Internationale Aufmerksamkeit und Gnadengesuche konnten ihre Hinrichtung nicht mehr verhindern: Um 1.31 Uhr (Ortszeit) wurde Montgomery getötet.

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Die Regierung des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump hat kurz vor dessen Ablösung eine wegen Mordes verurteilte Frau hinrichten lassen. Die 52-jährige Lisa Montgomery starb in der Nacht zum Mittwoch durch eine Giftspritze im Gefängnis in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana, wie die "New York Times" und andere Medien unter Berufung auf die zuständige Behörde berichteten.

Erste Hinrichtung einer Frau seit 1953

Dies sei die erste Hinrichtung einer nach Bundesrecht verurteilten Straftäterin seit 1953, hieß es. Stunden zuvor hatte der Oberste Gerichtshof mit zwei Entscheidungen den Weg für die Exekution freigemacht. Montgomery wurde im Jahr 2007 des Mordes sowie Kidnappings schuldig gesprochen, nachdem sie eine schwangere Frau getötet und ihr das Baby aus dem Bauch geschnitten hatte. Als sie von der Polizei gefasst wurde, hatte sie das Kind bei sich – Freunden und Bekannten erzählte sie, es sei ihre eigene Tochter. Das Mädchen überlebte die Tat und wuchs bei ihrem Vater auf. Für die Tat, die über die USA hinaus Abscheu und Entsetzen ausgelöst hatte, wurde sie später zum Tode verurteilt.

Ein Leben voller Gewalt und Missbrauch

Wie jemand zu so einer Tat fähig ist, kristallisiert sich später in der Berufsverhandlung heraus: Montgomerys Lebensgeschichte ist geprägt von Gewalt und Missbrauch, von körperlichen und seelischen Misshandlungen. Wie der "Guardian" berichtete, erlebte sie schon als kleines Kind hautnah die Vergewaltigung ihrer achtjährigen Halbschwester Diana mit. Seit sie elf Jahre alt war, wurde sie selbst von ihrem Stiefvater ein- bis zweimal in der Woche auf jede erdenkliche Weise vergewaltigt. Später lud ihr Stiefvater auch Freunde zu den Vergewaltigungen ein, die laut "Guardian" stundenlang andauerten und damit endeten, dass die Männer auf sie urinierten, "als wäre sie Müll". Auch ihre eigene Mutter wurde zur Mittäterin: Dienstleistungen des Klempners oder Elektrikers bezahlte sie mit ihrer eigenen Tochter.

Trotz psychischer Störung wurde Hinrichtung vollstreckt

Diese systematische Folter und Missbrauch führten bei Montgomery unter anderem zu einer bipolaren, einer posttraumatischen Belastungsstörung, Depressionen und Psychosen, die später im Gefängnis diagnostiziert wurden. Eigentlich hätte dies strafmindernd wirken müssen, ebenso wie die Tatsache, dass die Angeklagte bei der Tat psychisch krank war. Das letzte Gnadengesuch von Montgomerys Anwälten an den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump – einen Verfechter der Todesstrafe – blieb unerhört.

Die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio hat mit Trauer und Empörung auf die Hinrichtung reagiert. Am Mittwoch sprach die Organisation in Rom von einer "grausamen Entscheidung", die vom Wunsch nach Rache geleitet sei und nichts mit Gerechtigkeit zu tun habe. Der Beschluss der Regierung von Donald Trump, Exekutionen auf Bundesebene wiederaufzunehmen, solle bald einer neuen "Ära der Achtung vor dem Leben" weichen.

Seit 2003 fand auf Bundesebene – in vielen US-Bundesstaaten wurden Todesurteile weiterhin vollstreckt – keine Hinrichtungen mehr statt. Nach einem gewonnenen Rechtsstreit hatte die US-Regierung von Donald Trump die Vollstreckung wiederaufgenommen. Seither kam es Medienberichten zufolge zu zehn Hinrichtungen; bis zur Amtsübernahme von Joe Biden am 20. Jänner will die US-Regierung nach Angaben des Death Penalty Information Center noch zwei weitere Todesurteile vollstrecken. Der künftige Präsident Biden hat sich für die Abschaffung der Todesstrafe auf Bundesebene ausgesprochen. (APA, etom, 13.1.2021)