Israel ist mit seiner Impfkampagne so weit fortgeschritten, dass bereits 45 Prozent der über 60-Jährigen den vollen Impfschutz haben.

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Fremde Menschen anzurufen, um zu fragen, wie es ihnen gehe, zählt sonst eher nicht zu den Aufgaben von Krankenkassen-Managern. In den vergangenen Wochen kam es aber vor, dass Anat Ekka-Zohar, Vizepräsidentin der israelischen Krankenkasse Maccabi, sich persönlich nach dem Wohlbefinden von Versicherten erkundigte, um zu erfahren, wie die Covid-Impfung wirkt. Und die Antworten stimmten positiv: Die wenigen Geimpften, die sich dennoch mit dem Virus infizierten, hatten überwiegend "sehr milde Symptome", sagt Ekka-Zohar zum STANDARD. Viele hätten sich nur deshalb einem Test unterzogen, weil sie zuvor mit einer infizierten Person Kontakt hatten.

Israel, das bisher nur auf Pfizer/Biontech setzt, ist mit seiner Impfkampagne so weit fortgeschritten, dass bereits 45 Prozent der über 60-Jährigen den vollen Impfschutz haben. Maccabi hat 246.000 davon untersucht. Nur 66 von ihnen wurden positiv getestet. "Das Ansteckungsrisiko ohne Impfung ist elf Mal höher als mit", erklärt Ekka-Zohar. Die Effektivität wird daher auf 92 Prozent geschätzt.

Zuerst die Älteren

Hatte Pfizer nicht 95 Prozent versprochen? Man müsse bedenken, dass Israel zuallererst die Alten geimpft hat, sagt Ekka-Zohar. Darum stammen auch die Daten, die jetzt analysiert werden, von älteren Menschen, während Pfizer ein im Schnitt jüngeres Sample untersucht hat. Ältere sprechen aber tendenziell weniger stark auf Impfungen an. Insofern seien die Ergebnisse erfreulich. "Wir können davon ausgehen, dass wir in ein paar Wochen eine höhere Effektivität sehen", sagt Ekka-Zohar. Dann werden auch viele jüngere Israelis ihre zweite Impfdosis erhalten haben und damit in die Datenauswertung eingehen.

Mit einer Impfung sei man jedenfalls deutlich besser vor einer Ansteckung geschützt als mit der Immunabwehr, die der Körper selbst bildet, wenn er schon einmal infiziert war, sagt der Immunologe Cyrille Cohen von der Bar-Ilan-Universität. Unklar ist aber, wie lange dieser Schutz aufrechtbleibt. Weiterhin keine Antwort gibt es auch auf die Frage, ob Geimpfte das Virus übertragen.

Weniger ansteckende Verläufe

Aber auch hier stimmen erste Forschungsergebnisse zuversichtlich. "Mehrere Studien zeigen, dass milde Verläufe weniger ansteckend sind", sagt Cohen. Da Geimpfte schwächere Symptome zeigen, hätten sie also auch ein geringeres Ansteckungspotenzial. Um gesicherte Aussagen zu treffen, sei es aber noch zu früh. "In zwei bis drei Wochen wissen wir vielleicht schon mehr."

Positiv stimmt die Forscher auch, dass die Zahl der älteren Covid-Patienten in den Spitälern seit Mitte Jänner zurückgeht. Allerdings nimmt zugleich der Anteil jüngerer Patienten mit schweren Verläufen zu. In Spitälern wird vermutet, dass die britische Mutation dafür verantwortlich ist. Sie stellt bereits 70 Prozent der Neuansteckungen.

Für Empörung sorgten zuletzt jene Bilder, die rund 10.000 Ultraorthodoxe dicht aneinandergedrängt bei der Begräbniszeremonie für den berühmten Rabbiner Meshulam Dovid Soloveitchik am Sonntag in Jerusalem zeigten. Der 99-Jährige war nicht an bloßer Altersschwäche gestorben – sondern an den Folgen einer Covid-Infektion. (Maria Sterkl aus Jerusalem, 2.2.2021)