Wirksam, aber mit relativ häufigen Nebenwirkungen: Modernas mRNA-1273
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Der schnellste am Reißbrett: mRNA-1273 von Moderna

Dieser Impfstoff war der erste, dessen Rezeptur feststand. Die Geschwindigkeit könnte auch Experten überraschen: Denn laut seriösen Medienberichten hatte die US-Pharmafirma Moderna bereits am 13. Jänner, also drei Tage nach Veröffentlichung des Sars-CoV-2-Genoms, die Formel für ihren Impfstoff mRNA-1273 fertig.

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich dabei um einen sogenannten mRNA-Impfstoff. Dabei werden dem Körper mittels synthetisch hergestellter RNA-Fragmente des Virus jene Anweisungen verabreicht, mit denen er ein Protein produzieren kann, das einen Teilbereich des Virus imitiert. Das wird vom Immunsystem erkannt, es reagiert und bildet Antikörper und T-Zellen. Taucht das echte Coronavirus auf, ist das Abwehrsystem gerüstet und kann eine Infektion verhindern.

In der Phase-3-Studie mit über 30.000 Probanden zeigte die Impfung (in zwei Dosen im Abstand von vier Wochen) eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent beim Schutz vor Covid-19, konkret: dem schweren Verlauf einer Infektion. Allerdings war der Impfstoff bei jüngeren Personengruppen ein wenig wirksamer als bei älteren Menschen, auf die es in erster Linie ankommt.

Im Vergleich zum Impfstoff von Biontech/Pfizer führte der Moderna-Impfstoff bei mehr Personen zu Nebenwirkungen, die im Wesentlichen Schmerzen an der Einstichstelle und grippeähnliche Symptome umfassten, die aber relativ rasch wieder abklangen. Es gibt aber auch einen Vorteil im Vergleich zum Biontech/Pfizer-Vakzin: Der Moderna-Impfstoff, der in den USA bereits zugelassen ist und verimpft wird, kann bis zu sechs Monate bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden und benötigt als nicht minus 70 Grad wie der Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Die EU hat sich vom Moderna-Impfstoff 160 Millionen Dosen gesichert, die im Vergleich mit etwas unter 20 Euro pro Dosis die teuersten waren. (Österreich erhält davon jeweils rund zwei Prozent.) Experten wie Politiker gehen davon aus, dass der Impfstoff bereits nächste Woche auch für die EU zugelassen und wenig später wohl auch in Österreich zum Einsatz kommen wird.

FDA-Steckbrief des Moderna-Impfstoffs


Der Spitzenreiter: NT162b2 von Biontech/Pfizer

Er ist der große Gewinner im globalen Wettrennen: Der Impfstoff NT162b2 der Pharmafirmen Biontech und Pfizer hat in etlichen Ländern als erster die Hürde der Zulassung übersprungen und kommt bereits massenhaft zum Einsatz: Längst sind mehr als zwei Millionen Dosen verimpft. Nach Österreich sollen bis zum Jahreswechsel zumindest mehr als 60.000 Dosen geliefert werden.

So wie beim Vakzin von Pfizer handelt es sich auch bei NT162b2 um einen mRNA-Impfstoff: Mit dem Impfstoff werden den Zellen die Anweisungen verabreicht, mit denen er ein Protein produzieren kann, das einen Teilbereich des Virus imitiert. Das führt zur Immunreaktion.

Wirksam, relativ geringe Nebenwirkungen, aber aufwändig zu transportieren und lagern: NT162b2.
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Beeindruckend waren die Daten aus der entscheidenden Phase-3-Studie mit knapp 44.000 Probanden, von denen die Hälfte den Impfstoff erhielt und die Hälfte ein Placebo. Die Impfung, von der zwei Dosen im Abstand von drei Wochen verabreicht werden, bot eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent und gab auch älteren Menschen Schutz.

Die Nebenwirkungen hielten sich in Grenzen: Schmerzen bei der Einstichstelle und grippeähnliche Symptome, die aber nach ein bis zwei Tagen wieder abklangen. Vorsicht ist freilich bei Personen angebracht, die zu anaphylaktischen Schocks neigen.

