Der Teamkapitän plädiert für ein offenes Europa.
Foto: imago/Uwe Kraft

Julian Baumgartlinger:
Wieder mehr zuhören und Gastfreundschaft leben

Ob aufgrund der Flüchtlingskrise oder der Pandemie – ich wünsche mir wieder ein Europa mit offenen Grenzen und vor allem ein offenes Österreich. Unsere Gastfreundschaft sollte auch weiterhin unser Markenzeichen bleiben, darüber hinaus wünsche ich mir, dass die digitale Einbahnkommunikation in den Hintergrund tritt und der zwischenmenschliche Diskurs wieder mehr Fahrt aufnimmt. Ich hoffe, wir hören einander wieder mehr zu und kontern so Neid und Fake-News in den Social Media.


Die Politikwissenschafterin will die Umsetzung der Ideen.
Foto: Heribert Corn

Barbara Prainsack:
Wirtschaften, ohne den Planeten zu zerstören

Ich wünsche mir, dass wir in den nächsten Jahren nicht zur alten Normalität zurückkehren. Stattdessen hoffe ich, dass wir eine Weise finden, so zu leben und zu wirtschaften, dass wir nicht weiterhin die Menschen und den Planeten dabei zerstören. Ideen und Vorschläge, was es dafür braucht, sind zahlreich und detailliert vorhanden: Eine Stärkung solidarischer Institutionen und der öffentlichen Daseinsvorsorge (die auch Pflege und Betreuung beinhaltet), grüne Energie und grüne Arbeit und eine Bildungsreform gehören dazu. Bisher haben wir es nicht geschafft, diese Ideen umzusetzen, weil der politische Wille dazu gefehlt hat. Vielleicht ist die Krise – die zeigt, dass sich viele Dinge, die als völlig unverrückbar galten, ganz schnell ändern können – eine Chance dafür.

Die technischen Helfer wagen keine Prognosen.
Foto: Reuters/Elijah Nouvelage

Alexa, Siri und Co:
Die "intelligenten" Sprachsysteme wissen (noch) nichts

Die Vorstellung eines allwissenden und mächtigen Supercomputers gibt es nicht erst seit gestern. Im vergangenen Jahrzehnt war der Fortschritt aber besonders sicht- und hörbar: Die Sprachassistenten Siri, Alexa und Co gaben der rasanten Entwicklung eine menschenähnliche Stimme. Warum also nicht gleich die gescheiten Assistenten nach ihrer Prognose fragen? "So weit kann ich das Wetter nicht vorhersagen", antwortet Apples Siri auf die Frage, wie 2030 wird. Auch Amazons Alexa versteht sie nicht und startet einen Countdown bis zum Jahr 2030. Wenn der vorbei ist, werden die Antworten wohl anders ausfallen.


Die Autorin Theodora Bauer will junge Kunst mehr gefördert sehen.
Foto: Paul Feuersänger

Theodora Bauer:
Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit

Es fällt mir schwer, meine Einschätzung, wie Österreich 2030 dastehen sollte, von meiner Einschätzung zu trennen, wie es tatsächlich dastehen wird. Wenn ich es aber doch versuche: Uns auf unsere Stärken besinnen – ein kleiner Staat mit großer, weit ausstrahlender Kultur; nicht nur die Sissi-Mozart-Karte spielen, sondern einen noch stärkeren Fokus auf junge Kunst legen, die es hierzulande gibt. Wien als zärtlich gestreichelten Wasserkopf beibehalten, das exzellente Öffi-System ebenso wie den sozialen Wohnbau gegen sämtliche Widerstände verteidigen und weiter ausbauen. Den öffentlichen Verkehr in ländlichen Gegenden stärken, die Gleichberechtigung von Frauen über ihr Dasein als dekorative Floskel hinaus in den Niederungen der Realität verankern: Mehr Kinderbetreuung, gleiche Bezahlung, mehr Frauen in Führungspositionen, aber auch gerechte Entlohnung derer, die in essentiellen Berufen arbeiten. Und nicht zuletzt: Verteilungsgerechtigkeit, Vermögens- und Erbschaftssteuern, finanzielle Anreize zur breiten Verwendung grüner Energie, die sich dann hoffentlich schon durchgesetzt haben wird. Ob es auch so kommen wird? Ich wage es zu bezweifeln. Aber hoffen darf man wohl.


Die Politikwissenschafterin hofft auf mehr Gleichheit.
Foto: Nurith Wagner-Strauss

Natascha Strobl:
Eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Armut

Wir leben in einer Zeitenwende, und es entscheidet sich schon jetzt, wie es weitergehen soll. Autoritär, kalt und im ständigen Wettbewerbsdruck mit allen anderen oder demokratisch, empathisch und solidarisch. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir im Jahr 2030 in einer Gesellschaft leben können, in der nicht die (soziale) Herkunft bestimmend ist, sondern alle Menschen nach ihren Wünschen und Bedürfnissen leben können. Eine Gesellschaft, in der nicht die einen Winterschlösser und die anderen kein Essen haben. Eine Gesellschaft, in der Armut und Ausbeutung schlicht nicht mehr existieren.

