Vorweihnachtliches Shoppen fällt heuer wohl anders aus.

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Wien – Der Lockdown kurz vor Weihnachten hat dem heimischen Handel stark zugesetzt. In der sonst besonders wichtigen Umsatzzeit bleiben die Geschäfte heuer bis 7. Dezember geschlossen, die Kundschaft fehlt. Damit Geschenke dennoch in Österreich und nicht bei Onlineriesen gekauft werden, hat die Regierung nun ein eigenes Konzept auf die Beine gestellt: Im am Montag präsentierten "Kaufhaus Österreich" werden derzeit rund tausend österreichische Onlinehändler gelistet, zudem sind neun Marktplätze vertreten. Im neuen Onlinekaufhaus selbst gibt es allerdings nichts zu kaufen: Die Linksammlung mit Suchfunktion verweist nur auf bereits bestehende Onlineshops.

"Es ist keine Kopie von Amazon, es ist auch nicht unser Ziel", sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Montag bei einer Online-Pressekonferenz. Die Plattform sei jedoch sehr wohl als "Möglichkeit der Bühne für Kleine" gedacht, "die nicht mit Amazon zusammenarbeiten wollen oder können". Eine Listung auf der Metaplattform ist kostenfrei, ein Algorithmus entscheide täglich darüber, welche Onlineläden auf der Startseite beworben werden, sagte die Ministerin.

Ein Stockfoto gibt es für fast alle Lebenssituationen. Ob man fast alles auch über das "Kaufhaus Österreich" kaufen kann, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.
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Man wollte die Plattform unbedingt vor Weihnachten anbieten, sagte Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer. Ziel sei, bis Jahresmitte "einige tausend" Anbieter auf der Plattform zu listen. In einem ersten Schritt werde man nach den Feiertagen evaluieren, wie stark das Angebot genutzt werde. Die bereits verfügbaren 1.000 Einzelshops seien eine "sehr ansehnliche Zahl" für den Start, so Mahrer. Er hofft, dass weitere Unternehmer einen eigenen Onlineshop aufsetzen und sich der Initiative anschließen werden.

Die Plattform wurde nach Angaben Schramböcks vom Bundesrechenzentrum in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer entwickelt. "Daten und Informationen kommen aus dem Firmen-A-bis-Z", erklärte die Ministerin. Sie empfiehlt Unternehmern daher, dieses gut zu pflegen und dort etwa Fotos hochzuladen. Insgesamt wolle man mit dem Projekt den E-Commerce in Österreich stärken. Das "Kaufhaus Österreich" sei eine virtuelle Auslage, in der sich österreichische Händlerinnen und Händler kostenlos vor großem Publikum präsentieren können.

Auch WKÖ-Handelsobmann Trefelik appellierte an die Konsumenten, lokal zu shoppen. "Bitte unterstützen Sie mit ihrem Einkauf den Handel in Österreich", so Trefelik am Montag in einer Presseaussendung. "Ihre Kaufentscheidung hilft, den Fortbestand der Geschäfte und von Arbeitsplätzen zu sichern – im Weihnachtsgeschäft, aber natürlich auch danach."

Der Handelsverband bezeichnete das virtuelle Kaufhaus in einer Aussendung als "durchaus positives Signal, wenngleich zahlreiche privatwirtschaftliche Plattformen, die ähnlich funktionieren, bereits seit März online sind".

Regionale Wertschöpfung

Neben dem "Kaufhaus Österreich" der Wirtschaftskammer ist am Montag in Salzburg ein zweites neues Internetportal präsentiert worden. Bei yip.at – die Buchstaben stehen für "Your Information Point" – geht es primär aber nicht um den Onlinehandel. Deklariertes Ziel ist es vielmehr, die Konsumenten in die Geschäfte, Läden und Lokale in ihrer Umgebung zu bringen. Treibende Kraft hinter der Idee ist die zur Spar-Gruppe gehörende Shoppingcenter-Tochter SES.

"Bei vielen Konsumenten ist verstärkt der Wunsch vorhanden, lokal und regional einzukaufen. Dazu ist es wichtig, dass Händler und deren Sortimente online gefunden werden. Man weiß aber oft gar nicht, welches Angebot einem in seiner unmittelbaren Umgebung überhaupt zur Verfügung steht", erklärte Christoph Andexlinger, designierter COO von SES, bei der Präsentation von yip.at.

Die neue Plattform vernetzt interessierte Handels-, Gastronomie-, Dienstleistungs-, Kultur- und Handwerksbetriebe aus ganz Österreich, um ihre Standorte, Sortimente und Leistungen in einer knapp und einfach gehaltenen Suchplattform sichtbar zu machen. Kunden und Konsumenten könnten so leichter "ums Eck" einkaufen. (red, APA, 30.11.2020)