Der Krüger-Nationalpark in Südafrika verlor in den letzten zehn Jahren bis zu 70 Prozent seiner Nashorn-Population.
Foto: AP/Schalk van Zuydam

Johannesburg – Im vergangenen Jahr ist die Zahl der gewilderten Nashörner in Südafrika um ein Drittel zurückgegangen. Landesweit wurden 394 Tiere von Wilderern getötet, 2019 waren es noch 594 Nashörner, wie die südafrikanische Umweltministerin Barbara Creecy am Montag aus einem aktuellen Bericht zitiert.

Rückläufiger Trend

In den vergangenen Jahren entwickelte sich die Wilderei in Südafrika rückläufig – das gilt auch für die wegen ihres Elfenbeins getöteten Elefanten. Die Zahl der nur im Krüger-Nationalpark gewilderten Dickhäuter sank gegenüber dem Vorjahr um knapp die Hälfte auf 16 tote Elefanten. 2020 wurden insgesamt 166 mutmaßliche Wilderer festgenommen – 66 im Krüger-Park.

"Obwohl 2020 die außergewöhnlichen Umstände bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie ihren Teil beitrugen zum Rückgang der Nashorn-Wilderei, so spielten die auf ihren Posten bleibenden Ranger und das Sicherheitspersonal wie auch die weiteren Maßnahmen der Regierung zur wirksamen Bekämpfung dieser Verbrechen doch eine entscheidende Rolle", erklärte die Ministerin.

Lebensgefährlicher Kampf

Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) begrüßte die Entwicklung als Erfolg, verwies aber auf den hohen Anteil gewilderter Dickhäuter im Krüger-Nationalpark. Er liege mit rund 62 Prozent (245 Tiere) relativ hoch. "Wir ermutigen dazu, den Bedürfnissen der Ranger und des Managements im Krüger-Nationalpark zu entsprechen, um die Wilderei zu stoppen", betonte der regionale IFAW-Direktor Neil Greenwood. Der Kampf gegen die Nashorn-Wilderei könne gewonnen werden durch große Geschlossenheit, sei aber zäh und lebensgefährlich.

"Als Heimat für Südafrikas größten Nashorn-Bestand werden die Tiere im Kreuzfeuer der Wilderer bleiben", betonte Greenwood. Der IFAW zitiert Medienberichte, wonach die Gesamtpopulation des Krüger- Nationalparks in den letzten zehn Jahren um 66 bis 70 Prozent zurückgegangen ist. Das gehe aus dem Jahresbericht der SA National Parks hervor. Der internationale Handel mit Nashorn-Hörnern ist verboten. Doch in Asien, vor allem in Vietnam und China, ist Horn als Inhaltsstoff der traditionellen Medizin beliebt und kostet auf dem Schwarzmarkt etwa so viel wie Gold.

Schon im Vorjahr dezimierte vermutlich eine bakterielle Vergiftung die Elefantenzahlen im Okavango-Delta Botswanas.
Foto: AFP/ NATIONAL PARK RESCUE

Erneut Elefantensterben in Botswana

Die Elefantenpopulation des Nachbarlandes Botswana hat nicht nur mit Wilderern zu kämpfen, eine rätselhafte Infektion dezimiert aktuell ebenfalls ihre Reihen. Nur wenige Monate nach dem Massensterben von Elefanten im weltberühmten Naturparadies Okavango-Delta untersuchen die Behörden in Botswana erneut rätselhafte Todesfälle von Dickhäutern. "Bisher wurden wir über fünf Kadaver informiert, die Forscher von der Organisation Rhinos without borders entdeckt haben", erklärte Dimakatso Ntshebe von der zuständigen regionalen Wildtierbehörde am Dienstag. Mittlerweile wird von mehr als zehn berichtet.

Die toten Tiere, die ihre bei Wilderern begehrten Stoßzähne noch besaßen und im Moremi-Naturpark entdeckt worden waren, wurden entlang einer Schotterpiste gefunden. Es wird vermutet, dass im dahinter liegenden unwegsamen Gelände weitere Kadaver liegen. Die Untersuchungen stünden bisher erst am Anfang, sagte Ntshebe. Die toten Tiere zeigten ähnliche Symptome wie die insgesamt 330 Elefanten, die im Vorjahr rund 230 Kilometer entfernt ebenfalls im Okavango-Delta entdeckt worden waren. Die Behörden hatten damals Cyanobakterien als wahrscheinliche Todesursache ausgemacht. Labortests mit Blutproben verendeter Tiere sowie Erd- und Wasserproben hätten ergeben, dass diese Gifte bildenden Mikroorganismen die Tiere im Okavango-Delta im Nordwesten des Landes töteten, hieß es damals. (red, APA, 1.2.2021)