Pollak ist fleißiger Poster im Edition-Zukunft-Forum.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Bernhard Pollak:
Die vergangenen zehn Jahre nicht zum Vorbild nehmen

Seit 2010 ist einiges geschehen: der Brexit, die CO₂-Konzentration ist auf 410 ppm gestiegen, Donald Trump wurde US-Präsident, die Flüchtlingspolitik der EU ist bisher gescheitert, Wien erlebte einen Terroranschlag und die Welt eine Pandemie. Wenn das die Vorlage für die nächsten zehn Jahre ist, könnte man pessimistisch werden. Auf der anderen Seite haben wir auch bewiesen, dass Staaten trotz allem in der Lage sind, sehr viel zu bewegen, und dass technischer Fortschritt sehr schnell sein kann, wenn wir denn nur wollen. Und nach dem Katastrophenjahr 2020 können wir alle dringend etwas Optimismus gebrauchen.

Der "Science Buster" glaubt an die Hochleistungsmedizin.
Foto: Ingo Pertramer

Martin Moder:
Gesund als Grundzustand und Forschungsskepsis

Die schönste Vision: Durch die sich rasant entwickelnde Hochleistungsmedizin, insbesondere die Entwicklung schnell anpassbarer RNA-Impfungen, lassen sich 2030 fast alle Krankheiten verhindern. Die Österreicherinnen und Österreicher sind dankbar, dass uns die Forschung nach Jahrhunderten des Leides an diesen Punkt gebracht hat.Die realistischere Vision: 2030 lassen sich alle Krankheiten verhindern. Die Österreicherinnen und Österreicher haben sich schnell daran gewöhnt, immer gesund zu sein, und empfinden es als natürlichen Grundzustand. Sie schimpfen auf die Forscherinnen und Forscher, die sie bloß als weitere Interessengruppe wahrnehmen, und gehen zum Quantenheiler. 2040 kehren die Krankheiten zurück, und der Zyklus beginnt von neuem.

Caritas-Präsident Landau will armutsfeste Sozialsysteme.
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Michael Landau:
Kein Kind soll in Armut leben

Vom Krisen-Modus 2020 sind wir 2021 in den Chancenmodus gewechselt und haben daran Maß genommen, keine und keinen zurückzulassen. Europa leistet 2030 seinen Beitrag zur Überwindung der Klimakrise, hat den Anschluss an die Digitalisierung nicht versäumt und deren Herausforderungen bewältigt. Große Lebensrisiken tragen wir fair und gemeinsam. Kein Kind in Österreich lebt in Armut, alle sind unterwegs auf einem chancengerechten Bildungsweg. Gesundheits- und Sozialsystem sind armutsfest, Betreuung, Pflege, Hospizversorgung gesichert. Nach dem erfolgreichen "Zukunftspaket mit Afrika" wurden die Globalen Entwicklungsziele erreicht. Und wir haben gelernt anders zu wirtschaften: nachhaltig und auf Gemeinwohl hin.


Die Gewässerschutzexpertin des WWF fordert Bildung.
Foto: APA/EXPA/JOHANN GRODER

Marianne Götsch:
Schutz der biologischen Vielfalt und Bildung

Ich wünsche Österreich bis 2030 ein tiefgehendes Bewusstsein für den Wert der biologischen Vielfalt. Konkret bedeutet das: echter Schutz unserer letzten freien Wildflüsse, der alpinen Freiräume und naturnahen Wälder. Ein besonderes Herzensanliegen ist mir die Rettung des Forchets, des akut bedrohten letzten Naturwaldes des Tiroler Inntals. Generell wünsche ich mir eine gleichberechtigte Gesellschaft, in der die Menschen sich gegenseitig sowie ihrer Umwelt mit Respekt begegnen, in der Bildung uneingeschränkt zugänglich ist und soziale Sicherheit die Basis für ein weltoffenes und gerechtes globales Miteinander schafft.

Der Comedian wünscht sich weniger soziale Kälte.
Foto: Markus Wache

Christoph Fritz:
Semmelknödel und Weltraumforschung

Wenn ich mit unpatriotischem Optimismus an Österreich im Jahr 2030 denke, sehe ich ein Land, das sich den Klimaschutz derart ins Herz geschrieben hat, dass es in die nächste Eiszeit zu schlittern droht und kühle Luft in alle Welt exportieren muss.Ich sehe ein Land, in dem nicht mehr ein Prozent der Menschen 40 Prozent des Gesamtvermögens besitzt, sondern 100 Prozent der Menschen alle Türen offen stehen. Ich sehe ein Land, das soziale Kälte nur noch vom Weihnachtsmarkt kennt und in dem andere Meinungen nicht als Frontalangriff auf den inneren Wesenskern verstanden werden. Es ist eigentlich ganz witzig, die Tatsache, dass es Semmelknödel gibt und Weltraumforschung. Darauf kann man aufbauen!

(red, 1.1.2021)