Das Leben in einer Großstadt hat seinen Preis – vor allem wenn man sich für Hongkong, Paris oder Zürich entscheidet, die laut neuen Untersuchungen die teuersten Städte der Welt sind. Die Economist Intelligence Unit (EIU) – die 133 Weltstädte bewertet und den Preis für einen Korb mit 138 Alltagsgegenständen in jeder Stadt vergleicht – hat sie ex aequo an die Spitze der Tabelle gesetzt.

Zürich: Die größte Stadt der Schweiz ist während der Pandemie an die Spitze des Rankings aufgestiegen.
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Die europäischen Städte haben Singapur und Osaka überflügelt, die in der vorherigen, im März durchgeführten weltweiten Umfrage zu den Lebenshaltungskosten zu Hongkong aufgeschlossen haben. Diesmal sind die Veränderungen besonders ausgeprägt, wobei der Bericht auch eine Bewertung der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Preise in der ganzen Welt darstellt.

An Wert gewonnen

Währungsschwankungen aufgrund der Pandemie – zu denen auch ein Rückgang des US-Dollars gehört – haben dazu geführt, dass Destinationen in Afrika, Amerika und Osteuropa seit März billiger geworden sind, während in Westeuropa, wo der Euro gegenüber dem Dollar zugelegt hat, die Preise gestiegen sind. Auch der Schweizer Franken hat an Wert gewonnen.

Singapur: Südostasiens wirtschaftliches Kraftzentrum ist vom ersten auf den vierten Platz zurückgefallen. Ein Exodus ausländischer Arbeitskräfte wird für diese Veränderung verantwortlich gemacht.
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Singapur und Osaka sind nun auf den vierten bzw. fünften Platz zurückgefallen, während Tel Aviv mit Osaka auf dem fünften Platz liegt. Ein Exodus ausländischer Arbeitskräfte während der Pandemie ist nach Angaben der EIU der Grund für das Zurückfallen Singapurs, dessen Bevölkerung zum ersten Mal seit 17 Jahren abnahm. Die Liste der Top Ten wird von Genf, New York City, Kopenhagen und Los Angeles vervollständigt.

Enorm gelitten

Sydney liegt auf Platz 15. Im vergangenen Jahr hatte Wien noch auf Platz 15 gelegen. Der aktuelle Indexwert für Wien ist gestiegen und hat sich in diesem Jahr um einen Platz auf Platz 14 verbessert. Dies ist vor allem auf die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar zurückzuführen.

London kommt auf Rang auf 20 und Nairobi auf 77. Moskau liegt auf Platz 106 und Delhi auf Platz 121. Den größten Sprung in der Tabelle legte Teheran hin, das aufgrund der US-Sanktionen, die die Versorgung beeinträchtigen, von Platz 106 auf 79 aufgestiegen ist. Reykjavík, Rio de Janeiro und São Paulo weisen die größten Preisrückgänge auf. Die EIU führt das Ranking der brasilianischen Städte auf "schwache Währung und steigende Armut" zurück. Brasilien hat während der Pandemie enorm gelitten.

In Reykjavík wurden die stärksten Preisrückgänge festgestellt.
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Damaskus in Syrien ist die Stadt mit den niedrigsten Lebenshaltungskosten, gefolgt von Taschkent in Usbekistan, Lusaka in Sambia, Caracas (Venezuela) und Almaty in Kasachstan. Die unteren zehn werden abgerundet durch Karatschi (Pakistan), Buenos Aires (Argentinien), Algier (Algerien) sowie Bangalore und Chennai in Indien. Die argentinische Regierung hat während der Pandemie Preiskontrollen eingeführt, was die Position von Buenos Aires erklären könnte.

Tabak und Alkohol teurer

Nicht nur bei den Städten hat sich etwas getan. Der Bericht zeigt, dass die Preise für Elektronik weltweit gestiegen sind. So kommt zum Beispiel Wien, was den Durchschnittspreis für einen Computer betrifft aktuell auf den vierten Platz – zwischen Nairobi und Guatemala Stadt: 1.657 US-Dollar (rd. 1.363 Euro) kostet ein PC in Wien im Durchschnitt 2020. 2019 waren es noch 1.504 US-Dollar (rd. 1.234 Euro).

Die Preise für Kleidung sind unterdessen gesunken – beides liegt vermutlich daran, dass jetzt mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind weitgehend gleich geblieben, während die Preise für Körperpflegeprodukte, Tabak und Alkohol gestiegen sind.

Buenos Aires findet sich auf den unteren Rängen wieder: Staatliche Preiskontrollen haben wohl dafür gesorgt, dass die Lebenshaltungskosten nicht allzu sehr gestiegen sind.
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"Die Covid-19-Pandemie hat zu einer Schwächung des US-Dollars geführt, während westeuropäische und nordasiatische Währungen gegenüber dem US-Dollar stärker geworden sind, was wiederum die Preise für Waren und Dienstleistungen verschoben hat", sagt Upasana Dutt, Leiter der Abteilung für weltweite Lebenshaltungskosten bei der EIU. "Die Pandemie hat das Verbraucherverhalten verändert, da Ausgangsbeschränkungen und Trends wie Homeoffice die Preise für Unterhaltungselektronik in die Höhe getrieben haben und Mahlzeiten zu Hause an die Stelle von Restaurantbesuchen für Familien der Mittelklasse getreten sind."

Was die Zukunft betrifft, sieht es nicht rosig aus. Die EIU prognostiziert, dass sich die Trends fortsetzen werden und dass die Menschen im Jahr 2021 Grundnahrungsmittel und Home-Entertainment gegenüber Kleidung bevorzugen werden. (red, 4.12.2020)

Die teuersten Städte der Welt 2020:

1. Paris, Frankreich

1. Hongkong, China

1. Zürich, Schweiz

4. Singapur

5. Osaka, Japan

5. Tel Aviv, Israel

7. Genf, Schweiz

8. New York City, USA

9. Kopenhagen, Dänemark

10. Los Angeles, USA

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15. Wien, Österreich