Mit Monatsbeiträgen der Firma immer innerhalb von wenigen Minuten online beim Arzt: das neue Goodie der Firma?

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Vergütungsanteile, die nicht direkt aus Geld bestehen, gehören mittlerweile flächendeckend in das Arbeitsleben. Die Angebote solcher (meistens steuerbegünstigter) Goodies sind je nach Branche mehr oder minder kreativ und reichen von Diensthandys, Dienstautos über Mitarbeiterrabatte oder Weiterbildung bis zu präventiven Gesundheitspaketen und Impfaktionen oder sogar extra Urlaubstagen. Unternehmen bemühen sich zunehmend, damit auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einzugehen, und damit findet auch ein Wandel vom materiellen Gut hin zu persönlicher Weiterentwicklung und zur Lebensverbesserung statt.

Das Wiener Start-up drd.at (DRD Doctors Online), mit seiner telemedizinischen Plattform seit dem Vorjahr online, setzt genau auf diesen Trend und hat ein Telemedizinportal etabliert, das nun – mit bereits mehreren Tausend Privatusern – in der Firmenwelt als Benefit verkauft wird.

Das Modell: Wahlärztinnen und -ärzte der Allgemeinmedizin stellen geblockt Zeit zur Verfügung, um online via Webcam innerhalb von wenigen Minuten für Beratung und Diagnosen inklusive Verschreibungen zur Verfügung zu stehen. Kunden zahlen 9,90 Euro pro Monat und sind somit voll abonniert, je nach persönlichen Bedürfnissen nach Häufigkeit der Konsultationen. Eine Kooperation mit der Apothekerkammer stellt schnelle elektronische Rezeptübermittlung sicher. Im Hintergrund liegt eine digitale Gesundheitsakte. "Verschlüsselt und für uns nicht einsehbar", wie Nina Eibl-Hartung, zuständig für die Geschäftsentwicklung des Start-ups, versichert.

Nina Eibl-Hartung glaubt an den Gesundheitstrend bei Benefits.
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Neuer Trend

Sie ist aktuell in der Unternehmenswelt unterwegs, um dieses Service dort zu etablieren. Die monatlichen Beiträge sind für Firmen ab 100 Mitarbeitenden geringer als für private User und liegen zwischen fünf und sechs Euro netto. Zwei große Unternehmenskunden haben bereits unterschrieben. Aktuell sind 15 Allgemeinmediziner fix auf der Plattform, künftig werde auch auf die fachärztlichen Bereiche ausgerollt und quantitativ erweitert, je nach Kunden auf der anderen Seite.

Dieser für Österreich recht große und mutige Schritt in Richtung Telemedizin habe auch bereits zu Verhandlungen mit den Sozialversicherungen und den Gesundheitskassen geführt, so Eibl-Hartung. Diese seien aktuell im Gange. Wie genau der Stand der Verhandlungen zum künftigen Abrechnungsmodus ist, könne sie noch nicht preisgeben. Allerdings schickt sie eine Entängstigung mit: "In diesem Bereich herrscht verständlicher Weise eine Angst vor dem Amazon-Effekt – wir sind ein rein nationales Start-up."

Sie ist jedenfalls vom Trend telemedizinischer Services durch Arbeitgeber fest überzeugt – "ergänzend zu unserem bestehenden Gesundheitssystem", wie sie betont: "Wie kann ich den Leuten Homeoffice erleichtern, wie kann ich besser für psychische und physische Gesundheit meiner Mitarbeiter sorgen, was wünschen sich unsere Belegschaften?", diese Fragen würden sich immer mehr Unternehmen konkret stellen. (Karin Bauer, 8.2.2021)