Immer mehr Arbeitnehmer wünschen sich mehr Freiheiten, eine bessere Work-Life-Balance, einen flexibleren Job. Generationen, die neu in den Arbeitsmarkt eintreten, wie die Generation Y und Z, suchen mehr Sinn in ihrem Beruf und möchten nicht nur arbeiten, um Geld zu verdienen. 

Sowohl Aufträge und Kunden, als auch Arbeitspensum und -ort können Freelancer sich selbst aussuchen. Aber ist Freelancing wirklich die Zukunft und lohnt es sich für Unternehmen, Freelancer zu engagieren?

Digitale Mitarbeiter 

Etwa eine halbe Million Österreicher sind laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat selbstständig. Österreicher tun dies aus sehr differenzierten Gründen: Laut Eurostat haben sich 40 Prozent der Österreicher für eine Selbstständigkeit “aus anderen Gründen” entschieden. Zum Vergleich: Fast 40 Prozent der Rumänen machen sich selbstständig, weil sie keine Arbeitsstelle gefunden haben und über 30 Prozent der Norweger haben sich für die flexiblen Arbeitszeiten selbstständig gemacht. Im Nachbarland Deutschland haben übrigens bereits 2019 etwa die Hälfte der Angestellten mit einer Selbstständigkeit geliebäugelt; 55 Prozent, um flexibler arbeiten zu können. Dies geht auf Daten einer Studie der Social-Media-Plattform Xing und "Hallo Freelancer" zurück.

Y-Kollektiv

Beim Schritt in die Selbstständigkeit wird auch die Digitalisierung zu einer immer treibenderen Kraft. Eine Studie der Harvard Business School (HBS) in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group (BCG) vom November 2020 ergab, dass Freelancer die Digitalisierung beschleunigen und flexibler auf Pandemie-Folgen wie Lockdown oder Beschränkungen reagieren könnten. Insbesondere die Unsicherheiten plötzlich entstehender Hotspots, kurzfristige Lockdowns oder Ausgangsbeschränkungen könnten durch mobile selbstständige Mitarbeiter gedämpft werden. 

60 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass ihr Personal künftig viel kleiner ausfallen könnte. Ebenfalls 60 Prozent meinten, dass sie künftig eher Mitarbeiter ausleihen, mieten oder mit anderen Unternehmen teilen würden. Vielfach laufen diese Dienstleistungen bereits online ab. Es gibt spezielle Portale wie fiverr, über die Dienstleistungen von Freelancern in Anspruch genommen werden können. Deren Anzahl hat sich laut der Harvard-Boston-Studie seit 2009 von 80 auf über 330 Plattformen erhöht. Hier können Firmen filtern, welche Aufträge sie vergeben möchten, über welchen Zeitraum und welches Budget dafür zur Verfügung steht. Freelancer profitieren wiederum von solchen Portalen, da sie Sichtbarkeit generieren. Viele Freiberufler haben zwar eine eigene Website, über die es aber schwierig sein kann, gefunden zu werden. Dazu kommen weitere Probleme.

Freelancer während Corona

Wie vielen anderen Branchen hat die Corona-Pandemie 2020 auch und vor allem Freelancern zugesetzt: Freelancer, Freiberufler oder auch Solo-Selbständige genannt, sind meist Spezialisten in einem bestimmten Aufgabengebiet. Gerade in der Tourismus-, Gastronomie- oder Event-Wirtschaft hat die Pandemie starke Spuren hinterlassen.

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Die Stimmung vieler Freiberufler ist sehr pessimistisch, was Daten von Freelancermap bestätigen. Mehr als drei Viertel der deutschen Freelancer konnte in den letzten drei Monaten keine neuen Aufträge generieren. 26 Prozent sehen die aktuelle Situation als sehr schlecht.

Doch aus der Krise ergeben sich auch neue Möglichkeiten - und wieder nimmt die Digitalisierung einen zentralen Stellenwert ein: 89 Prozent der Freiberufler sehen in Remote-Work beziehungsweise Homeoffice einen Trend, der sich nach der Pandemie verstärken wird. Die meisten sehen auch verstärkt Chancen für virtuelle Meetings und Cloud-Tools.

Neuer Arbeitsalltag für Freelancer

Unternehmen sehen einige Gründe, durch die Freelancer attraktiv werden können: Steht etwa ein zeitlich begrenztes Projekt an, für das intern Arbeitskräfte fehlen, ist es meist zeitaufwendig, neue Mitarbeiter zu finden. Freelancer hingegen sind meist kurzfristig verfügbar und arbeiten ohnehin häufig für zeitlich begrenzte Projekte. 

Allerdings arbeiten Freelancer in vielen Fällen im Homeoffice. Das ist zwar vorteilhaft, da kein neuer physikalischer Arbeitsplatz geschaffen werden muss. Nachteilig ist es aber, dass dadurch firmeninterne Informationen nach außen geteilt werden müssen. Das kann Probleme bei Datenschutz und Datensicherheit bringen und im schlimmsten Fall ein Einfallstor für Wirtschaftsspione oder Cyberkriminelle werden. 

Sichere und DSGVO-konforme Homeoffice- und Videokonferenz-Tools sind hier unabdingbar. Freelancer müssen sich zudem verstärkt mit Software und Digitalisierung auseinandersetzen.

Fazit: Steiniger Weg in eine gute Zukunft? 

Meist sind Freelancer Spezialisten in einem ganz bestimmten Bereich. Das kann Vor- und Nachteile bergen. Vornehmlich bieten Freelancer in den unsicheren Corona-Phasen aber eine flexible Alternative zu Festanstellungen, da Freelancer in der Regel nur projektbezogen engagiert werden und damit Unternehmen mehr Planungsflexibilität einräumen. (Christian Allner, 4.1.2021)