Bei einer Trauerzeremonie für den Verstorbenen in der iranischen Stadt Mashhad.

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Istanbul – Die Türkei hat den tödlichen Angriff auf einen iranischen Atomwissenschafter als "abscheulichen Mord" verurteilt. Man hoffe, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen würden und appelliere an alle Parteien, mit gesundem Menschenverstand und Maß zu handeln und Unternehmungen zu vermeiden, die zu einer Eskalation in der Region führten, teilte das Außenministerium in Ankara am späten Samstagabend mit.

"Wir verurteilen diesen abscheulichen Mord und drücken der iranischen Regierung und der Familie des Verstorbenen unser Beileid aus", hieß es weiter. Der Atomwissenschafter Mohsen Fakhrizadeh war am Freitag nach Angaben der iranischen Regierung in seinem Auto angeschossen und so schwer verletzt worden, dass er kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Der Iran macht Israel und die USA für die Tat verantwortlich.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Jordanien und der Irak verurteilten den Angriff und riefen "alle Seiten" zur Zurückhaltung auf.

Israel: "Keine Ahnung"

Die USA haben bisher nicht auf die Anschuldigungen reagiert. Israels Minister für Siedlungswesen, Zachi Ha-Negbi, sagte bei einem Pressetermin am Samstag, er habe "keine Ahnung", wer hinter dem Anschlag stecke. "Es ist nicht so, dass ich schweige, weil ich verantwortlich bin, sondern ich habe wirklich keine Ahnung", sagte der Vertraute von Premierminister Benjamin Netanjahu.

Der syrische Außenminister Faisal Mekdad beschuldigte Israel und "jene, die das unterstützt haben" am Samstag, hinter dem "terroristischen Akt" zu stecken. Die Aktion würde noch mehr Spannungen in der Region erzeugen.

Kritik sei "Heuchelei"

Israels Geheimdienstminister hat europäische Kritik an dem tödlichen Anschlag auf den iranischen Atomphysiker als "Heuchelei" bezeichnet. "Sie kennen die iranischen Versuche, Atomwaffen zu erlangen, ganz genau", sagte Minister Eli Cohen dem israelischen Armeesender. Teheran unterstütze außerdem radikale Gruppierungen in der gesamten Nahost-Region.

"Anstatt ganz klar über notwendige Sanktionen zu sprechen, anstatt sicherzustellen, dass der Iran nicht nach Atomwaffen strebt, sehen wir, wie sie (die Europäer, Anm.) wieder den Kopf in den Sand stecken", sagte der Geheimdienstminister. (APA, red, 29.11.2020)