Der 82-jährige Brian Pinker erhält als erster Brite eine Impfung des Vakzins von Astra Zeneca. In Großbritannien wurde dieser Impfstoff bereits zugelassen.

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Sie gilt als großer Schritt in Richtung Normalität: die Corona-Impfung. In Israel erhielten bereits etwa zehn Prozent der Bevölkerung die erste Teilimpfung. In Deutschland, so wie Österreich angewiesen auf den EU-Verteilungsschlüssel, wurden bisher etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung geimpft.

Doch wie viele Personen in Österreich bereits geimpft wurden, ist nach wie vor nicht wirklich klar: Die letzten verfügbaren Daten stammen vom 30. Dezember. 6.000 Personen wurden bis dahin geimpft. Abseits davon lasse sich "keine seriöse Zahl nennen", heißt es aus dem Gesundheitsministerium auf STANDARD-Anfrage. Man habe noch nicht aus allen Bundesländern eine Rückmeldung erhalten, wie viele der ausgelieferten Dosen bereits verimpft wurden. Am Dienstag sollen aktualisierte Daten vorliegen.

Bedarfserhebung

In den Alten- und Pflegeheimen herrschte über die Feiertage jedenfalls Impfpause. Aus dem Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser heißt es zum Beispiel, man starte am 6. Jänner in der Hälfte der Häuser mit den Impfungen, derzeit sei man noch bei der Bedarfserhebung. Im Wiener Gesundheitsverbund, der neun Pflegehäuser betreibt, wurden bisher 228 Dosen verimpft. Am 7. Jänner soll fortgesetzt werden. Die Organisation sei eine "logistische Herausforderung", erstens müsse eben – auch durch Erwachsenenvertreter – erst einmal der Bedarf erhoben werden, zweitens brauche man auch das Personal, das die Dosen verimpfe.

Das betont auch das Gesundheitsministerium: Das Logistiknetz werde aufgebaut und auch der Lagerbestand, damit am Mittwoch genügend Dosen für die Bestellungen aus den Heimen, die dann über einen E-Shop möglich werden, verfügbar seien. Am 12. Jänner soll mit flächendeckenden Impfungen gestartet werden.

Wie viele Impfdosen gibt es?

Tatsächlich war bisher seitens des Ministeriums von "Probeimpfungen" die Rede. Doch wie viele Impfdosen sind eigentlich bereits im Land und warten darauf, verimpft zu werden? Weit über 100.000 würden schon in Österreich liegen und auf Einsatz warten, meinen die Neos.

Biontech will dazu keine Auskunft geben, auch Pfizer verweist in puncto Lagermengen auf das Gesundheitsministerium. Dieses dementiert das Ausmaß: 63.000 Dosen seien bisher im Land, diese Woche kämen noch weitere 63.000 hinzu – und dann jede Woche bis Ende Jänner. Diese Angaben bestätigt auch Thomas Brosch, Geschäftsführer des Pharmahandels Kwizda, einer der Verantwortlichen für die Logistik der Impfstoffverteilung. Gelagert werden die Dosen dezentral in 17 Logistikzentren.

Seit Tag eins liefere man die Stoffe aus, sagt Andreas Windischbauer vom Verband der Arzneimittelgroßhändler. Zwar seien noch nicht alle Dosen ausgeliefert, doch "es fließt permanent ab".

Kritik an Tempo

Der Ärztekammer stößt das derzeitige Tempo in puncto Impfungen sauer auf: "Es geht hier nicht, wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober betont hat, um ein 'behutsames' Vorgehen, sondern um ein möglichst schnelles", sagt Turnusärztevertreter Daniel von Langen. Auch die Kärntner Ärztekammer-Präsidentin Petra Preiss übte im Ö1-Interview Kritik: "Wir haben keinen adäquaten Pandemieplan, keinen Plan für Massenimpfungen, das ist alles in den letzten Wochen frisch erfunden worden, und das ist das Jämmerliche", sagte sie. Wie der Sonderbeauftragte des Gesundheitsministeriums, Clemens Martin Auer, ebenfalls auf Ö1 ausführte, brauche es eine "kritische Größe von Dosen", um in Österreich ab nächster Woche flächendeckend mit dem Impfen zu beginnen.

Am Mittwoch dürfte zumindest ein weiterer Impfstoff, jener von Moderna, zugelassen werden. 200.000 Dosen werden im ersten Quartal an Österreich geliefert. Wann wie viele Dosen ankommen werden, ist noch unklar. Man gehe von einer "zeitnahen Lieferung" nach der Zulassung aus, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. (Vanessa Gaigg, Sebastian Kienzl, Gabriele Scherndl, Colette M. Schmidt, 4.1.2021)