Das Problem von NT162b2 ist vor allem die Lagerung: Das Präparat muss bei minus 70 Grad versendet und zwischengelagert werden, bei normalen Kühlschranktemperaturen ist es fünf Tage lang haltbar. Hier werden aber neue Daten erwartet, die diesen Zeitraum verlängern könnten.

Die EU hat sich mit 300 Millionen Dosen des Impfstoffs eingedeckt, der etwas über zehn Euro pro Dosis kostet, hätte aber mehr bekommen können. Einige Länder wie Österreich haben deshalb nachgeordert. Österreich wird Anfang 2021 jeweils rund 65.000 Dosen wöchentlich erhalten. Damit können bis Ende Jänner die ersten rund 150.000 Personen in Österreich mit zwei Dosen immunisiert werden.


Der globale Hoffnungsträger: ChAdOx1 nCoV-19 von AstraZeneca

Diesem Impfstoff kommt eine Schlüsselrolle bei der globalen Bekämpfung der Coronapandemie zu. Denn der Impfstoff ChAdOx1 nCoV-19 von der Uni Oxford und der Pharmafirma AstraZeneca ist preisgünstig, kann in großen Mengen hergestellt werden und braucht keine besondere Kühlung. Aufgrund von Problemen bei den Studien hat sich seine Zulassung allerdings etwas verzögert. Doch nun ist ChAdOx1 nCoV-19 immerhin in Großbritannien zugelassen worden. Was das für die EU bedeutet, ist noch unklar. Hier rechnet man mit einer Zulassung frühestens im Februar.

Das Vakzin ist ein sogenannter Vektorimpfstoff und besteht aus einem genetisch veränderten Schimpansen-Erkältungsvirus, mit dem als Vektor Erbmaterial von Sars-CoV-2 in menschliche Zellen eingeschleust wird. Dieses Vektorprinzip kam etwa auch schon bei der Ebola-Impfung zum Einsatz.

In Großbritannien wurde der Impfstoff bereits zugelassen. Und man hat sich dort eine neue Impfstrategie ausgedacht.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs ist noch umstritten: Ein Schutz von rund 90 Prozent wurde erzielt, als eine halbe Dosis gefolgt von einer vollen Dosis im Abstand von einem Monat verabreicht wurde. Das eigentlich vorgesehene Dosierungsschema erzielte nur eine Wirksamkeit von 62 Prozent.

Doch allem Anschein nach hat man nun eine Formel gefunden, die eine Wirksamkeit ähnlich jener der mRNA-Impfstoffe verspricht, wie der AstraZeneca-Chef Pascal Soriot am Wochenende verlauten ließ, ohne allerdings konkrete Daten zu nennen. Er kündigte aber eine baldige Veröffentlichung dazu an. Bei immerhin 40.000 Testpersonen traten bis jetzt keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf – jene Erkrankungen, die für eine kurze Unterbrechung der Phase-3-Studie sorgten, standen nicht im Zusammenhang mit dem Impfstoff.

In Großbritannien erhielt das Vakzin am Mittwoch eine Notzulassung und wird ab dem 4. Jänner verimpft. Der Aktienkurs von AstraZeneca legte aufgrund dieser beiden Erfolgsmeldungen um rund 4 Prozent zu. Das Besondere an der britischen Impfstrategie im Zusammenhang mit ChAdOx1 nCoV-19: Man will aufgrund der Knappheit des Impfstoffs zunächst möglichst viele Personen mit einer ersten Dosis (teil)immunisieren.

Zweite Dosis erst nach drei Monaten

Das sollte möglichst sofort einen Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf gewährleisten. Erst nach drei Monaten soll dann die zweite Dosis verabreicht werden, was von unabhängigen Experten angesichts der Infektionszahlen durchwegs begrüßt und unterstützt wird. Man geht davon aus, dass eine spätere Verabreichung des "Boosters", also der zweiten Teilimpfung, kein Problem sein sollte, womöglich sogar die Wirksamkeit erhöhen könnte.

Die EU hat vorab 300 Millionen Dosen des Impfstoffs bestellt, der mit einem Preis von rund 2 Euro pro Dosis als der billigste am Markt gilt. In Österreich rechnet man mit einem großflächigen Einsatz spätestens ab dem zweiten Quartal 2021, also ab April. Ob die EU auf eine ähnliche Strategie wie Großbritannien setzen wird, ist (noch) nicht bekannt. (Klaus Taschwer, 30.12.2020)