Wer in der letzten Nacht schlecht geschlafen hat, muss es wenigstens diesmal nicht unbedingt auf Corona-indizierte nervöse Zustände zurückführen. Eine Mischung aus freudiger Erwartung und Sorge hielt uns wach: Wird alles gut gehen in Washington Mittwochabend – Uhrzeit Alter Kontinent? Passiert eh nichts, was Joe Biden daran hindern könnte, den Amtseid des Präsidenten zu sprechen? Und ist er – der andere – dann wirklich weg, weg für immer?

Patrouille der Nationalgarde vor dem Kapitol in Washington.
Foto: AP/Matt Slocum

Vier Jahre nach seiner Vereidigung und dem allerersten Aufbrechen einer Kluft zwischen Realität und Fakten in seiner Amtszeit – Stichwort größte Menschenmenge, die je bei einer Amtseinführung war – geht ein böser Traum zu Ende. Die Putztrupps im Weißen Haus waren hoffentlich gründlich. Auch der Dreck, den seine Anhänger im Kapitol hinterlassen haben, ist weggeräumt, der physische Dreck zumindest, der metaphysische wird noch lange in der Luft hängen.

Selbstkritisch müssen aber auch wir Journalisten und Journalistinnen uns fragen, was er mit uns gemacht hat. In seinem Gefolge haben wir ebenfalls damit begonnen, Grenzen zu überschreiten: Selbst in seriösen Medien, von sich üblicherweise knochentrocken ausdrückenden Analysten, wurde über ihn in einem Tonfall und mit einem Vokabular gesprochen, das normalerweise journalistisch tabu ist. Wir reiben uns nach vier Jahren ungläubig die Augen. Hoffentlich ist es vorbei. Reset. (Gudrun Harrer, 20.1.2021)