Belgien ist ein bedeutender Produzent von Trockeneis – zur Kühlung der Corona-Impfstoffe wird viel davon benötigt.

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Die dänische Regierungschefin Mette Fredriksen in Schutzkleidung auf einer Nerzfarm – Millionen Tiere ließ ihre Regierung wegen eines mutierten Coronavirus töten.

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In Roms Via dei Condotti darf bald wieder eingekauft werden – allerdings allein und eher hurtig.

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In Österreich, so Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch in der ORF-Sendung Zeit im Bild 2, herrsche zur Eindämmung des Coronavirus ein strenger Lockdown – ringsum nehme man es hingegen nicht so genau. Grund genug für ein strenges Grenzregime, so Kurz. Bei näherer Betrachtung hält der Rundumschlag des Kanzlers einer Überprüfung freilich nicht stand. Und auch mit der suggerierten besonderen Härte der österreichischen Corona-Strategie ist es nicht weit her. Der STANDARD unterzog die Corona-Maßnahmen unserer europäischen Nachbarn dem Härtecheck:

Die ganz Harten

Wie die einzelnen Ländern auf die Pandemie – konkret: die zweite Welle – reagieren, ist stark von dem tatsächlichen Infektionsgeschehen beeinflusst. Die Zahlen der europäischen Gesundheitsagentur ECDC dienen hierbei als Messlatte. Österreich, das die erste Welle im Frühling mit vergleichsweise geringen Opferzahlen überstanden hatte, zählt im Herbst zur absoluten Spitze, was Infektions- und Totenzahlen betrifft. Dass hierzulande während des zweiten Lockdowns die Schulen flächendeckend geschlossen wurden, gehört im europäischen Vergleich zu den strengeren Maßnahmen.

Dass man die eigenen vier Wände de facto jederzeit verlassen darf, um sich an der frischen Luft "zu erholen", lässt aber etwa Menschen in Griechenland müde lächeln: Dort musste man bis Dienstag ein SMS an die Gesundheitsbehörde schicken, wenn man das Haus zu verlassen gedachte. In Frankreich war an allzu weite Spaziergänge ebenfalls nicht zu denken, bis 1. Dezember durfte man höchstens eine Stunde am Tag hinaus, künftig immerhin drei. Und statt einen Kilometer rund um die eigene Wohnung darf man sich nun derer zwanzig bewegen.

In Belgien, das nach wie vor in der traurigen Rangliste weit oben steht, gilt – so wie in Italien – auch im Freien Maskenpflicht. Ab 22 Uhr gilt in Brüssel und in Wallonien eine nächtliche Ausgangssperre – ähnlich gestrickt wie hierzulande. Nun gab die Regierung Lockerungen bekannt: Weihnachtseinkäufe dürfen ab kommender Woche erledigt werden, allerdings nur allein und höchstens dreißig Minuten pro Geschäft. Und über die Feiertage gilt die Ausgangssperre erst ab Mitternacht.

Die Ausgewogenen

Während Österreichs Maßnahmen im Vergleich etwa zum deutschen Lockdown light rigide erscheinen, fahren die Niederlande einen weit weniger strengen Kurs. Zwar haben auch dort Cafés, Restaurants und Diskotheken geschlossen, trotzdem darf man sich von Amts wegen mit bis zu 29 anderen Menschen in einem geschlossenen Raum sitzend treffen. Kirchen und Hotels sind zwischen Maastricht und Groningen ebenso geöffnet wie Schulen und Kindergärten.

In Spanien, das von der ersten Welle besonders hart und von der zweiten Welle besonders früh getroffen wurde, haben zwar Speiselokale offen, Nachtklubs aber nicht. Bis Mai 2021 herrscht zudem der Ausnahmezustand. Eine Besonderheit: In einigen Teilen des Landes gilt für Bewohnerinnen ein faktisches Verbot, ihre Region zu verlassen. Ein Schritt, der in Österreich laut Bundeskanzler Kurz nicht umsetzbar ist.

Italien, ebenfalls ein Hotspot der ersten Corona-Welle, reagiert ähnlich wie Spanien mit regionalen Nuancen auf die zweite Welle. Etwa indem in einigen Landstrichen mit relativ geringem Infektionsgeschehen Friseurbesuche möglich sind, in anderen aber nicht. Während Sport im Freien dort – so wie bei uns – grundsätzlich samt obligatorischer Maske erlaubt ist, hat etwa Südtirol sämtliche Skianlagen gesperrt. Und damit die Italienerinnen und Italiener nicht über Weihnachten ins Ausland reisen, will die Regierung noch "abschreckende Vorschriften" einführen.

Irland, das schon vor einem Monat als erstes Land einen zweiten Lockdown verhängte, erklärt seinen Bewohnern – anders als Österreich – anhand eines fünfstufigen Ampelsystem transparent, welche Maßnahmen bei welcher Ampelfarbe fällig werden. Schulen und Kindergärten auf der Grünen Insel blieben die ganze Zeit über offen. Mit Erfolg: Neben Finnland ist Irland das einzige EU-Mitglied, das von der EU-Ampel mehrheitlich gelb einstuft wird.

Und auch Deutschland, das am Donnerstag seinen vergleichsweise sanften Lockdown bis 10. Jänner verlängerte, steht in Sachen Infektionszahlen weit besser da als Österreich.

Die Sanften

In Dänemark, das vergleichsweise gut durch die erste Welle gekommen ist, kämpfen die Behörden aktuell mit einem besonders beängstigenden Aspekt der zweiten Welle. Über sieben Provinzen in der Region Nordjylland wurde im November wegen einer Virusmutation, die in Nerzen gefunden wurde, ein Lockdown verhängt. Im ganzen Land gilt zudem bis 2. Jänner ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol. Anders als Österreich bekämpft das Königreich die zweite Welle aber dezidiert punktuell: Restaurants, Bars und Nachtklubs müssen in Kopenhagen und Umland um 22 Uhr schließen – und alle Hauptstädter zwischen 17 und 25 Jahren werden zum Corona-Test gebeten.

Das benachbarte Schweden, das in der ersten Welle einen vielbeachteten "Sonderweg" ging und bis heute mehr als doppelt so viele Tote wie Österreich zu beklagen hat, empfiehlt anders als die meisten anderen Länder nach wie vor offiziell keinen Mund-Nasen-Schutz. Auch vor einem landesweiten Lockdown schreckt die Mitte-links-Regierung in Stockholm bis heute zurück. Lieber setzt man wie Dänemark auf Alkoholverbot in der Nacht. Am Dienstag meldeten die Behörden 5.400 Neuinfektionen und 174 Tote. Ein neuer Rekord.

Und Tschechien, das zu Beginn der zweiten Welle besonders hart getroffen wurde, wähnt sich nach mehr als einem Monat im harten Lockdown über dem Berg: Am Donnerstag haben zwischen Břeclav und Ústí nad Labem wieder alle Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungsbetriebe geöffnet. Einige Einschränkungen bestehen allerdings weiterhin. So gilt etwa in Geschäften eine Obergrenze von einer Person pro 15 Quadratmeter Fläche. Tschechische Medien berichteten von Warteschlangen vor allem vor Friseursalons. Viele Menschen haben demnach bereits vor den Türen gewartet, als die Betriebe am Morgen aufsperrten. Auch Cafés und Restaurants verzeichneten einen regen Kundenandrang und viele Reservierungen – teilweise bereits bis in die Weihnachtstage hinein.

(Florian Niederndorfer, 4.12.2020)