Erst vergangene Woche wurden zwei Richterinnen in Kabul auf dem Weg zu ihrer Arbeit erschossen

Foto: Mohammad Ismail

Der Vorstoß der neuen US-Regierung zu einer Überprüfung des Abkommens mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan ist von führenden Regierungsvertretern in Kabul begrüßt worden. Der afghanische Übergangsminister für Frieden, Abdullah Khenjani, erklärte am Samstag in einem Video, die Überprüfung der Vereinbarungen müsse zu einem "sofortigen Ende der Gewalt" und einem "dauerhaften Frieden" führen.

Washington wolle kontrollieren, ob die Taliban ihre Verpflichtungen einhielten, sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats. Demnach will die US-Regierung prüfen, ob die Taliban ihre Verbindungen zu terroristischen Gruppen beendet, die Gewalt in Afghanistan reduziert und sich auf ernsthafte Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung eingelassen haben.

Truppenabzug bis 2021 bei Sicherheitsgarantien

Im Februar vergangenen Jahres hatte die US-Regierung ein Abkommen mit den Taliban geschlossen. Die USA sagten damals einen vollständigen Truppenabzug bis Mitte 2021 zu. Im Gegenzug gaben die Taliban Sicherheitsgarantien ab. Auf Nachfrage erklärten die Taliban, sie hielten sich an das Abkommen. "Wir halten unsere Zusagen ein", sagte der Taliban-Sprecher Mohammad Naeem in Katar der Nachrichtenagentur AFP. "Wir erwarten, dass sich auch die andere Seite an die Vereinbarung hält."

Die Verhandlungen zwischen der Regierung in Kabul und den Taliban sind bisher ergebnislos verlaufen. Nahezu täglich gibt es Angriffe der Aufständischen gegen die staatlichen Sicherheitskräfte. In den Städten haben die gezielten Anschläge auf Journalisten, Politiker und Menschenrechtsaktivisten zugenommen. Die Taliban bekennen sich in der Regel zu Anschlägen auf Mitglieder der Sicherheitskräfte, aber nicht auf Vertreter der Zivilgesellschaft.

Beendigung der Gewalt noch nicht erreicht

Die afghanische Regierung sei sich mit den USA darüber einig, sich für einen dauerhaften Frieden in einem "demokratischen" Land einzusetzen, in dem die Fortschritte der zwei zurückliegenden Jahrzehnte erhalten würden, erklärte Mohib in einer Twitter-Kurznachricht. Vize-Innenminister Sedik Sedikki wies darauf hin, dass das Ziel einer Beendigung der Gewalt noch nicht erreicht sei. (APA, red, 24.1.2021)