Gesundheitsminister Anschober, wie er im Juni bei einer Pressekonferenz für die App des Rotes Kreuzes warb.

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Die deutsche Corona-Warn-App stößt einer Umfrage zufolge bei einer Mehrheit der Deutschen auf Skepsis. 51 Prozent halten die App nicht für ein geeignetes Mittel zur Eindämmung der Pandemie, wie die Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag der Funke Mediengruppe ergibt. In Österreich versucht das Gesundheitsministerium einem weiteren Neustart, da die Nutzung der App zu wünschen übriglässt. Am Montag lädt es daher wieder einmal zu einer Pressekonferenz, um für "Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes die Werbetrommel zu rühren. Die letzte App-Konferenz fand Mitte des Monats statt.

Die App.
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Im Rahmen der Pressekonferenz wird Gesundheitsminister Rudi Anschober gemeinsam mit Bundesrettungskommandant Gerry Foitik vom Roten Kreuz "über neue Entwicklungen und die Bedeutung der App hinsichtlich der kommenden Öffnungsschritte berichten", heißt es in der Einladung zu der Veranstaltung. Unterstützt wird der grüne Gesundheitsminister dabei unter anderen von Franco Foda, Teamchef des Österreichischen Fußball-Bundes, dem Schauspieler Harald Krassnitzer, die Mode-Influencerin Madeleine Darya Alizadeh oder der Journalistin Ingrid Brodnig. Sie – beziehungsweise Videobotschaften – sind für die Pressekonferenz angekündigt.

Nachhaltig geschadet

Es ist ein weiterer Versuch, die Nutzung der App schmackhaft zu machen. Dies ist auch notwendig, da sie unter einem massiven Imageproblem leidet, seit ÖVP-Politiker die Installation der App verpflichtend machen wollten. Dies hat der App nachhaltig geschadet, auch wenn dieser Vorstoß von den Grünen rasch abgewehrt wurde. In der Kommunikation der Türkisen wird sie seither nicht einmal mehr ignoriert. Fotos, die Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit der App zeigen, sind nicht zu finden. Dafür betont Anschober regelmäßig, dass die Nutzung der App "definitiv auch weiterhin freiwillig" bleibt. "Das ist der Grundkonsens in der Bundesregierung", so der Minister.

Neben den politischen Querelen kämpft die App noch anderen Ärgernissen. Sie funktionierte Monate nicht richtig. Zwar sind die technischen Probleme der ersten Monate mittlerweile behoben, aber Apps anderer Staaten sind weiter. Das liegt auch daran, dass die Entwicklung im Juli dieses Jahres eingeschlafen ist. Bis vor wenigen Wochen das Gesundheitsministerium knapp eine Million Euro für den weiteren Betrieb und die Weiterentwicklung der App locker gemacht hat. Ab Mitte Dezember werde die heimische App mit den Apps anderer EU-Teilnehmerstaaten zusammenarbeiten und Warnungen können grenzüberschreitend weitergeleitet werden.

So funktioniert die App.
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Mitte November gab es 1,2 Millionen Downloads der App, über ihre Nutzung sind aber keine detaillierten Informationen in Erfahrung zu bringen. Wird jemand positiv auf SARS-CoV-2 getestet, kann über die App eine rote Warnung an die Kontakte der vergangenen Tage versendet werden. Bis 16. November wurden 2.500 rote Warnungen versendet, aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor. Jedenfalls ist die Nutzung in Deutschland beachtlich höher. Über 16 Millionen Menschen nutzen sie aktiv.

Es steht außer Frage, dass die App wichtig für das Contact-Tracing

Die Nutzung der App ist durchaus sinnvoll. Sie ermöglicht es, eine Art elektronisches "Tagebuch" am Handy zu führen, mit dem aufgezeichnet wird, mit wem der jeweilige User in der Vergangenheit Kontakt hatte. Schlägt dann einer der User wegen eines positiven Tests oder eines Verdachtsfalls Alarm, werden all dessen via App aufgezeichneten Kontakte anonymisiert verständigt.

Sie kann eine wesentliche Hilfe bei der Unterbrechung der Infektionsketten sein, da sie praktisch in Echtzeit können die Kontakte der letzten zwei, drei Tage informiert werden können. Damit können Infektionsketten schnell unterbrochen werden. Dafür muss die App lediglich runtergeladen und einmal aktiviert werden. Sie läuft dann im Hintergrund. (Markus Sulzbacher, 29.11. 2020)