Die erste Phase der Corona-Impfung hat in Österreich am 27. Dezember begonnen.

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Die erste Phase der Covid-Impfstrategie wurde am Sonntag eingeläutet, bis zum Sommer sollten laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober alle Impfwilligen ein Immunisierungsangebot erhalten. Doch wer kommt wann und wie an die Reihe? Muss ich mich überhaupt impfen lassen? Gibt es genügend Impfstoff? DER STANDARD bringt einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten zur Impfung:


Frage: Wer soll wann gegen das Coronavirus geimpft werden?

Antwort: Es soll drei Phasen geben. Die erste hat am 27. Dezember begonnen, in dieser soll laut Covid-Impfstrategie in Alten- und Pflegeheimen geimpft werden – dazu zählen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch in der Küche oder in der Reinigung, sowie Bewohnerinnen und Bewohner. Außerdem gilt Phase eins für Personen, die in Gesundheitseinrichtungen arbeiten mit hohem Expositionsrisiko sowie Hochrisikopatientinnen und -patienten. In Phase zwei kommen ältere Personen und Personal in kritischer Infrastruktur, Phase drei ist dann für die gesamte Bevölkerung vorgesehen. Phase eins läuft im Jänner und Februar, allerdings soll schon am 12. Jänner flächendeckend in allen Altenheimen eine Impfung angeboten werden, der Gesundheitsbereich soll Anfang Februar drankommen. Dann folgt Phase zwei, sie geht nach Einschätzung von Gesundheitsminister Anschober bis Anfang April, dann startet Phase drei. Diese Phasen können aber "noch in Bewegung kommen", sagt Anschober, abhängig sei man von Marktzulassungen und den Lieferungen der Hersteller.

Frage: Wer zählt zur Risikogruppe?

Antwort: Hier wird jene Klassifizierung verwendet, die schon vor Monaten in der Risikogruppenverordnung festgeschrieben wurde. Dazu zählen etwa Personen mit fortgeschrittenen chronischen Lungenkrankheiten, chronischen Herzerkrankungen mit Endorganschaden und bestimmte Krebspatientinnen und -patienten.

Frage: Bis wann werden alle geimpft sein?

Antwort: Der Gesundheitsminister sagte am Dienstag, "bis Sommer" könne allen Impfwilligen im Land ein Immunisierungsangebot gemacht werden. Davor werde man (siehe oben) Menschen mit hohem Erkrankungs- und Ansteckungsrisiko priorisieren – also Ältere, Vorerkrankte und Mitarbeiter von Pflegeheimen sowie von Spitälern. Dass der Impfplan vorsehe, dass Häftlinge vor Lehrern geimpft werden, sieht der Minister entspannt, denn man müsse alle Risikogruppen schützen. Die Konzepte kommen von der Impfkommission.

Frage: Wie komme ich zu meinem Impfstoff, wenn es so weit ist?

Antwort: Man wolle, sagt Anschober, mit dem Impfstoff nahe an die Leute heran. So soll direkt in den Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern geimpft werden. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sollen aktiv Risikogruppen und Zielgruppen ansprechen und informieren, auch sie werden impfen. In Phase drei soll die Abwicklung zudem einerseits über Betriebsärztinnen und -ärzte in großen Unternehmen, andererseits auf Gemeinde- und Städteebene passieren. Dort soll es Impfzentren geben, auch in sehr kleinen Einheiten, etwa Turn- oder Pfarrsälen.

Frage: Zuletzt gab es am – wie es heißt – zu schwerfälligen Corona-Impfplan Kritik. Was sagt der Minister dazu?

Antwort: Anschober ließ diese Kritik nicht gelten. Wann wer immunisiert werden könne, sei Ausfluss einer "dynamischen Situation". Es hänge vom Tempo bei den weiteren Impfstoffzulassungen in der EU sowie vom konkreten Eintreffen der Lieferungen ab.

Frage: Warum wurden in den USA schon mehr als zwei Millionen Menschen geimpft, in Großbritannien mehr als 600.000, bei uns aber erst Einzelne?

