Kaboré nach dem Wahlsieg.

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In den Schulen des Landes trainieren indessen Schülerinnen und Schüler regelmäßig ihr Verhalten im Fall eines Jihadisten-Angriffs.

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Roch Marc Christian Kaboré ist das gelungen, wofür seine Anhänger in den vergangenen Wochen immer wieder Werbung gemacht hatten. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Wahlkommission hat der 63-Jährige die Präsidentschaftswahl im ersten Wahlgang mit 57,87 Prozent gewonnen. Die Revanche von Oppositionsführer Zéphirin Diabré (61) ist hingegen nicht geglückt, da er mit 12,46 Prozent nur Dritter wurde. Den zweiten Platz sicherte sich Newcomer Eddie Komboïgo (15,47 Prozent). Er war für die Partei des einstigen Langzeitherrschers Blaise Compaoré angetreten.

Überschattet war die Wahl, bei der auch ein neues Parlament gewählt wurde, von Sicherheitsfragen. Seit 2015 dringen vor allem vom Norden her Anhänger verschiedener Terrorgruppen ins Land. Im Jahr zuvor war Compaoré nach 27 Jahren an der Macht gestürzt worden. Ihm werden Deals mit Extremisten nachgesagt, was dafür gesorgt haben soll, dass Burkina Faso lange als stabiler Anker in der Region galt. Jetzt hat sich die der Al-Kaida nahestehende Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime (JNIM), die ihren Ursprung in Mali hat, besonders ausgebreitet. Aktiv in dem 20,8 Millionen Einwohner großen Sahelstaat sind auch Untergruppen des "Islamischen Staates". Beobachtern zufolge gelingt es ihnen immer mehr, ein Netzwerk aufzubauen und über den Süden des Nigers und Nordnigeria einen Korridor vom Tschadsee bis in den Zentralsahel zu schlagen.

Viele Flüchtlinge

Während anfangs oft Militär- und Polizeiposten angegriffen wurden, richtet sich die Gewalt seit knapp zwei Jahren oft gegen Zivilisten. Nach Einschätzung des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind knapp 1,05 Millionen Menschen auf der Flucht. Zuerst verlassen sie ihre Dörfer, um in Provinzhauptstädte zu kommen. Auch die Hauptstadt Ouagadougou hat längst Sogwirkung entwickelt.

Im Norden der Hauptstadt lebt auch Zara Kora. Im Viertel Pazani, das nur über eine Sandpiste erreichbar ist und kaum Infrastruktur hat, hat sie vor eineinhalb Jahren Zuflucht gefunden. Die Frau mit dem runden Gesicht stammt aus Arbinda, einer 250 Kilometer entfernten Kleinstadt. Dort hat sie die ganze Brutalität miterlebt: Überfälle von Terroristen, willkürliche Ermordungen, die Vergewaltigung der Frauen und die Tatenlosigkeit des Militärs. Schließlich gelang ihr gemeinsam mit ihrer Tochter und einigen Enkelkindern die Flucht. Unterschlupf gefunden haben sie bei Verwandten. Das Essen ist oft knapp, weshalb die Familie auf Spenden angewiesen ist. Am meisten quält sie die Unsicherheit. "Ein Teil der Familie konnte nicht fliehen. Wir wissen nicht, wie es ihnen in Arbinda geht", seufzt sie.

Hunderttausende Nichtwähler

Wie zehntausende andere Binnenflüchtlinge konnte Zara Kora am Sonntag ihre Stimme nicht abgeben. Schon im Vorfeld des Urnengangs hat die Wahlkommission zugeben müssen: Mehr als 1.300 von knapp 22.000 Wahllokalen können aufgrund mangelnder Sicherheit gar nicht öffnen. Schätzungen des Präsidenten Newton Ahmed Barry zufolge konnten 300.000 bis 350.000 Personen gar nicht wählen. Die Beteiligung ist im Vergleich zu 2015 um zehn Prozent auf insgesamt 50 Prozent gesunken.

Rund um den Wahltag hatten Teile der Opposition von "massivem Betrug" gesprochen und lange vor der Deklaration der Wahlkommission betont: Fehlerhafte Ergebnisse wolle man nicht hinnehmen. Ein Teil der zwölf weiteren Präsidentschaftskandidaten hat Kaboré allerdings direkt nach seinem Wahlsieg gratuliert.

Mit seiner Wiederwahl ist nun eine andere Hoffnung vieler Burkinabe in weite Ferne gerückt: den Terror möglicherweise durch einen Dialog mit den Extremisten zu beenden, den der Hardliner Kaboré stets abgelehnt hat. Verlässliche Umfragen, wie viele Menschen diese Option tatsächlich befürworten, gibt es nicht. Bei Gesprächen in Ouagadougou findet der Vorschlag durchaus Zustimmung, vor allem weil der rein militärische Ansatz als gescheitert gilt. (Katrin Gänsler aus Ouagadougou, 27.11.2020)