Corona hat auch im Sexleben vieler Österreicher seine Spuren hinterlassen.

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Zu Beginn eine gute Nachricht: Seit Corona in unser Leben getreten ist, geht es in Österreichs Betten weniger dreckig zu. Wobei nicht die Prüderie Einzug gehalten hat, sondern die pandemisch bedingte Furcht vor Keimen. So waren beim Erotik-Onlineversand Amorelie Toycleaner gefragter denn je. Der Absatz in diesem Bereich nahm um 30 Prozent zu. Auch in anderen Kategorien stiegen die Verkaufszahlen. Während hier so manches Paar also einen zusätzlichen Kick suchte, fällt das sexuelle Fazit 2020 für die meisten trotzdem eher ernüchternd aus.

Libido-Killer Lockdown

Wer allerdings erwartet, dass es vor allem Singles waren, die heuer um ihre erotischen Abenteuer umgefallen sind, täuscht sich: Eine Studie aus Italien zeigt, dass auch bei Paaren vielfach tote Hose herrschte. Forscher der Universität Florenz haben mehr als 1.500 Menschen zwischen 31 und 46 Jahr über ihr Sexleben in der Isolation befragt. Die meisten davon lebten in stabilen Beziehungen. Sie berichteten, dass sie im Lockdown weniger Sex mit ihrem Partner hatten als sonst. Ganz besonders Paare mit Kindern verzeichneten eine sexuelle Durststrecke. Eltern mussten in den letzten Monaten mehrfach und über Wochen hinweg die Kinder im Homeschooling begleiten, Essen kochen, betreuen, bespaßen, sich zerreißen. Doch auch in kinderlosen Beziehungen war vielfach im Bett nur das Knistern der Chipstüten zu hören. Ausgangssperren und geteiltes Homeoffice raubten vielen die Lust auf noch mehr Nähe zu ihren Partnern.

Die Einkaufstrends des Erotik-Onlineversands Amorelie zeigen, dass zu viel Zweisamkeit ein echter Liebeskiller sein kann. Dort boomten in den vergangenen Monaten vor allem Paar-Toys, die über eine weitere Distanz funktionieren – mitunter sogar über Landesgrenzen hinweg. Sex hat so für viele Paare und Bekanntschaften während der Pandemie auch ohne körperliche Nähe funktioniert: Sexting oder Sex via Videochat haben ihr Schmuddelimage endgültig verloren. Sogar Stars wie die US-Sängerin Miley Cyrus gaben an, dass sie heuer aus Sicherheitsgründen vor allem über Videotelefonate Sex hatten.

Keine Auszeit für Geschlechtskrankheiten

Wenn die Menschen heuer nun schon weniger (realen) Sex hatten, dann sollten sich zumindest sexuell übertragbare Krankheiten weniger stark verbreitet haben – könnte man meinen. Laut Experten geht diese Rechnung allerdings nicht auf. So verzeichnete die Aidshilfe Salzburg heuer zwar weniger Neuansteckungen. Allerdings befürchtet man hier, dass die Infektionen lediglich später diagnostiziert werden. Viele Menschen verzichteten nämlich während des Lockdowns darauf, sich testen zu lassen. Zudem wurden HIV-Tests teilweise nur eingeschränkt oder gar nicht angeboten.

Und manche sexuell übertragbaren Krankheiten befeuerte der Lockdown sogar. In Deutschland kam es in manchen Gebieten zu einem Anstieg der Syphilis-Fälle, wie Daten des Robert-Koch-Instituts belegen. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Menschen während der Pandemie weniger Quickies hatten. Stattdessen dürften viele nach dem Prinzip "Wenn schon, denn schon" seltener, aber dafür längere sexuelle Kontakte gehabt haben. Was das Ansteckungsrisiko gerade bei Syphilis laut Experten deutlich erhöht.

Ob mit dem Ende der Corona-Pandemie auch die Normalität in die Schlafzimmer zurückkehrt, bleibt abzuwarten. Der erwartete Babyboom nach dem Lockdown dürfte jedenfalls ausbleiben. Ob dieser nach der baldigen Corona-Impfung doch noch eintritt, können wir wohl höchstens mit Sicherheit sagen, wenn in einem Jahr Pfizer und Moderna zu beliebten Babynamen werden. (Antonia Rauth, 31.12.12.)