Auch Microsoft engagiert sich im Bereich Streaming und Cloud-Gaming.

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Covid-19 hat der Gaming-Branche 2020 mehr genutzt als geschadet. Es wurden mehr Spiele verkauft, und auch die Anzahl der Menschen, die aktiv spielen, hat sich erhöht. Laut Analyseplattform Newzoo ergibt das ein Wachstum von 19,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2021 wird dennoch ein herausforderndes Jahr. Es bleibt die Ungewissheit, wie sich die Pandemie weiter auf die Wirtschaft auswirkt und ob es zumindest ab der zweiten Jahreshälfte die Möglichkeit geben wird, sich auf Messen zu präsentieren. Das Arbeiten mit heiklen Daten vom Homeoffice aus wird weiterhin Hacker anlocken, und Lieferengpässe neuer Konsolen werden wohl auch kommendes Jahr ein Thema sein. Doch was werden die Trends sein, die sich aufgrund der aktuellen Situation ergeben? Welche Auswirkungen werden etwa Playstation 5 und Xbox Series X haben, und zieht Nintendo tatsächlich 2021 mit neuer Hardware nach?

Stabilität dank Blockbustern

"Halo Infinite", "Battlefield 6", "God of War Ragnarok" und viele große Produktionen mehr werden für dieses Jahr bereits erwartet und wurden teilweise sogar schon bestätigt. Einen Mangel an bewährten Blockbustern wird es demnach voraussichtlich nicht geben. Noch immer sind solche Titel, die sich fast immer rund fünf bis zehn Millionen Mal verkaufen, das starke Rückgrat vieler Publisher. Die einzige Unsicherheit ist, ob sich durch die neuen Arbeitsbedingungen oder noch unvorhersehbare Faktoren große Titel wie Halo Infinite sogar um ein weiteres Jahr nach hinten verschieben.

In jedem Fall wird sich die Gaming-Industrie 2021 noch nicht auf die neuen Konsolen verlassen. Die installierte Basis ist noch zu gering, und sowohl Sony als auch Microsoft signalisieren, dass sie in den nächsten zwölf Monaten nicht auf Playstation 4 beziehungsweise Xbox One vergessen werden. Auch die Zahlen der Nintendo-Switch-Verkäufe waren in diesem Jahr durchwegs stark, was dem Markt ebenfalls hilft zu wachsen.

Ob "Halo Infinite" nach seiner letzten Verschiebung ein Erscheinen im Jahr 2021 schafft?
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Neue Konsole von Nintendo

Gerüchte rund um einen Nachfolger der Nintendo Switch gibt es schon seit längerer Zeit. Die Switch 2 oder Switch Pro könnte einen stärkeren Prozessor sowie 4K-Unterstützung bieten. Vier Jahre nach der Ersterscheinung könnte so ein Schritt durchaus Sinn machen, um mit der neuen Konkurrenz zumindest einigermaßen Schritt zu halten. Noch verkauft sich die Switch aber sehr gut, deshalb scheint Nintendo nicht in Zugzwang zu sein. Man darf gespannt sein, ob 2021 zumindest ein offizielles Statement des japanischen Konsolenherstellers zu einem möglichen Nachfolger publiziert wird.

Cloud-Gaming weiter im Vormarsch

Die Internetverbindungen werden besser, das Angebot von Google Stadia und Microsoft xCloud ebenso. Am Horizont wartet zudem Amazon Luna mit ihrem Cloud-Gaming-Service. Die Idee, an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen zu können und das mit der möglichst besten Qualität, wird in den kommenden Monaten sicher noch einige gute Beispiele für ein Vorantreiben dieser Technologie geliefert bekommen. Zuletzt waren die Vorteile einer gewissen Unabhängigkeit von der eigenen Hardware bei "Cyberpunk 2077" sichtbar. Acht Jahre alte Konsolen standen einem Projekt gegenüber, das sie nicht mehr stemmen konnten. Auf einmal sprachen viele von der Stadia-Version, die auch ohne eigenen Top-PC eindrucksvolle Optik bot. Die sehr knapp bemessenen Festplatten der neuen Konsolen, speziell der Xbox Series S, könnten ein Hinweis darauf sein, dass man auch hier sehr bald mehr Geld investieren wird, um diese Services attraktiver für den Kunden zu machen.

