Trotz Fehlern mit 43 Jahren noch immer gut genug für die Super Bowl: Tom Brady.

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Zum ersten Mal in der Super-Bowl-Ära kommt es zum Finale daheim – die Tampa Bay Buccaneers mit Tom Brady stehen im Endspiel der diesjährigen Saison und treffen dort auf die Kansas City Chiefs

Die Green Bay Packers luden die Buccaneers zum Duell um die Krone der National Football Conference. Das Team um Aaron Rodgers wollte sich bei den Bucs für die heftige 10:38-Niederlage aus der Regular Season revanchieren und in die Super Bowl einziehen.

Die Vorzeichen dafür standen nicht schlecht: In der Kälte Wisconsins fühlen sich Gastteams bekanntermaßen selten wohl, dass Tampa Bay auch noch auf die Dienste des hervorragend aufspielenden Rookie-Safeties Antoine Winfield Jr. verzichten musste, sorgte für kleineren Jubel aufseiten der Packers-Fans.

Start an Tampa

Die Partie begann mit der Offensive von Tom Brady, der nach einem guten Return schon nahe der Feldmitte startete. Wie so häufig, versuchten die Bucs das Laufspiel früh zu etablieren, der große Raumgewinn durch den ehemaligen Top-5-Pick Leonard Fournette blieb aber aus. Brady suchte seinen Runningback auch häufig auf kurzen Passrouten, Fournette ließ das Ei aber regelmäßig fallen. Besser machte es einer der vielen starken Receivern der Bucs: Mike Evans fing in kritischen Third-Down-Situationen mehrere Bälle und konnte auch nach einem wunderbaren Pass von Brady für den ersten Touchdown des Abends sorgen.

Green Bay wollte natürlich rasch antworten, sah sich aber der starken Defensive Tampas ausgesetzt und musste nach einem Sack von Shaquil Barrett an Aaron Rodgers auch sehr schnell wieder vom Feld. Brady fand besser ins Spiel, konnte sein Team zu weiteren First Downs führen, nur um ebenfalls bei einem dritten Versuch gesackt zu werden. Ein Punt – und wieder Ballbesitz für Green Bay.

Rodgers übernahm tief in der eigenen Hälfte und war nach einem weiteren Sack (Jason Pierre-Paul) auch gleich wieder am Boden. Dennoch fand er Lücken in der Defensive der Bucs und sorgte per Passspiel für großen Raumgewinn. Direkt zu Beginn des zweiten Viertels glich Marquez Valdes-Scantling (vier Receptions, 115 Yards, TD) nach einem tiefen Pass und freundlicher Unterstützung des Verteidigers mit einem 50-Yard-Touchdown aus. Rodgers war bis zu diesem Zeitpunkt perfekt, brachte sieben von sieben Pässen für 109 Yards samt Touchdown an.

Ein Hin und Her

Aber auch Brady wollte es in diesem Spiel wissen: Mit nur vier Spielzügen gingen die Bucs nach einem 20-Yard-Lauf von Leonard Fournette wieder in Führung. Dem Laufspielzug war eine Brady-Bombe von 52-Yards auf Chris Godwin vorausgegangen.

Rodgers ließ sich davon aber nicht beeindrucken, drückte den Bucs seinen Stempel auf und führte seine Mannschaft wieder tief aus der eigenen Hälfte bis an die gegnerische Endzone. Tampa Bays Defensive fing sich aber noch rechtzeitig und hielt Green Bay nur bei einem Field Goal – 10:7 aus Sicht der Bucs. Umgekehrt hielt auch Green Bays Defensive, Brady wurde schnell wieder vom Feld geschickt, was eine neue Angriffsserie der Packers vor der Two-Minute-Warning zur Folge hatte. Rodgers ging Risiko ein und wurde von den Bucs bestraft: Sean Murphy-Bunting pickte den künftigen MVP, was einen neuerlichen Ballbesitz für Bradys Offensive zur Folge hatte. 28 Sekunden verblieben den Bucs noch um zu weiteren Punkten zu kommen.

Brady tat sich schwer, musste einen vierten Versuch ausspielen und fand sich in der Feldmitte wieder. Mit acht Sekunden auf der Uhr ging Brady all in und warf einen weiteren tiefen Pass in die Endzone – Scotty Miller nahm den Ball nach grausamer Coverage von Kevin King in Empfang. Perfektes Ende der ersten Halbzeit für die Bucs, die mit einem Score 21:10 in die Kabine gingen.