Antwort: Dass die Europäische Union später als etwa Großbritannien oder die USA in breite Impfaktionen einsteigen, hat vor allem mit den Vorsichtsmaßnahmen bei der Zulassung von Impfstoffen zu tun. In der EU sind die Zulassungsverfahren umfänglicher, weil jeder Impfstoff trotz des großen Drucks der Öffentlichkeit ein reguläres Verfahren bei der gemeinsamen Arzneimittelbehörde (EMA) durchlaufen muss. Damit wollte man das Vertrauen der Bevölkerung, auch jenes der Impfgegner, stärken. Noch im Oktober beim EU-Gipfel war unklar, ob es vor Jahreswechsel überhaupt zu Impfungen wird kommen können. Die 27 EU-Partner waren bereits im Frühjahr nicht nur übereingekommen, die Forschung und Entwicklung von Covid-19-Vakzinen gemeinsam durchzuführen, sondern auch gemeinsam zu finanzieren.

Frage: Wurde das vorab bezahlt?

Antwort: Um die Produktion zu gewährleisten, leistet die EU Anzahlungen – bisher summierten sich diese auf 2,7 Milliarden Euro.

Frage: Gibt es genügend Impfstoff?

Antwort: Im Frühjahr kaufte die EU-Kommission Optionen für zwei Milliarden Impfdosen, mehr als doppelt so viele, wie man braucht, um alle 446 Millionen EU-Europäer in zwei Schritten zu impfen. Allerdings läuft die Produktion bei den Herstellern erst dann auf vollen Touren, wenn sie durch eine Zulassung auf den jeweiligen Märkten auch mit entsprechendem Absatz rechnen können. Kurz vor Weihnachten verständigte man sich im Kreis der Regierungen darauf, dass die ersten Lieferungen und Impfungen am 27. Dezember passieren sollten, gleichzeitig ausgeliefert vom Pfizer-Werk in Belgien, dem bislang einzigen lieferfähigen Produzenten in Europa.

Frage: Was ist mit den anderen Herstellern und deren Entwicklungen?

Antwort: Das Vakzin der Firmen Biontech/Pfizer wurde von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA bereits approbiert und wird EU-weit, also auch in Österreich, verimpft. Die Zulassung eines zweiten Impfstoffes von der US-Firma Moderna erwartet Minister Rudolf Anschober "in der ersten Jännerhälfte 2021. Der 6. Jänner wäre ein gutes Datum", ging er hier ein wenig kryptisch ins Detail. Das an der Uni Oxford entwickelte Vakzin der Firma Astra Zeneca wiederum, auf das die EU im Zuge ihrer koordinierten Impfstoffbestellungen einen Schwerpunkt setzt, könnte seines Erachtens "im Februar" von der EMA bewilligt werden. Dann könnte die Auslieferung von Impfstoff schlagartig erhöht werden. Das ist auch der Grund, warum die Impfung aller alten Menschen in Österreich in der Breite erst ab 1. Februar losgehen dürfte.

Frage: Wie viel Impfstoff gibt es für Österreich – und wird das reichen?

Antwort: Noch heuer wird mit 61.425 Dosen gerechnet, die auch bis Silvester verimpft werden sollen. Thomas Bosch, Chef des Pharmahandels der Wiener Kwizda-Gruppe, sagte dem STANDARD: "Jede weitere Woche im Jänner kommt dann die gleiche Stückzahl hinzu." Bis Ende Jänner kann man somit die ersten 150.000 Personen impfen. Ende März sollten 3,5 Millionen Impfdosen in Österreich verfügbar sein, Ende Juni sogar zehn Millionen. "Das hieße, dass dann fünf Millionen Österreicher geimpft werden können. Bis Jahresende reden wir von 17,5 Millionen Impfdosen und somit der Möglichkeit, 8,7 Millionen Personen zu impfen." Dem Experten Clemens Martin Auer zufolge wird es in der EU – sollte alles klappen – zirka 1,5 Milliarden Impfstoffdosen geben. "Da man pro Person zwei Dosen braucht, können also 792 Millionen Menschen damit geimpft werden. In der EU leben 446 Millionen. Das sollte reichen."

Frage: Gibt es eine Möglichkeit, sich früher impfen zu lassen, auch wenn man eigentlich noch nicht dafür vorgesehen ist?