Die zunehmende Kompatibilität mit iOS und die Ankündigung von Xbox-Chef Phil Spencer, die Idee eines Smart-TV-Sticks für überlegenswert zu halten, werden die Verbreitung und das Bewusstsein von Entwicklern gegenüber diesem Markt weiter vorantreiben.

Cloud-Gaming wird ein immer größeres Thema.
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Überraschungstitel

"Among Us", "Fall Guys" oder "Genjin Impact". Das letzte Jahr hat gezeigt, dass die größten Hits des Jahres nicht unbedingt monatelang in Release-Listen stehen müssen. Schon seit "Fortnite" oder "Apex Legends" hat sich gezeigt, dass es in der Gaming-Branche immer öfter Überraschungen gibt, die ohne große Marketingkampagne einfach veröffentlicht werden und im Idealfall eine große Fangemeinde gewinnen. Auch 2021 wird es solche Fälle geben. Sei es, weil wie im Falle von "Among Us" ein kleines Studio von den Umständen oder populären Streamern profitiert oder aber größere Studios wie Riot oder Epic, die versuchen werden, solche Überraschungen mit passenden Titeln zu provozieren.

Indie-Wachstum

Durch die Trägheit der großen Studios in turbulenten Zeiten, war schon 2020 für viele Indie-Studios Hochblüte. Selten hatte man so viele hochwertige Vertreter spielen dürfen, wie in den letzten Monaten. Dieser Trend wird bleiben, sieht man sich die Pläne der kleinen Studios für 2021 an. Sei es "12 Minutes" von Luis Antonio, das bereits auf der E3 2019 angekündigt wurde, das kooperative Mehrspieler-Abenteuer "It Takes Two" oder das innovative "Airhead" von Octato. Speziell auf Plattformen wie PC und Switch wird man sich Mühe geben müssen, den Überblick zu bewahren.

Gaming-as-a-Platform

Bereits 2020 nutzten viele Künstler Spiele als Plattform für Auftritte. Travis Scott spielte ein Konzert in "Fortnite" – vor 140 Millionen Zuschauern. Hochzeiten und Geburtstagsfeiern in "Animal Crossing" machten das Nintendo-Switch-Spiel zu einer beliebten Social-Plattform. Solche Beispiele werden wir künftig immer öfter sehen. Egal ob während oder nach der Pandemie. Die junge Zielgruppe auf diese Weise zu erreichen wird so für viele Brands spannend bleiben.

Das Konzert von Travis Scott verfolgten in "Fortnite" rund 140 Millionen Menschen.
Foto: Epic Games

Langlebiges Business-Modell

Nachdem 2020 für die Gaming-Branche starke Zuwächse gebracht hat, wird man das in diesem Jahr nicht steigern können. Dennoch werden viele, die das Thema für sich entdeckt haben, auch in den kommenden Jahren dem Hobby zumindest teilweise erhalten bleiben. Wer sich eine Konsole oder einen neuen PC gekauft hat, wird diese Hardware wohl auch weiterhin nutzen wollen. Den größten Zuwachs, auch aufgrund der niedrigen Einstiegshürde, hatte der Bereich Mobile-Gaming. Hier ist wohl bei einer Normalisierung der Pandemie-Situation auch mit den stärksten Verlusten zu rechnen, weil viele Hobbyspieler als Kunden wieder wegfallen werden. Diese Leute weiter an die eigenen Spiele zu binden scheint eine der größten Herausforderungen für Spiele-Entwickler und -Publisher zu sein.

Mobile Spiele nehmen fast 50 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche ein.
Foto: Newzoo

Ebenfalls zu beobachten wird sein, wie sich die Abo-Services entwickeln. Microsoft setzt schon seit Jahren auf den Game Pass, wo man für einen Fixpreis Zugang zu hunderten Spielen bekommt. Wird Sony nachziehen oder sich etwas anderes überlegen? In den USA hat Google Stadia einen Deal mit Ubisoft, damit man die eigene Ubisoft+ Sammlung dank Stadia überall streamen kann. Große Publisher wie Activision Blizzard, Square Enix oder Warner sind für ähnliche Deals am Markt noch verfügbar. Mindestens einer davon wird sich wohl 2021 noch zu einer Kooperation hinreissen lassen. (Alexander Amon, 1.1.2021)