Grauen zum Restart schnell abgeschüttelt

Green Bay startete mit Ballbesitz in die zweite Hälfte und wollte den Rückstand gleich verringern. Aus dem Vorhaben wurde nichts: Runningback Aaron Jones (sechs Carries, 27 Yards) wurde durch einen traumhaften Hit von Jordan Whitehead zum Fumble gezwungen, Linebacker Devin White griff das Ei auf und retournierte es an die Acht-Yard-Linie der Packers. Brady fand gleich mit dem ersten Versuch seinen völlig freistehenden Tight End Cameron Brate in der Endzone – die Führung wurde damit auf 28:10 ausgebaut.

Freistehende Tight Ends spielten auch im Drive der Packers eine große Rolle: Robert Tonyan konnte einen Ball von Rodgers in der Endzone der Bucs fangen und damit sein Team wieder ein wenig näher bringen. Der Drive zog sich über mehrere Minuten, die Packers Offensive klickte besser und konnte über insgesamt 75-Yards marschieren.

Das Momentum sollte in Richtung der Packers fallen, nachdem Tom Brady direkt im folgenden Drive von Packers Safety Adrian Amos intercepted wurde. Green Bay legte wieder los, lief über AJ Dillon immer wieder zu neuen First Downs und konnte durch Receiver-Superstar Davante Adams (neun Receptions, 67 Yards, TD) zu einem weiteren Touchdown kommen. Die anschließende Two-Point-Conversion ließ EQ St. Brown fallen, was den neuen Spielstand von 28:23 aus Sicht der Bucs zur Folge hatte.

Der Wahnsinn den man liebt

Auch wenn es weiterhin nicht sonderlich effizient war, blieb Bucs-Head Coach Bruce Arians bei seinem Gameplan und ließ regelmäßig seinen ersten Spielzug per Lauf ausspielen. Durch den geringen Raumgewinn kamen immer wieder lange Third-Down-Situationen zu Stande, die Tom Brady in der Regel aber zu einer neuen Serie verwerten konnte. Die Bucs klopften wieder an der Redzone an und schienen wieder in die Spur zu finden als ein Ball von Brady auf Mike Evans an dessen Fingerspitzen in die Luft geschleudert und von Packers-Elite-Cornerback Jaire Alexander abgefangen wurde. Das Schlussviertel begann also mit einem Big Play der Packers Defense. So wichtig der Stopp der Packers-Defense war, so schnell war Rodgers auch wieder vom Feld – ein weiterer Sack von Shaw Barrett beendete den Drive.

Achtung – es könnte sein, dass sich die Geschichte wiederholt: Tampa Bay startete in guter Feldposition, Tom Brady wurde aber von den Packers ordentlich unter Druck gesetzt und damit auch zu weiteren folgenschweren Fehlern gezwungen: Ein tiefer Ball verfehlte sein Ziel deutlich, Jaire Alexander kam abermals zum Ball und damit zu seiner zweiten Interception des Abends. Damit wieder Green Bay am Ball und das Spiel begann wieder von vorne: Sack im First-Down von Shaq Barrett, kein weiterer Raumgewinn – Punt.

Prinzipiell ist es kein Nachteil, wenn man einen Spieler wie Rob Gronkowski in seinen Reihen hat. Der Veteran fing seinen ersten Ball knapp sechs Minuten vor Schluss und kam auch gleich zu einem großen Raumgewinn von 29 Yards, der ein Field Goal durch Ryan Succop zur Folge hatte.

Konservative Bestrafung

Crunch-Time für Rodgers (33/48, 346 Yards, drei TDs, INT), acht Punkte Rückstand, gute vier Minuten noch zu spielen. Green Bay kam bis in die Redzone, musste sich aber der Bucs-Defensive geschlagen geben. Packers-Head Coach Matt LaFleur blieb konservativ und nahm das nahe Field Goal statt eines weiteren Versuchs auf einen Touchdown. Tampa bekam damit zwei Minuten vor Schluss mit einer fünf Punkte-Führung den Ball zurück. Natürlich wurde gelaufen und Green Bay damit zum Verbraten ihrer Timeouts gezwungen. Beim einzigen Pass Versuch von Brady (20/36, 280 Yards, drei TDs, drei INTs) gab es eine Pass Interference-Strafe gegen Kevin King und damit auch ein neues First Down, das den Bucs zum Verwalten der Führung und damit auch zum Sieg reichte. Tampa Bay geht also in den Heim-Super Bowl im eigenen Stadion am 7. Februar. Tom Brady steht zum zehnten (!) Mal im Endspiel.

Chiefs wieder im Super Bowl

Im Vorfeld des Spiels zwischen den Buffalo Bills und den Kansas City Chiefs drehte sich alles um die Frage nach Patrick Mahomes‘ Gesundheit. Der Super Bowl MVP erlitt vergangene Woche beim Sieg über die Cleveland Browns eine Gehirnerschütterung und verletzte sich zudem am großen Zeh. Mahomes konnte an der Partie teilnehmen und damit auch um die zweite Super Bowl-Teilnahme in Folge kämpfen.

