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Sigi Lützow: Red Bull Salzburg macht's!

Was gegen den achten Streich von Red Bull Salzburg en suite spricht? Genau! Nichts! Der Winterkönig trägt die Krone auch im Mai. Und schlussendlich wird die Konkurrenz voll des Lobes sein und den Neid wieder nur mühsam verbergen können. Sicher, der ballesterische Werbeträger ist finanziell auch in schlechten Zeiten auf Rosen gebettet. Ganz ohne Zukunftssorgen kann gesportelt werden, solange dem Finanzier gefällt, was er sieht. Und es gefällt, weil die Performance abseits des Platzes fast noch besser als manche Vorstellung auf dem Rasen ist. RBS hält die Konkurrenz in Schach und entwickelt und vergoldet nebenbei kommende Weltstars in Serie.

Auch der Abgang von Dominik Szoboszlai wird flott verkraftet sein. Die Mannschaft hat, unabhängig von der sportlichen Führung, schon oft und oft die Regenerationskraft des Axolotl gezeigt, des mexikanischen Schwanzlurchs, der über die Fähigkeit verfügt, Gliedmaßen und Organe, ja sogar Teile des Gehirns und des Herzens, deren er verlustig gegangen ist, flott wieder in alter Qualität herzustellen.

Da kommt der Modus, der Salzburgs Dominanz brechen sollte, dem Serienmeister sogar noch entgegen. Rückstand, der möglicherweise in der Konsolidierungsphase ohne Spielmacher Szoboszlai aufgerissen wird, wäre nach zehn Frühjahrsrunden schließlich nur noch halb so schlimm. Der Teller, seien Sie versichert, bleibt in Wals-Siezenheim.

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Fritz Neumann: Sturm Graz macht's!

Wem ist es zu danken, dass Salzburg nicht sämtliche Titel seit 2013 davontrug? Sturm Graz, dem Cupsieger 2018. Wer hat Salzburg heuer die erste Saisonniederlage zugefügt? Sturm Graz. Und wer wird Salzburg also auch als Meister ablösen? Eh klar, Sturm Graz. Da braucht man nur eins und eins zusammenzählen. In fortschrittlichen Fußballländern, das kommt noch dazu, schaut man nicht auf die Punkte, sondern auf die Verlustpunkte. So gesehen liegen die Steirer, die noch ein Spiel beim WAC nachzutragen haben, schon jetzt an der Spitze. Und von dort werden sie auch am Ende grüßen.

Auch abgesehen von der oder, sagen wir, von dieser Logik spricht einiges für Sturm. Zu allererst die Kompaktheit. Die Grazer haben mit Abstand die wenigsten Gegentore kassiert. Nur fünf in elf Partien. Der LASK musste bis dato doppelt so viele, Salzburg dreimal so viele Goals zulassen. Kein Wunder, dass Sturm kaum zu biegen ist, nur eine einzige Partie ging verloren (0:2 daheim gegen den LASK).

Vieles passt zusammen, keiner ragt heraus. Sturm besticht und gewinnt im Kollektiv, den einen Superstar gibt es nicht, dafür mehrere Leader wie Jantscher und Ljubic, die je viermal, oder Friesenbichler und Balaj, die je dreimal gescort haben. Trainer Christian Ilzer, bei der Austria ein ewig Suchender, hat sehr rasch einen Draht zur Mannschaft gefunden. Binnen Halbjahresfrist wird er Sturm zum vierten Meistertitel nach 1998, 1999 und 2011 geführt haben.

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Martin Schauhuber: Der LASK macht's!

Breaking News: Meistens wird die Mannschaft mit den besten Fußballern Meister. Der Titel geht heuer also nach Linz. Der LASK ist längst nicht mehr nur sein überlegenes System, völlige Eingespieltheit, perfektes Kollektiv. Das Ganze mag immer noch größer sein als die Summe seiner Teile – aber diese Teile verdienen individuell Respekt.

Im Tor schlagert der beste Goalie Österreichs, vor ihm traunert der beste Abwehrchef der Liga, die Ecken michorlt der beste Standard-Spezialist, vorn eggesteint ein absoluter Glücksgriff ein Tor nach dem anderen. Wie Werder den verliehenen Stürmer für entbehrlich halten konnte, ist wohl nicht nur LASK-Fans ein Rätsel.

Den lästigen Europacup sind die Linzer schon losgeworden, das kann in dieser ungewöhnlich dichten Saison den Unterschied machen. Dominik Thalhammer funktioniert als Trainer ganz offensichtlich, die Linzer scheinen auch finanziell stabil zu sein. Thomas Goiginger war zuletzt immer öfter die Waffe, die er vor seinem Kreuzbandriss war. Ein Sprengen des Mannschaftsgefüges wie beim Corona-Training im Frühling wird es nicht wieder geben. Am Ende entscheiden Fußballspiele über den Titel – und der LASK ist verdammt gut darin, die zu gewinnen.

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Philip Bauer: Rapid Wien macht's!

Es sind harte Zeiten. Wenn man sich der Maske entledigt hat, hilft nur noch ein Glas Prosecco Frizzante. Oder der Glaube. Der Glaube an eine bessere Zukunft, der Glaube an die moderne Medizin, der Glaube an den SK Rapid Wien. Der Glaube ist eine gefühlsmäßige, nicht von Beweisen oder Fakten bestimmte unbedingte Überzeugung. In diesem Sinne: Rapid wird Meister. Warum? Weil es so sein wird.

Im Fußball braucht es nicht nur eine diametral abkippende Sechs, es braucht auch etwas Glück zur richtigen Zeit. Und nirgendwo als in Österreich weiß man besser, dass das Glück ein Vogerl ist. Will so ein Vogerl immer nur nach Salzburg fliegen? Mitnichten. Es braucht Abwechslung, es will auch mal die große Stadt sehen. Und nein, damit sind jetzt nicht Linz oder Graz gemeint.

Also was führt Rapid zur 33. Meisterschaft? Der Impfstoff. Wenn Corona in die Flucht geschlagen ist, wenn die Fanmassen sich wieder Richtung Allianz-Stadion bewegen, wenn die Stoßgebete zu Luigi Scrosoppi, dem Schutzpatron aller Fußballer, im hauseigenen Andachtsraum gesprochen sind, wird Rapid zum Titel gepeitscht, wird Rapid den Meisterteller in den Hütteldorfer Abendhimmel strecken. Vergessen ist 2020, alles ist gut. Der Glaube versetzt Berge. (lü, fri, schau, phb, 22.12.2020)