kometenhaften Aufstieg. Und ein angeblich gemeinsames Flugticket der beiden aus dem Jahr 1999, als Putin schon hoher Beamter in Moskau war. Kleiner Schönheitsfehler: Die Plätze sind nicht nebeneinander gebucht. Auch den angeblich wichtigsten Beweis für eine Affäre, ein Foto der gemeinsamen 17-jährigen Tochter, die Putin sehr ähnlich sehen soll, bleiben die Journalisten mit Verweis auf den Schutz Minderjähriger schuldig.

Wie seriös die Enthüllungen sind, bleibt daher abzuwarten. Allerdings ist es nicht der erste Bericht über eine außereheliche Beziehung Putins, der sich offiziell erst 2013 von Ehefrau Ljudmila trennte, dem aber schon 2008 eine Affäre mit der Turnolympiasiegerin Alina Kabajewa nachgesagt wurde, was damals zur Schließung der Zeitung führte, die den Bericht gebracht hatte.

Die Ursache der wilden Spekulationen liegt freilich auch in der Intransparenz der Informationspolitik des Kremls begründet. Das Privatleben der russischen Führung ist tabu, der Besitz von Immobilien und Luxusgegenständen wird zumeist nicht deklariert, da er mit den normalen Gehältern der oft seit Jahrzehnten regierenden Amtsträger auch kaum zu erklären wäre. (André Ballin aus Moskau, 25.11.2020)