Auf dieser Aufnahme vom 13. Dezember haben sich Saturn (oben) und Jupiter einander schon – scheinbar – angenähert. Aber da geht noch mehr.
Foto: AP/Bill Ingalls/NASA

Montagabend lohnt es sich, die Augen nach Südwesten zu richten: Dann wird zwischen den Sternbildern Schütze und Steinbock scheinbar ein kräftiger neuer Stern vom Himmel strahlen. Es ist die kombinierte Leuchtkraft der beiden Gasriesen Jupiter und Saturn, die dann von der Erde aus betrachtet annähernd denselben Punkt am Himmel einnehmen werden.

Wer diese sogenannte Große Konjunktion durchs Teleskop betrachtet, wird immer noch einen minimalen Abstand zwischen den beiden Planeten ausmachen können. Für das nackte Auge hingegen werden sie zu einem einzigen Leuchtpunkt verschmelzen – und der ist hell genug, dass er bereits in der Dämmerung sichtbar wird. Allzu viel Zeit zum Beobachten bleibt aber nicht: Um 18 Uhr wird das planetare Duo hinter dem Horizont verschwinden.

Was ist

Von einer tatsächlichen Annäherung kann natürlich nicht die Rede sein. Jupiter kreist im Schnitt 5,2 Mal weiter draußen als die Erde um die Sonne, Saturn hingegen fast doppelt so weit, nämlich 9,5 Mal. Und das ist nur der Minimalabstand, wenn die beiden Planeten in einer Linie zur Sonne stehen. Da sie auf ihren Bahnen aber unterschiedlich schnell unterwegs sind, kann sich die tatsächliche Distanz zwischen ihnen noch beträchtlich erhöhen.

Dieses Modell unseres Sonnensystems ist nicht maßstabsgetreu – sonst wäre Raumfahrt viel einfacher ... allerdings auch kein Leben auf der Erde möglich. Bei einer maßstabsgetreuen Darstellung wiederum wäre es unmöglich, alle Objekte sichtbar ins Bild zu bringen.
Illustration: imago/StockTrek Images

Während Jupiter knapp 12 Jahre braucht, um die Sonne einmal zu umkreisen, sind es bei Saturn gut 29. Von der Erde aus betrachtet, "überholt" Jupiter seinen Nachbarn alle 20 Jahre, und es kommt zu einer Konjunktion. Allerdings gestaltet sich bei weitem nicht jede Konjunktion so eng wie die heurige.

Was gewesen sein könnte

Dieser 20-jährige Zyklus fällt heuer auch mit einem zusammen, der exakt zwölf Monate dauert: nämlich der alljährlichen medialen Suche nach einem Himmelsphänomen, das dem Stern von Bethlehem aus der christlichen Mythologie entsprechen könnte. Und tatsächlich ist eine Große Konjunktion von Jupiter und Saturn sogar einer der wahrscheinlicheren Kandidaten dafür. Immer vorausgesetzt freilich, dass der im Matthäus-Evangelium erwähnte Stern, der den Weisen den Weg nach Bethlehem wies, nicht einfach ein Fall dichterischer Freiheit war, um dem Inhalt eine Extraportion Gravitas zu verleihen.

Was Menschen in früheren Jahrtausenden am Himmel gesehen haben mögen, lässt sich bei singulären Ereignissen wie einer Supernova oder einem Meteor – zwei weitere Erklärungen für besagten Stern – kaum rekonstruieren. Bei zyklischen Erscheinungen kann es gehen. Wenn sich etwa ägyptische Astronomen zur Zeit des Pyramidenbaus am Polarstern orientierten, dann war es nicht der, den wir heute kennen (Stella Polaris), sondern Thuban. Durch die Kreiselbewegung der Erdachse wechselt ein festes Ensemble von Sternen einander in einem 25.700 Jahre dauernden Zyklus im Amt des Polarsterns ab.

Dass Zyklen leicht zu berechnen sind, schließt einen weiteren gerne genannten Kandidaten für den Stern von Bethlehem aus: Der Halleysche Komet zeigte sich im Herbst 12 vor unserer Zeitrechnung – zu früh. Diese Zeitrechnung ist zwar fehlerhaft, und ihr Beginn müsste nach unterschiedlichen Berechnungen von Historikern um vier bis sieben Jahre vorverlegt werden – aber nicht um so viel, dass es für den Halleyschen Kometen reichen würde. Eine Große Konjunktion von Jupiter und Saturn aber bliebe im Spiel, es gab eine im Jahr 7 vor Christi kalendarischer Geburt.

Kurzer Ausblick

Und die berechenbaren Bahnen der Himmelskörper unterstreichen noch einmal, warum es sich lohnt, Montagabend in die Kälte hinauszugehen. Bei den nächsten Konjunktionen, 2040 und 2060, werden die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems deutlich mehr Abstand zueinander halten als heuer. Erst 2080 wird es wieder vergleichbar eng. (jdo, 21.12.2020)