1999 war auch Donald Trump bei Larry King zu Gast.

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Sein Markenzeichen waren die Hosenträger. Ohne Jackett, die breiten Gummizüge meist in bunter Farbe, den Oberkörper vorgereckt, die Ellbogen auf die Tischplatte gestützt, die Hemdsärmel hochgekrempelt, so saß er im Studio von CNN, um Prominente zu interviewen. Er wolle seinen Gästen das Gefühl vermitteln, dass sie bei ihm locker plaudern konnten, hat Larry King das legere Outfit erklärt. Die Interviewpartner kamen dann auch tatsächlich ins Plaudern, wobei der Gastgeber Wert darauf legte, keine allzu kritischen Fragen zu stellen. Ein Vierteljahrhundert war "Larry King Live" vor der Kulisse einer rot, blau, grün und gelb gepunkteten Weltkarte so etwas wie eine mediale Spielwiese für Prominente, die von dem freundlichen Herrn mit der rauchigen Baritonstimme nichts zu befürchten hatten. Am Samstag starb King im Alter von 87 Jahren in Los Angeles. Einige Wochen zuvor hatte er sich mit dem Coronavirus infiziert.

Schon lange vor seinem Tod passte er mit seiner jovialen Art nicht mehr in die amerikanische Medienlandschaft. Bereits im Dezember 2010 hatte er bei CNN seinen Hut genommen. Das politische Klima war rauer, die Debatten waren polemischer geworden. Zwei Nachrichtensender, die dem Cable News Network nach und nach den Rang abliefen, profitierten von der Polarisierung und förderten sie. Bei Fox News bediente eine Reihe stramm rechter Ideologen die Vorurteile konservativer Nationalisten, während sich MSNBC mit den Monologen nicht weniger selbstgewisser Moderatoren an das linke Amerika wandte. Schon damals wirkte der Fernsehmann King wie ein Relikt.

Interview in der warmen Badewanne

Wer bei ihm saß, schrieb damals zum Abschied ein Kolumnist, fühlte sich "weniger auf einem heißen Stuhl als in einer warmen Badewanne". Auf Gespräche bereite er sich grundsätzlich nicht oder allenfalls flüchtig vor, hat er selbst seinen Ansatz erklärt. Wisse er zu viel über einen Interviewpartner, vertiefe er sich zu gründlich in dessen Biografie, gehe am Ende nur das Spontane verloren. Er wolle Fragen stellen, wie neugierige Zuschauer sie auch stellen würden, ohne durch Detailkenntnisse belastet zu sein.

Jedenfalls kamen sie alle: der Watergate-geschädigte Richard Nixon, Bill Clinton und George Bush, der Libyer Muammar al-Gaddafi, Mike Tyson und Frank Sinatra, Magic Johnson, Marlon Brando und Michelle Obama. Wladimir Putin schmeichelte, es gebe viele talentierte Menschen in Amerika, aber nur einen Larry King.

Zeiger klag "zu ethnisch"

Begonnen hat es mit einer Zugfahrt nach Miami. Irgendwer hatte Lawrence Harvey Zeiger, dem in Brooklyn aufgewachsenen Sohn jüdischer Einwanderer aus Österreich beziehungsweise Weißrussland, geraten, sein Glück in Florida zu versuchen. Ein Greenhorn könne dort leichter Rundfunkkarriere machen als in Manhattan, wo die Phalanx der Etablierten zu eindeutig den Ton angebe. 1957 geht er zum ersten Mal auf Sendung, als DJ. Wobei ihm sein Radiomanager noch schnell einen Künstlernamen verpasst. Zeiger, das klinge "zu ethnisch", findet der Boss. Blättert in der Zeitung, sieht zufällig die Annonce eines Spirituosengeschäfts namens King’s und entscheidet: "Das ist Ihr neuer Name, Sie sind Larry King".

Bei der Premiere versagt dem schmächtigen Brillenträger die Stimme, ausgerechnet ihm, den alle wegen seiner flinken Zunge "das Mundwerk" nennen. Er lässt die Musik weiterlaufen, endlich bringt er den ersten Satz heraus. "Guten Morgen, mein Name ist Larry King. Diesen Namen habe ich vor fünfzehn Minuten bekommen, und ich bin nervös." Bald nach der DJ-Premiere beginnt er Interviews zu führen. Eine Late-Night-Show im Radio wird zum Erfolg.

Als ihm CNN-Gründer Ted Turner 1985 anbietet, eine abendliche Talkshow im Fernsehen zu moderieren, steckt Turners Kanal noch in den Kinderschuhen. Die Show wird zum Quotenbringer, ihre Blütezeit erlebt sie in den Neunzigern – bis sie irgendwann nicht mehr in die Landschaft passt. Nach dem Abschied von CNN hat King weitergemacht, einen eigenen Sender namens Ora TV ins Leben gerufen, weiter mehr oder weniger berühmte Zeitgenossen interviewt. In der Wahrnehmung des breiten amerikanischen Publikums spielte er da allerdings schon keine Rolle mehr. (Frank Herrmann aus Washington, 24.1.2021)