Ein Bild aus besseren Adler-Zeiten, nämlich 2009.

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München – Der deutsche Billigmodehändler Adler Modemärkte, der mit 24 Filialen auch in Österreich präsent ist, rutscht in die Pleite. Das Unternehmen aus Haibach bei Aschaffenburg führte als Grund für die Insolvenz die erzwungene Schließung fast aller 171 Geschäfte in der Corona-Pandemie seit Dezember an. Das habe zu einem neuerlichen Umsatzeinbruch und einer Liquiditätslücke geführt, erklärte Adler am Sonntagabend. Es sei nicht gelungen, frisches Geld von Investoren oder Staatshilfen zu bekommen. "Die erneute Corona-bedingte Schließung fast aller Standorte hat uns leider keine andere Wahl gelassen", sagte Vorstandschef Thomas Freude. "Wir werden alles dafür tun, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und Adler schnellstmöglich zu sanieren und wieder in eine positive Zukunft zu führen." Ende September beschäftigte Adler 3.350 Mitarbeiter.

Adler plant eine Insolvenz in Eigenverwaltung, bei der der Vorstand im Amt bleibt und nur durch einen externen Sachwalter beaufsichtigt wird. Darüber entscheiden muss das Amtsgericht Aschaffenburg, welches am Montag den Eingang eines entsprechenden Insolvenzantrags bestätigte. Bei der Sanierung über einen Insolvenzplan helfen soll Christian Gerloff, der als Generalbevollmächtigter zu Adler kommt. Er hat viel Erfahrung mit Pleiten in der Textilbranche. Unter anderem fungierte Gerloff als Insolvenzverwalter bei Escada und Laurel. In der Corona-Krise haben bereits mehrere Textilhändler und -hersteller Insolvenz angemeldet, darunter Galeria Karstadt Kaufhof, Hallhuber, Bonita und Appelrath-Cüpper.

Schon 2019 in roten Zahlen

Noch Anfang November hatte Adler Mode über einen "spürbaren Aufwärtstrend" berichtet. Die flüssigen Mittel waren allerdings bereits Ende September auf 24,8 (Ende 2019: 70) Millionen Euro zusammengeschrumpft. Das Beispiel Adler zeige, dass im textilen Einzelhandel selbst ein Unternehmen, das noch Ende 2019 eine "Rekord-Netto-Liquidität" von 70,1 Millionen Euro ausgewiesen habe, innerhalb von knapp zwölf Monaten in eine existenzielle Krise geraten könne, sagte Freude.

Den ersten Lockdown im Frühjahr hatte Adler noch mit Kurzarbeit und einem mit einer Staatsbürgschaft gesicherten Kredit überstanden. 45 Millionen Euro davon hatte das Unternehmen Ende Oktober gezogen. Der Umsatz schrumpfte in den ersten neun Monaten um ein Drittel auf 239 Millionen Euro, der Nettoverlust wuchs auf 63 Millionen. Allerdings hatte Adler schon 2019 rote Zahlen geschrieben.

Auf seinen Mehrheitsaktionär konnte das Unternehmen nicht bauen: Die S&E Kapital, die fast 53 Prozent der Aktien hält, hatte seit Monaten versucht, ihre Beteiligung zu verkaufen. Hinter S&E stecken die seit gut vier Jahren insolvente Steilmann SE und der Finanzinvestor Equinox.

Auch wenn die ausländischen Töchter derzeit nicht von der Insolvenz betroffen sind, ist Österreich stark von der deutschen Mutter abhängig. Der Warenbezug der österreichischen Gesellschaft erfolge annähernd zu 100 Prozent über die deutsche Muttergesellschaft, heißt es im Jahresabschluss 2019 laut Firmencompass. 2019 hat Adler in Österreich mit rund 67,3 Millionen Euro weniger umgesetzt als 2018 (rund 68,2 Millionen Euro). Der Österreich-Gewinn hat sich im Jahr 2019 auf 0,6 Millionen Euro mehr als halbiert. (Reuters, APA, 11.1.2021)