Schütze die anderen, aber auch dich selbst: Die Hygienikerin Miranda Suchomel betont die Wichtigkeit des zweifachen Schutzes.

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Über den Sinn der FFP2-Maske und ihren Einsatz in der breiten Bevölkerung wird aktuell erneut gestritten. Nun schüttet auch das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) Öl ins Feuer und spricht von "potenziellen Kosten und Nachteilen", wie die "Presse" am Dienstagabend berichtete.

Der erwartete Mehrwert des allgemeinen Einsatzes von FFP2-Masken in der Gesellschaft sei sehr gering, so ein ECDC-Sprecher. Die potenziellen Kosten und Nachteile würden eine Empfehlung für ihre Verwendung in der Öffentlichkeit anstelle von anderen Arten von Masken nicht rechtfertigen. Auch das Auftreten der mutierten Virusformen erfordere "keine anderen Typen von Masken als jene, die derzeit schon verwendet werden", heißt es weiter.

FFP2-Masken filtern bis zu 94 Prozent der Aerosole.
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Viel diskutiert

Bereits seit dem Frühjahr berufen sich Maskenkritiker auf damalige Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass Masken bei der Pandemiebekämpfung kaum eine Rolle spielen. Anfang Juni letzten Jahres revidierte die Organisation ihre Einschätzung und befürwortete den Gesichtsschutz als "dringlich". Auch die Richtlinien zum Tragen von Atemschutzmasken wurden entsprechend angepasst. "Überall dort, wo es zu Übertragungen in der Öffentlichkeit kommen kann, raten wir Menschen über 60 Jahren oder Menschen mit Vorerkrankungen zudem, eine medizinische Maske zu tragen", erläuterte WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus am 5. Juni. "Masken allein werden Sie aber nicht vor Covid-19 schützen", hieß es im Nachsatz.

Dies wurde als Beleg dafür gewertet, dass die WHO nichts empfehlen wolle, was für die Mitgliedsstaaten Beschaffungsprobleme verursachen könnte. Doch wie lautet die Einschätzung der Experten? FFP2-Masken können Viren und andere Erreger bis zu 94 Prozent zurückhalten – vorausgesetzt, man trägt sie auch richtig, erklärt die Hygienikerin Miranda Suchomel von der Med-Uni Wien im STANDARD-Gespräch. Mit der stetigen Zunahme infektiöserer Virusmutationen sei es durchaus sinnvoll, FFP2-Masken dort zu tragen, wo der Mindestabstand nicht eingehalten oder kein ausreichender Luftaustausch gewährleistet werden kann.

Erhöhter Selbstschutz

Bisher sei es beim Tragen der Masken vorrangig um den Schutz des Gegenübers gegangen, erklärt die Expertin, "außerdem waren Masken noch Mangelware, und wir haben uns darauf konzentriert, sie dem Spitalswesen und der Altenpflege zu überlassen". Jetzt, da ausreichend Masken zur Verfügung stünden, sieht die Expertin keine Veranlassung, sich "dagegen zu wehren".

Denn gerade das Zusammenspiel aller Maßnahmen – Handhygiene, zwei Meter Abstand, Kontaktbeschränkungen, Masken – würde uns nach der neuerlichen Öffnung trotz der infektiöseren Mutanten Freiheiten erlauben, die wir im Lockdown nicht hatten. Die erneute Diskussion stößt bei der Infektionspräventionsexpertin deshalb auf Unverständnis: "Natürlich spielt die Umweltbelastung, die durch das Wegwerfen von Masken verursacht wird, eine Rolle", betont sie. Dennoch sei es in Anbetracht der derzeitigen Lage unangebracht, hierzulande darüber oder über Kosten zu diskutieren. "Immerhin haben wir diese Masken ja schon, sie sind im Handel erhältlich oder wurden schon per Post an ältere Personen verschickt." Der effektive Zweifachschutz, sowohl für das Gegenüber als auch für einen selbst, sei das, was nun der Bevölkerung kommuniziert werden müsse. (Julia Palmai, 4.2.2021)