Antwort: Dafür stehen die Chancen schlecht. Die EU-Staaten gehen bei den Impfplänen koordiniert vor – und impfen Risikogruppen zuerst. Eine Ausnahme gibt es nicht einmal in der zwischen Brüssel und Antwerpen gelegenen belgischen Gemeinde Puurs, wo Pfizer das Anti-Corona-Präparat herstellt. Der Bürgermeister berichte, dass er viele Anfragen von Bürgern seiner Gemeinde bekomme, wann sie geimpft werden könnten. "Es gibt da keine Ausnahme, die Regeln sind für alle gleich", sagte er im Fernsehen. Wenn Puurser sich impfen lassen wollen, müssen sie sich wie alle Belgier erst einmal anmelden.

Frage: Wollen überhaupt alle, die eine Impfung bekommen können, tatsächlich geimpft werden?

Antwort: Sicher nicht alle – oder jedenfalls nicht gleich. Eine Umfrage von Peter Hajek für ATV ergab zur Monatsmitte, dass nur 17 Prozent der österreichischen Bevölkerung "ganz sicher" geimpft werden wollen. 29 Prozent "ganz sicher nicht". Hajek rechnete damals damit, dass knapp jeder Dritte sich, ohne zu zögern, impfen lassen würde, wenn die Impfung denn angeboten würde. Die Impfbereitschaft könnte allerdings gesteigert werden, wenn sich herumspricht, dass es keine abschreckenden Neben- und Langzeitwirkungen gibt, dass viele Menschen schon geimpft sind oder dass geimpfte Personen weniger Einschränkungen auf sich nehmen müssen als ungeimpfte.

Frage: Welche Einschränkungen drohen Menschen, die nicht geimpft worden sind?

Antwort: Theoretisch sind alle Maßnahmen, die jetzt im Lockdown gelten denkbar – von Ausgangsbeschränkungen über das Verbot, Lokale zu besuchen, bis zu Reiseeinschränkungen. In der Praxis wird nur wenig davon umgesetzt werden, weil eine Impfpflicht in Österreich staatlicherseits nicht vorgesehen ist. Geimpfte würden bei einem nächsten Lockdown keine Vergünstigungen bekommen, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei seiner Pressekonferenz am Dienstag. Genauso wenig müssten Nichtimpfwillige mit Beschränkungen rechnen, ist die Linie des Ministeriums.

Frage: Und dabei bleibt es?

Antwort: Tatsächlich dürfte es beim Abschluss zivilrechtlicher Verträge Beschränkungen geben: So hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr in der Welt am Sonntag angekündigt, dass Langstreckenflüge künftig wohl nur mit einem negativen Corona-Test oder einem Impfnachweis möglich sein werden. Offen ist, ob andere Unternehmen (etwa Hotels oder Gaststätten) ähnliche Beschränkungen zum Schutz ihrer Beschäftigten oder anderer Kunden erlassen werden. Wahrscheinlich werden auch einige Reiseländer von Touristen einen Impfnachweis verlangen – wie er jetzt schon vielfach gegen Gelbfieber verlangt wird.

Frage: Müssen wir uns eigentlich impfen lassen?

Antwort: Nein. Es wäre zwar möglich, dass per Gesetz eine Impfpflicht vorgeschrieben wird, das schließt die Bundesregierung aber dezidiert aus – auch wenn einzelne Landeshauptleute ausscheren. Eine andere Möglichkeit wäre es, eine Impfung an besondere Rechte zu knüpfen, ähnlich wie es bald bei den Massentests funktionieren soll. Danach gefragt, ob das ein Plan sei, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Tag des Impfstarts, es sei nicht der richtige Tag, "um zu philosophieren". Allerdings können auch Firmen selbst aktiv werden. So kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr an, man solle die Airline nur noch dann nützen können, wenn man Test- oder Impfnachweis dabeihabe.

Frage: Und wie kommen die Impfstellen an die Vakzine?

Antwort: Dafür wurde eine Bestellplattform eingerichtet, die am Montag präsentiert wurde. Die Bundesbeschaffung GmbH (BBG) fungiert dabei als Bindeglied zwischen den impfenden Stellen und den Pharmalogistik-Unternehmen. Über eine Website sollen zum Beispiel Alters- und Pflegeheime gratis mit wenigen Klicks die Impfstoffe in Kartons zu je fünf Dosen bestellen können. Das soll mindestens sechs Tage vor dem geplanten Impftermin passieren, auch Vorbestellungen sind möglich. Einen Tag vor dem Impftermin sollen die Impfstoffe dann ankommen. Das Bestellsystem wird je nach Phase im Impfplan für unterschiedliche Stellen freigeschaltet.

