Hendrik Lehnert ist erst seit 14 Monaten Rektor der Universität Salzburg. Nun ist er mit einem Abwahlantrag konfrontiert.

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Salzburg – Es ist eine besondere Sitzung, zu der der Senat der Uni Salzburg am Dienstag zusammentrifft. Denn er muss über einen anonymen Abwahlantrag gegen den eigenen Rektor abstimmen. Hendrik Lehnert ist erst seit 14 Monaten im Amt, seine geplante Strukturreform sorgt aber seit Monaten für Kritik.

Der Abwahlantrag, der dem STANDARD vorliegt, listet auf 38 Seiten Verfehlungen des Rektors auf, untermauert sie detailliert und fordert seine Amtsenthebung. Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Sie reichen von falschen Verdächtigungen einer Straftat über rechtswidrige Ausschreibungen bis hin zur unsachlichen Auswahlentscheidung bei der Besetzung von Professuren und Falschinformationen über das Budget. Jede der Verfehlungen sei für sich genommen geeignet, eine Abberufung aus dem Amt auszulösen, heißt es im Antrag.

Lehnert wies die Vorwürfe bisher als haltlos zurück. Er werde erst dann über die Vorwürfe sprechen, "wenn sich der Verfasser zu dem Schriftstück bekenne", zitieren die "Salzburger Nachrichten" aus einer schriftlichen Stellungnahme. Die Salzburger ÖH-Vorsitzende Keya Baier (Gras) forderte nach Bekanntwerden der Anschuldigungen Lehnerts Rücktritt. Seither hat der Rektor die Gespräche mit der ÖH abgebrochen.

Zwei Fronten an der Uni

Schon seit Monaten geht es an der Uni Salzburg hoch her. Die Umstrukturierungspläne des Rektors wurden scharf kritisiert, es klafft ein Budgetloch von zehn Millionen Euro, und bereits zwei Vizerektoren haben innerhalb von vier Monaten ihr Amt zurückgelegt.

Lehnerts Kritiker haben sich zur Initiative "Pro Universitate" zusammengeschlossen. Sie kritisieren etwa die fehlende Gesprächsbasis auf Augenhöhe und vermissen sachliche Argumente für die Strukturreformpläne. An der Kultur- und Geisteswissenschaftlichen Fakultät sollen etwa die philologischen Fächer zu einem großen Fachbereich fusionieren. Der Fachbereich Altertumswissenschaften soll in die Geschichte eingegliedert werden. Die ÖH befürchtet, dass "geldbringenden Fächer und Fachbereiche klar stark bevorzugt und gefördert werden", während kleine Fachbereiche mit geringerer Studierendenzahl, die weniger Drittmittel einwerben können, abgeschnitten und ausgehungert werden würden.

Nach dem Abwahlantrag erhielt Lehnert aber auch Schützenhilfe: Am Donnerstag wurde die Onlinepetition "Plusgemeinsam Salzburg" initiiert, die die scharf geführte Debatte kritisiert und sich von der Vorgehensweise des Abwahlantrags distanziert. Die Unterzeichner bezeichnen den "jüngsten Angriff" auf die Person des Rektors als "nicht tolerierbare Eskalationsstufe". Rund 300 Professoren und Uni-Mitarbeiter haben die Petition unterzeichnet.

Antrag benötigt einfache Mehrheit

Die Gräben an der Uni Salzburg sind also tief. In der Sitzung am Dienstag wird entschieden, ob der Senat den Antrag auf Abberufung an den Uni-Rat stellt. Dann müsste der Universitätsrat nach einem Ermittlungsverfahren über die Amtsenthebung entscheiden. In beiden Organen reicht jeweils eine einfache Mehrheit aller Mitglieder für eine Abberufung. So weit wird es jedoch wohl kaum kommen, denn zumindest im Uni-Rat genießt der Rektor breite Zustimmung.

Kritik an dem Konflikt kommt mittlerweile auch von der Politik. Die Grünen fordern, dass den schwerwiegenden Vorwürfen dringend nachgegangen werden müsse. Die SPÖ kritisiert, dass sich Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) "angesichts der nicht enden wollenden Negativspirale" noch nicht eingemischt habe. (Stefanie Ruep, 14.12.2020)