Thomas Brosch, Chef von Kwizda Pharmahandel, ist für die Verteilung des Impfstoffes in Österreich zuständig.

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Wien / St. Pölten – Knapp eine Woche nachdem in Europa der zweite Corona-Impfstoff zugelassen worden war, sind die ersten Vakzine des US-Pharmaunternehmens Moderna nach Österreich geliefert worden. In einer Pharmadistribution in Niederösterreich sind 7.200 Dosen eingelagert worden. Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kommen bis Ende Jänner noch weitere 10.000 Dosen. Für das erste Quartal stehen somit insgesamt 200.000 Stück zur Verfügung.

Der Wirkstoff wurde von Belgien aus direkt nach Österreich angeliefert. Um 7.00 Uhr hat das Gut sein Ziel erreicht. Jedes Land hat ein zentrales Lager, jenes in Österreich liegt in Niederösterreich und wird von Kwizda Pharmahandel betrieben. Mit den im ersten Quartal angelieferten Dosen "können 100.000 Menschen in Österreich bis Ende März gegen Corona geimpft werden. Im zweiten Quartal folgen weitere 690.000 Dosen, sodass Moderna in der wichtigsten Impfphase im ersten Halbjahr auch eine wichtige Säule unseres Impfplans darstellt", so Anschober.

Weniger Kühlung notwendig

Bei dem Impfstoff handelt es sich, wie bei jenem von Biontech/Pfizer, um ein mRNA-Vakzin. Die am 30. Dezember im "New England Journal of Medicine" publizierte Wirksamkeitsstudie zeigte bei Moderna eine Erfolgsrate von 94,1 Prozent. Eine Schutzrate von hundert Prozent gab es bei der Prävention schwerer Krankheitsverläufe.

Die Schutzimpfung von Moderna muss wie schon bei Biontech/Pfizer stark gekühlt werden. Allerdings ist die Lagerung des Moderna-Impfstoffs lediglich bei minus 20 Grad notwendig, während jener von Biontech/Pfizer bei minus 70 Grad gelagert werden muss. "Wir haben ausreichend Kapazitäten", sagte Albert Dlaska, Leiter jenes Kwizda-Lagers, aus dem die Moderna-Vakzine zentral verteilt werden. Und die Kapazitäten könnten auch noch hochgefahren werden. Allerdings würde ein schneller Umschlag der Dosen erwartet. "Wir sind bemüht, die Impfstoffe, sobald sie vorhanden sind, wieder rasch ausliefern zu können", sagte Dlaska.

Für einen kontrollierten Auftauprozess seien 48 Stunden notwendig, betonte Thomas Brosch, Geschäftsführer von Kwizda Pharmahandel und Vorstandsmitglied der österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler (PHAGO). "Während des Auftauprozesses dürfen die Impfstoffe keiner Erschütterung ausgesetzt werden und müssen dann kontrolliert bei zwei bis acht Grad plus ausgeliefert werden."

"Während dieser 48 Stunden nehmen wir auch Kontakt mit den Impfstellen auf und klären, wie viele genau benötigt werden, wo ausgeliefert wird und wer der Ansprechpartner ist", berichtete Brosch. "Wenn der Impfstoff einmal aus dem Gefrierschrank rausgenommen ist, darf er nicht mehr tiefgefroren werden."

Ein Monat Zeit zum Verimpfen

Dann müssen innerhalb einer bestimmten Zeit die aufgetauten Dosen verimpft werden. Dafür habe man beim Vakzin von Biontech/Pfizer 120 Stunden bzw. fünf Tage Zeit. Bei Moderna habe man einen etwas größeren Spielraum von 30 Tagen, erklärte Brosch. "Das ist deutlich mehr Zeit." Die beiden Teilimpfungen von Moderna müssen laut Empfehlung der Zulassungsbehörde in einem Abstand von 28 Tagen durchgeführt werden.

Die EU hat sich von Moderna für das laufende Jahr 160 Millionen Dosen gesichert. In anderen Ländern wie etwa USA oder Kanada wird mit dem Vakzin bereits geimpft. (APA, 12.1.2021)