Die Bills eröffneten die Partie mit ihrer Offensive und zeigten sich dabei gewohnt aggressiv. Coach Sean McDermott ließ früh einen vierten Versuch ausspielen, der den Bills in weiterer Folge Raumgewinn für ein weites Field Goal einbrachte. Mahomes und seine Mannen brauchten noch ein wenig um ins Spiel zu finden – im ersten Drive fiel nur Receiver Tyreek Hill mit einem bösen Drop auf. Josh Allen und Buffalo konnten anschließend ebenfalls keine Punkte aufs Scoreboard bringen, bekamen aber beim anschließenden Punt ein gastfreundschaftliches Geschenk von Chiefs-Returner Mecole Hardman (zwei Receptions, vier Yards, TD): Der Receiver muffte das Ei, die Bills brachten es untter Kontrolle und kamen kurz vor der Endzone zu einer Angriffsserie. Allen ließ sich die Chance nicht nehmen und fand seinen Tight End Dawson Knox zum ersten Touchdown des Spiels. Da Kicker Tyler Bass den anschließenden Extra-Punkt vergeigte, zeigte das Scoreboard eine 9:0 Führung für die Bills.

Andy Reid bewies schon letzten Sonntag, dass er ein Verfechter der go-for-it-Strategie ist. Auch er spielte schon früh im Spiel einen vierten Versuch aus, der den Drive der Chiefs erfolgreich verlängerte. Hardman bekam die Chance seinen Fehler wiedergutzumachen und lief mit dem Ball nach schnellem Pass in die Endzone. Buffalo konnte nicht direkt antworten, ganz im Gegensatz von Kansas City, die zu einem weiteren Touchdown durch Runningback Darrel Williams (13 Carries, 52 Yards, TD) kamen und sich dadurch auch die erstmalige Führung sicherten. Bei den Bills blieb der Wurm drin, vor der Pause kam die Offensive nur noch zu einem Field Goal, während die Chiefs durch Rookie Clyde Edwards-Helaire (sechs Carries, sieben Yards, TD) die Führung auf 21:12 ausbauten.

Kein Punt in Hälfte zwei

Beide Mannschaften wollten es wissen und spielten mit offenem Visier. Direkt nach der Pause erzielten die Chiefs als auch die Bills je ein Feld Goal, ehe Patrick Mahomes (29/38, 325 Yards, drei TDs) sein Team durch großen Raumgewinn über Tyreek Hill (neun Receptions, 172 Yards) zu einem weiteren Score durch Travis Kelce (13 Receptions, 118 Yards, zwei TDs) führte und den Vorsprung dadurch auf 31:15 ausbaute.

Buffalo wollte nun endlich auch groß antworten, Josh Allen (28/48, 287 Yards, zwei TDs, INT) konnte den Drive trotz zwischenzeitlichen Sacks lange am Leben halten und seine Offensive bis an die gegnerische Zwanzig-Yard-Linie führen. Das Pech klebte an den Händen seines Receivers John Brown (zwei Receptions, 24 Yards) der einen Ball nicht unter Kontrolle bringen konnte und unglücklich in die Hände von Chiefs-Spieler Rashad Fenton ablenkte. Kansas City bekam also wieder das Ballrecht.

Mahomes nützte den Turnover gnadenlos aus und baute die Führung durch einen erneuten Touchdown durch Travis Kelce auf 38:15 aus. Buffalo brauchte ein mittleres Wunder um den großen Rückstand im Schlussviertel noch wett zu machen und kam durch Isaiah McKenzie (eine Receptions, sechs Yards, TD) zu einem ersten Score. Der Versuch einer 2-Point-Conversion scheiterte, dafür blieben die Bills nach einem erfolgreich ausgeführten Onside-Kick in Ballbesitz. Mehr als ein Field Goal schaute aber nicht mehr heraus. Die Chiefs bekamen mit etwas mehr als drei Minuten noch einmal den Ball, verwalteten die Führung locker und konnten sich am Ende verdient mit 38:24 durchsetzen.

Damit stehen die Kansas City Chiefs zum zweiten Mal in Folge im Super Bowl. In zwei Wochen kommt es zum Duell zwischen Pat Mahomes und Tom Brady.

NFL Conference Championships:

Tampa Bay Buccaneers (11-5) 31:26 Green Bay Packers (13-3)

Buffalo Bills (13-3) 24:38 Kansas City Chiefs (14-2) (Martin Senfter, 25.1.2021)