Trump-Schwiegersohn Jared Kushner steht im Zentrum der Normalisierungsgespräche mit Israel.

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Ein eher unspektakulärer Vorgang für einen eigentlich sensationellen Akt: Am Mittwoch wurden in der sudanesischen Hauptstadt Khartum die "Abraham Accords" unterschrieben, das Dokument der Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Sudan und Israel. Die Unterschrift für Khartum leistete der sudanesische Justizminister Nasredin Abdulbari, ihm über die Schulter schaute US-Finanzminister Steven Mnuchin, der danach nach Israel weiterreiste.

Die Friedensbereitschaft des Sudan – unter dem 2019 gestürzten Staatschef Omar al-Bashir einer der erbittertsten Feinde Israels – war bereits Ende Oktober bekanntgegeben worden. Anders als bei der offiziellen Versöhnung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrains mit Israel, die im September in Washington besiegelt wurde, hingen stets ein paar Wolken über dem angekündigten Pakt.

Ohne Parlament

Ganz sind sie wohl auch jetzt nicht verzogen, wie die gedämpfte Zelebration des doch eindeutigen außenpolitischen Erfolgs Donald Trumps zeigt. In Khartum gab es stets Stimmen, die meinten, ein so bedeutender politischer Schritt solle nicht durch eine Übergangsführung – einen von Militärs dominierten Rat und eine ernannte zivile Regierung, Parlament gibt es keines – erfolgen. Premier Abdalla Hamdok stieß es auch sauer auf, dass Sudans Streichung von der US-Liste der "State Sponsors of Terrorism" (SST) an die sudanesische Bereitschaft geknüpft wurde, diplomatische Beziehungen zu Israel aufzunehmen.

Wer auf dieser Liste steht, hat keinen Zugang zu internationalen Geldern – die der Sudan ganz dringend braucht. Mitte Dezember wurde der Sudan von der SST-Liste gestrichen. Der Sudan musste dazu auch 335 Millionen US-Dollar für etwaige Entschädigungen hinterlegen. Nicht völlig erfüllt wurde der sudanesische Wunsch nach kompletter zukünftiger Immunität gegen Terroranklagen: Eine Ausnahme gibt es für ein bereits laufendes Verfahren, das von Familienmitgliedern von 9/11-Opfern angestrengt wurde.

Al-Kaida und bin Laden

Khartum hatte den Gründer von Al-Kaida, Osama bin Laden, in den 1990er-Jahren beherbergt, als dieser Saudi-Arabien verlassen musste. Noch vor den Anschlägen am 11. September 2001 in den USA hatte Al-Kaida 1998 Anschläge auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) verübt.

Der Sudan darf jetzt auf eine Linderung seiner katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Lage – die ja auch die Revolution gegen Omar al-Bashir im April 2019 ausgelöst hatte – hoffen. Die USA sagten zu, dass Khartum unter anderem Zugang zu jährlich mehr als einer Milliarde Dollar von der Weltbank bekommt. Dazu braucht der Sudan eine Überbrückungsfinanzierung zur Begleichung seiner Zahlungsrückstände: Mnuchin unterzeichnete am Mittwoch in Khartum gemeinsam mit der sudanesischen Finanzministerin Hiba Ahmed eine entsprechende Absichtserklärung. Sudans Auslandsschulden belaufen sich auf rund 60 Milliarden Dollar. (Gudrun Harrer, 8.1.2021)