Frage: Was sind die Nebenwirkungen, kann mir der Impfstoff schaden?

Antwort: Laut Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung Impfwesen im Gesundheitsministerium, kann es nach der Impfung zu Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit kommen. Das sei aber eine normale Reaktion des Körpers und ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem reagiert. Und: Das geht rasch wieder weg. Immer wieder wird auch über gefährliche Inhaltsstoffe von Impfungen gesprochen, dazu zählen etwa Formaldehyd, Aluminium, Phenol oder Quecksilber. Die können etwa enthalten sein, damit Impfstoffe besser wirken oder länger halten. Allerdings sind sie normalerweise "in äußerst geringen Konzentrationen und weit unterhalb toxikologischer Grenzwerte" enthalten, schreibt das Robert-Koch-Institut. In seltenen Fällen können Impfungen außerdem zu allergischen Schockzuständen oder einem Kollaps führen, jedoch sind die möglichen Folgen der Erkrankung, wenn gegen sie nicht geimpft würde, wesentlich wahrscheinlicher.

Frage: Wie kommt Österreich eigentlich an die Impfstoffe?

Antwort: Die gesamte EU hat dafür einen riesigen Beschaffungsprozess gestartet. Sie fokussiert sich auf sechs verschiedene Impfstoffe, einer davon ist jener von Biontech und Pfizer, der bereits zugelassen ist, bei den anderen wartet man derzeit noch auf die Zulassung, eine könnte aber schon nächste Woche erfolgen. Mit den Herstellern schließt die EU schon vor der Zulassung Verträge ab, teilweise über mehrere Hundert Millionen Dosen, und sichert sich so ihr Kontingent, das auf die Länder verteilt wird. Damit die Produktion gewährleistet wird, leistet die EU Anzahlungen. Bisher waren das 2,7 Milliarden Euro, sagt Clemens Martin Auer, der Sonderbeauftragter im Gesundheitsministerium in den Einkaufsprozess involviert ist.

Frage: Schützt die Impfung auch davor, dass ich mich oder andere anstecke?

Antwort: Sie schützt vor Erkrankung, und zwar mit 90-prozentiger Wirksamkeit, sagt Paulke-Korinek. Ob sie auch vor der Übertragung schützt, ist noch nicht klar. Laut Ursula Wiedermann-Schmidt, Professorin für Vakzinologie, die am Sonntag die ersten Corona-Schutzimpfungen verabreichte, haben sich die Zulassungsstudien bisher vorwiegend auf das Ziel konzentriert, die Erkrankung zu verhindern. Ob die Geimpften dann auch noch ansteckend seien, sei Bestandteil weiterer Untersuchungen. Wer nicht erkrankt, trage aber eine geringere Viruslast in sich und sei daher auch weniger ansteckend.

Frage: Was ist, wenn ich ohnehin schon Corona hatte?

Antwort: Die Empfehlung ist laut Paulke-Korinek, dass alle geimpft werden, auch dann, wenn man die Erkrankung schon gehabt hat. Sollte es aber eine Impfstoffknappheit geben, sei denkbar, dass Personen mit einem positiven PCR-Test für drei Monate zurückgestellt werden. Übrigens hätte laut Paulke-Korinek ein Antikörpertest diesbezüglich keine Aussagekraft: Es sei nicht definiert, welchen Antikörperspiegel man brauche, um vor der Krankheit geschützt zu sein.

Frage: Warum sind bei uns – anders als etwa in Tschechien oder Israel – Politiker nicht als Beispiel vorangegangen, indem sie sich als Erste impfen lassen?

Antwort: Das ist, so Anschober, eine schwierige Fragestellung, weil das zweierlei Signale senden könne. Einerseits würde es dann Neiderinnen und Neider geben, "die sagen: 'Schau, der kann sich's richten'", Skeptikerinnen und Skeptiker wiederum würden sagen, "die sollen mal zeigen, dass sie das Produkt für gut und richtig empfinden". Man diskutiere diese Frage aber momentan, fest stehe: Er werde sich impfen lassen.

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