Langsam kommen die Stromer in Fahrt. Im November verzeichneten die Statistiker bei der Elektromobilität einen Rekord. Während die Zahl der neu zugelassenen Pkws insgesamt deutlich zurückgegangen ist, knackten E-Autos erstmals die Zehnprozentmarke.

Das Jahr hat eine deutliche Verschiebung bei den Vorlieben der Autokäufer gebracht. Der lange so begehrte Diesel ist out, nur gut ein Drittel (37 Prozent) entschied sich für einen Selbstzünder, 44 Prozent der neu zugelassenen Pkws waren Benziner. Auch wenn die absoluten Zahlen immer noch niedrig sind: Pkws mit E-Antrieb wurden knapp 12.600 zugelassen, bis Jahresende könnte sich ein Wachstum von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausgehen. Zugeschlagen haben erneut zum größeren Teil Firmen und juristische Personen. An Ankaufsförderung aus dem E-Mobilitätsbudget des Umweltministeriums wurden heuer 27 Millionen Euro an Betriebe ausgeschüttet (acht Mio. an Private), im Vorjahr waren es acht.

Stromer sind für Betriebe steuerlich höchst attraktiv. Der Finanzminister verzichtet auf viel Geld, um Firmen zum Umsteigen zu bewegen.
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Der Vorwurf, es würden vor allem dicke E-Autos gekauft, stimmt nur mehr bedingt. Zwar hatte Tesla mit 2479 Stück (19,7 Prozent Anteil) die Nase vorn, die Konkurrenz ist aber auf den Fersen. Renault mit 1799 E-Autos (14,3 Prozent), VW legte mit 1658 ID (13,2 Prozent) einen passablen Start hin.

E-Auto-Nutzer dürfen sich neben der Ankaufsförderung vor allem über Steuergoodies freuen. Die sind vor allem für Betriebe, Vereine und Körperschaften höchst attraktiv. "Natürlich ist jeder einzelne Fall, je nach Konstellation und Gesellschaftsform, unterschiedlich. Dennoch ist beachtlich, wie man die Kosten der Mobilität durch Steuervermeidung und Förderungen optimieren kann", sagen Ursula Kilzer und Martin Schereda von Area Bollenberger GmbH Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung (Wien, Wiener Neustadt, Graz).

Die Steuerberater haben Modellrechnungen angestellt, die zeigen, dass Betriebe bei einigermaßen vergleichbaren Fahrzeugen mit E-Autos im Vergleich zu einem Benziner oder Diesel kräftig Steuern sparen. Über die gesamte Nutzungsdauer kann man von einem Potenzial von rund 38.000 bis nahezu 100.000 Euro ausgehen. Als Nutzungsdauer werden gemäß § 8 Einkommensteuergesetz acht Jahre und eine Fahrleistung von 1100 Kilometer pro Monat unterstellt.

Der Porsche Panamera ist ein flottes Auto. Auch als Firmenauto kostet er eine Stange Geld.
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Vor allem bei Luxuskarossen fällt der Unterschied ins Gewicht. Ein Porsche Panamera 4 (Benzin) mit 243 kW um einen Nettokaufpreis von 100.286,67 Euro kommt über den gesamten Nutzungszeitraum auf eine Steuerleistung von 115.076,98 Euro. Die großen Brocken: Die Umsatzsteuer von 20.057,33 Euro plus NoVA 17.701,60; macht 37.758,93 Euro allein beim Kauf. Dazu kommen Sachbezug (545,38), motorbezogene Versicherungssteuer (193,68), Steueranteil an Energiekosten (66,34). Ergibt monatlich satte 805,40 Euro.

Beim Tesla S mit 413 kW – um 84.158, 33 wohlfeil – schlägt die Umsatzsteuer mit 16.831,67 Euro zu Buche, auf die NoVA verzichtet der Staat. Die monatliche Belastung ist mit 10,4 Euro (dank des Wegfalls des Sachbezugs und des Steueranteils an Energiekosten von 10,40 Euro) minimal. Macht in Summe eine Belastung von 17.829,59 Euro über die Nutzungsdauer. Der Tesla-Nutzer liefert am Ende 97.247,39 Euro weniger ab als der Benzinbruder Panamera. Derzeit darf sich der Käufer zudem über eine Investitionsprämie/E-Mobilitätsförderung von 5891,08 Euro freuen.

Auch bei einem Kompakten ist der Steuervorteil über die Nutzungsdauer noch recht erklecklich.
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Auch bei kleineren Modellen ist einiges zu holen. Bei einem Golf Life TSI DSG Diesel (110 kW) zum Nettopreis von 26.025 Euro fallen beim Kauf 5205 Euro Steuern an, dazu kommen monatlich 337,19 Euro. Der Strombruder ID.3 Pro S mit 150 kW ist in der Anschaffung mit 33.633,33 Euro deutlich teurer als der Diesel. Bei der Steuerleistung schneidet er aber sehr viel günstiger ab. Die Investitionsprämie/E-Mobilitätsförderung fällt mit 9708,67 Euro sogar deutlich höher aus als beim Tesla.

Weniger Leistung – damit höhere ökologische Werte (niedrigerer CO2-Ausstoß) – werden belohnt. Die monatliche Steuer ist mit 8,80 Euro kaum wahrnehmbar, die Differenz zum Diesel mit 36.730,76 auch hier beachtlich. Das Fenster könnte sich bald wieder etwas schließen. Die Investitionsprämie läuft laut aktuellem Stand mit 28. 2. 2021 aus. In Sachen Mobilität bleibt wohl einiges in Bewegung. (rebu, 19.12.2020)