Das Wort der ehemaligen Fed-Chefin und designierten US-Finanzministerin hat Gewicht im Senat.

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Washington – Die designierte US-Finanzministerin Janet Yellen will im Kampf gegen die Corona-Krise klotzen und nicht kleckern. Der künftige Präsident Joe Biden und sie seien sich zwar der Schuldenlast bewusst, erklärt die frühere Notenbankchefin in vorab veröffentlichten Aussagen für eine Senatsanhörung am Dienstag. Angesichts der historisch niedrigen Zinsen sei es allerdings jetzt das Klügste, "groß zu handeln".

Biden hatte jüngst sein geplantes 1,9 Billionen Dollar (1,58 Billionen Euro) schweres Pandemieprogramm vorgestellt. Ein Großteil davon ist für Hilfen an das Millionenheer von US-Bürgern vorgesehen, die in der Krise ihren Job verloren haben.

Das Gewicht der Fed-Chefin

Doch die von der künftigen Regierung geplanten Gelder müssen zunächst vom Kongress freigegeben werden. Dabei sind Bidens Demokraten bei einigen Teilen des Programms auf Zustimmung der Republikaner, der Partei des scheidenden Präsidenten Donald Trump, im Senat angewiesen. Yellen gilt als ausgewiesene Finanz- und Arbeitsmarktexpertin und leitete von 2014 bis 2018 in Washington die mächtigste Notenbank der Welt.

In dieser Funktion absolvierte sie regelmäßig Anhörungen im US-Kongress. Ihr Auftritt im Finanzausschuss des Senats dient nun als erster Schritt im parlamentarischen Bestätigungsverfahren, bevor die ganze Kongresskammer über ihre Nominierung entscheiden kann. Ihr Vorgänger Steven Mnuchin tritt am Mittwoch ab – am selben Tag, an dem Biden auf den Stufen des Kapitols den Amtseid ablegen wird.

Hohes Ansehen

Yellens Bestätigung gilt als weitgehend gesetzt. Aus dem Umfeld Bidens verlautete, die 74-Jährige sei unter den für Kabinettsposten vorgeschlagenen Kandidaten eine der am wenigsten kontrovers gesehenen Personen. Sie müsse sich allerdings auf Fragen im Ausschuss zu den Steuer- und Ausgabeplänen des künftigen Präsidenten gefasst machen. Yellen könnte laut Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets auch skizzieren, wie sie sich die Zusammenarbeit mit der Notenbank Federal Reserve in Zukunft vorstellen wird: "Das könnte neuen Schwung in die Aktienmärkte bringen."

Bereits vorab durchgesickert war, dass sie keine Dollar-Abwertung anstrebt. "Der Wert des US-Dollars und anderer Währungen sollte von den Märkten bestimmt werden", zitierte das "Wall Street Journal" am Wochenende aus den vorbereiteten Aussagen Yellens im Senat. "Die Vereinigten Staaten streben nicht nach einer schwächeren Währung, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen." Die USA sollten sich zudem den Versuchen anderer Länder widersetzen, dies zu tun. (Reuters, 19.1.2021)