Deutschlands Langzeitkanzlerin Angela Merkel hielt ihre letzte Neujahrsansprache.
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Zwei Mal schon musste der CDU-Parteitag wegen Corona verschoben werden. Nun soll endlich am 16. Jänner ein Nachfolger der glücklosen Annegret Kramp-Karrenbauer gekürt werden. Das Treffen der 1001 Delegierten findet rein digital statt.

Sie werden also per Click über einen der drei Kandidaten abstimmen. Wer immer CDU-Chef wird, er hat das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur der Union für die Bundestagswahl am 26. September 2021.

Allerdings hat auch die bayerische Schwesterpartei CSU ein gewichtiges Wort mitzureden. Möchte Ministerpräsident Markus Söder etwa selbst antreten? Man weiß es (noch) nicht. Bisher hat er stets betont, sein Platz sei in Bayern. Und würde ihm der neue CDU-Chef überhaupt den Vortritt lassen? Der ehemalige Umweltminister Norbert Röttgen könnte sich das durchaus vorstellen. Die anderen Kandidaten für den CDU-Vorsitz – Ex-Fraktionschef Friedrich Merz und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet – eher nicht.

Angela Merkel hält sich offiziell aus der Suche nach ihrem Nachfolger heraus. Hier ein Überblick:

Armin Laschet will ...
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Armin Laschet – Der Regierungschef von Nordrhein-Westfalen

Man könne das Amt des CDU-Chefs niemandem anvertrauen, der noch keinen Tag regiert habe. Das sagt Armin Laschet, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, auf die Frage, warum er sich für den am besten geeigneten Kandidaten hält.

Damit wirbt er natürlich für sich und stichelt gegen seinen schärfsten Konkurrenten Friedrich Merz, der noch nie ein Regierungsamt innehatte. Laschet hingegen ist seit dem Jahr 2017 Regierungschef im bevölkerungsstärksten Bundesland Deutschlands, dort war er auch Landesminister für Integration.

Macht er das Rennen, dann würde das keinen Bruch mit der Ära Merkel bedeuten, denn Laschet hat ihre Politik die Jahre über mitgetragen und sich vor allem in der Asylpolitik hinter sie gestellt. In der Corona-Krise allerdings kam es zu Differenzen. Während Merkel Strenge predigte, wollte Laschet lockern.

In Düsseldorf regiert der 59-Jährige mit der FDP, aber im Bund würde mit einem Kanzler Laschet wohl "Schwarz-Grün" kommen.

... gemeinsam mit Jens Spahn.
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Jens Spahn – Gesundheitsminister im Corona-Dauer-Einsatz

Jens Spahn, der deutsche Gesundheitsminister, gehört einem Tandem an. Auf dem sitzt er gemeinsam mit Armin Laschet. Aus dessen Sicht werden die Ämter nach dem CDU-Parteitag so verteilt: Laschet macht den Chef, Spahn tritt als sein Vize an.

Vor zwei Jahren wollte Spahn noch alleine an die Spitze der CDU, doch er unterlag im Dezember 2018 Annegret Kramp-Karrenbauer, die dann aber nicht lange durchhielt. Vor einigen Jahren zählte Spahn zu den Kritikern von Angela Merkels Asylpolitik und schuf sich damit eine Fanbasis im konservativen Teil der CDU.

Doch dann holte sie ihn in ihr Kabinett, und Spahn stürzte sich in die Sacharbeit. Der Kampf gegen Corona und die Omnipräsenz in den Medien trieben seine Beliebtheitswerte so weit nach oben, dass viele meinen, Spahn solle doch in der Partei an die erste Stelle.

Doch Spahn steht loyal hinter Laschet. 40 Jahre alt ist er, da hat er noch mehrere Chancen.

Friedrich Merz liegt vorn.
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Friedrich Merz – Ex-Fraktionschef mit offener Rechnung

"Grottenschlecht" sei das Erscheinungsbild der Regierung – so klagte Friedrich Merz (65) im Herbst 2019. Die Kritik zielte vor allem auf seine alte Rivalin Angela Merkel ab.

Im Jahr 2002 verdrängte Merkel Merz vom Fraktionsvorsitz im Deutschen Bundestag, das hat er ihr bis heute nicht verziehen. Auch Merz wollte, nach zehn Jahren politischer Abstinenz, 2018 CDU-Chef werden, musste sich Annegret Kramp-Karrenbauer aber knapp geschlagen geben.

Jetzt nimmt er einen zweiten Anlauf. Seine Fanbasis hat Merz, der in Umfragen vorne liegt, vor allem im Süden und im Osten der Bundesrepublik. Merz ist ein guter Redner, ihm traut man auch zu, dass er Teile jener Wählerschaft, die von der CDU zur AfD wechselte, wieder zurückholt. Wenn er CDU-Chef wird, dann will er auch selbst als Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl antreten.

Norbert Röttgen holt auf.
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Norbert Röttgen – Ex-Umweltminister, der bei Merkel rausflog

Die Kandidatur von Norbert Röttgen für den CDU-Vorsitz war lange Zeit als aussichtslos angesehen worden. Dem 55-Jährigen räumte neben Laschet und Merz kaum wer ernsthafte Chancen ein.

Doch der ehemalige Umweltminister (2009 bis 2012) ließ sich nicht entmutigen und liegt mittlerweile in Umfragen noch vor Laschet an zweiter Stelle. Auch er kann prägnant formulieren, kümmerte sich in den vergangenen Jahren aber vor allem um die Außenpolitik, was manche an der Basis als Manko sehen.

Röttgen stammt wie Merz und Laschet aus Nordrhein-Westfalen und war dort bei der Landtagswahl 2012 als Spitzenkandidat der CDU angetreten, um die rot-grüne Landesregierung abzulösen. Er verlor aber desaströs.

Als er sich weigerte, als Oppositionsführer nach Düsseldorf zu gehen, hatte Merkel genug von ihm und warf ihn kurzerhand aus dem Bundeskabinett.

Markus Söder wartet ab.
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Markus Söder – Der Bayer und CSU-Chef ist in Lauerstellung

Mein Platz ist in Bayern", wird Markus Söder nicht müde zu betonen. Der 53-Jährige ist seit 2018 Ministerpräsident von Bayern und seit 2019 auch CSU-Vorsitzender.

Aber eine klare Absage an Berlin hat er bisher nicht ausgesprochen. Sein Management in der Corona-Krise ließ seine Beliebtheitswerte steigen, viele Deutsche können ihn sich als deutschen Regierungschef vorstellen.

Allerdings hat Söder keine Erfahrungen auf Bundesebene, er saß auch nie im Bundestag. Und vor ihm sind schon zwei Bayern – Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber – als Kanzlerkandidaten der Union gescheitert.

Söder will, im Gegensatz zu vielen in der Union, die K-Frage auch noch nicht so schnell klären, sondern noch bis zum Frühjahr warten – auch wenn der neue CDU-Chef dann schon feststeht. Andere fürchten, dass die zu erwartende innerparteiliche Debatte aber schadet. (Birgit Baumann aus Berlin, 3.1.2021)