Die Fortuna am Donnerstag vor der Insel Poel.

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Berlin/Frankfurt – Die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 darf vor der deutschen Küste weiter gebaut werden. Das Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) genehmigte am Freitag, dass an der Gasverbindung zwischen Russland und Deutschland bis Ende Mai weitergebaut werden darf.

Eigentlich herrscht ein Baustopp zwischen Herbst und Sommer aus Naturschutzgründen. Die Bauarbeiten könnten aber so umgesetzt werden, dass die Eingriffe begrenzt und der Vogelschutz gewahrt blieben, teilte die Behörde mit. Einspruch dagegen von Umweltverbänden ist möglich. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kündigte umgehend an, rechtliche Möglichkeiten zu prüfen: "Es kann nicht sein, dass die Nord Stream 2 AG die deutschen planungs- und naturschutzrechtlichen Regeln versucht zu beugen."

Die Betreibergesellschaft der Pipeline hat auch von dänischen Behörden grünes Licht, plant aber keinen sofortigen Baustart: "Wir haben von der dänischen Energie-Agentur die Genehmigung, ab Freitag mit den Arbeiten zu beginnen. Das heißt aber nicht, dass wir am Freitag auch die Verlegung von Rohren wiederaufnehmen", sagte ein Sprecher der Firma dem "Handelsblatt".

Sanktionsdrohungen verzögerten Bau

Wegen Sanktionsdrohungen der USA gegen beteiligte Firmen hatten sich die Arbeiten im vergangenen Jahr verzögert. Eine Firma hatte ihre Spezialschiffe abgezogen. Jetzt soll die russische "Fortuna", die Donnerstag aus dem Wismarer Hafen ausgelaufen war, die Lücke füllen. Die USA lehnen den Bau der rund 1.200 Kilometer langen Röhre mit der Begründung ab, Europa werde dadurch noch abhängiger von russischem Erdgas. Die USA wollen allerdings auch selbst ihr Gas in Europa verkaufen. Außenminister Heiko Maas (SPD) kündigte an, man werde zügig mit den USA Gespräche über das Thema aufnehmen, sobald die neue Regierung im Amt sei.

Am Donnerstag hatte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass er davon ausgehe, dass die Pipeline fertiggestellt werde. "Wir finden es positiv, dass die Arbeiten für den ersten Strang jetzt in Deutschland abgeschlossen sind und dass die Arbeiten in den dänischen Gewässern in den nächsten Tagen wieder beginnen." Uniper gehört neben der österreichischen OMV, Wintershall, Royal Dutch Shell und dem französischen Versorger Engie zu den Finanzpartner für das fast zehn Milliarden Euro teure Projekt. (Reuters, 15.1.2021)