Sogenannte Totimpfstoffe enthalten inaktivierte Viren. Sie sind langjährig erprobt und werden beispielsweise in Form der Polio-Impfung eingesetzt.

Foto: REUTERS

An den sogenannten mRNA-Impfstoffen wird derzeit weltweit fieberhaft gearbeitet. Unternehmen wie Biontech/Pfizer und Moderna haben mit Erfolgsmeldungen zur Wirksamkeit ihrer Covid-19-Impfstoffe große Hoffnungen geweckt. Einigen bereitet diese Art von Impfstoffen in Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen bei Risikogruppen aber Sorgen, denn sie sind neu und die Erfahrungswerte noch gering.

Das französisch-österreichische Biotechunternehmen Valneva entwickelt nun einen Impfstoffkandidaten, der auf einer herkömmlichen Methode basiert. Diese sogenannten Totimpfstoffe enthalten inaktivierte Viren. Der Körper wird durch die Impfung mit den unschädlich gemachten Viren konfrontiert, das Abwehrsystem springt an und entwickelt eine Immunantwort. Solche Totimpfstoffe sind langjährig erprobt und werden beispielsweise in Form der Polio-Impfung eingesetzt; außerdem sind sie verträglicher.

Virus im inaktivierten Zustand

Unter den über 150 Impfstoffprojekten ist das von Valneva in der EU und den USA das einzige, bei dem das Virus als Ganzes im inaktivierten Zustand verabreicht wird. 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung zählen zur sogenannten "Special Target Group" und sind deshalb potenzielle Empfänger des Vakzins, das im Zuge einer zweiten Impfstoffwelle an diese Personengruppe verimpft werden könnte.

Valneva hat sich ganz bewusst für einen klassischen Ansatz bei der Impfstoffentwicklung entschieden, heißt es seitens des Unternehmens. Es sei bewusst so gewählt, dass man mit diesem klassischen Ansatz nicht bei den ersten Zulassungen mit dabei sei, erklärte Valneva-Austria-Chef Thomas Lingelbach kürzlich. "Wir wussten von Beginn an, dass wir mit diesem Ansatz später dran sind, weil er in der Entwicklung länger dauert", heißt es. Auch das Aufsetzen der großflächigen Produktion dauere länger als bei den neuartigen Ansätzen von Biontech/Pfizer, Moderna oder Astra Zeneca. Lingelbach sieht den Valneva-Impfstoff "komplementär" zu den bekannten mRNA-Impfstoffen – denn das Covid-19-Problem werde mit der ersten Impfwelle "sicherlich nicht vorbei sein", ist er überzeugt.

Klinische Studie startet

Eine erste klinische Studie soll in den nächsten drei Wochen mit 150 Probanden in Großbritannien starten. Die Ergebnisse werden im April 2021 erwartet. Danach startet die große Phase-II- und Phase-III-Studie mit über 3.000 Teilnehmern. Mit der britischen Regierung hat Valneva eine Partnerschaft im Umfang von rund 1,4 Milliarden Euro für 190 Millionen Impfdosen abgeschlossen. "Die britische Regierung übernimmt damit ein signifikantes Risikoinvestment", heißt es. Für das Pharmaunternehmen jedenfalls ein großer Vorteil. Produziert wird in Schottland und Schweden.

Das Vakzin wird voraussichtlich eine lange Haltbarkeit haben, eine standardmäßige Kühlkettenlagerung bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius soll genügen. Für Großbritannien liegt der Preis pro Dosis bei acht Euro, da die britische Regierung Entwicklung und Produktionserweiterung mitfinanziert und damit ein signifikantes Risikoinvestment übernimmt.

. Mit der EU-Kommission, die den Einkauf für alle Mitgliedsstaaten zentral abwickelt, ist man schon in Gesprächen. Ein Abkommen zur Lieferung Ende 2021 oder Anfang 2022 steht im Raum. In Österreich habe man bereits "einen Fuß in der Tür", heißt es. (Julia Palmai, 1.12.2020)