Hollywood, 26. Februar 2012: Christopher Plummer nimmt seinen Oscar in Empfang.

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Der Baron Georg von Trapp war allen Berichten nach ein gutmütiger Mensch. In dem weltberühmten Film The Sound of Music sieht man ihn allerdings mit durchaus despotischen Zügen, der zumindest anfangs eher durch Strenge und einen gewissen militärischen Ton auffällt. Es war der Schauspieler Christopher Plummer selber, der sich für die Figur ein bisschen mehr "Ecken und Kanten" wünschte ("some edge"), wie man in seiner Autobiographie In Spite of Myself (Mir selbst zum Trotz) nachlesen kann. Für einen Theaterstar, der sich seine Messlatte an Interpretationen von Hamlet nahm, war das Musical von Robert Wise über die singende Trapp-Familie eher eine Unterforderung. Aber die Rolle erwies sich als prägend für seine Karriere. Denn Christopher Plummer wurde danach zu einem der großen Gentleman-Stars des Kinos.

20th Century Fox

Seine Distinguiertheit, die man gern für typisch britisch halten konnte, kam allerdings aus einem Leben mit einem Kanon, in dem alles von Shakespeare ausging. Von Geburt war Plummer nämlich Kanadier, er kam 1929 in Toronto zu Welt, und wuchs in Quebec in der Nähe von Montreal zweisprachig auf. Für seine Berufung wurde das Englische aber wichtiger als das Französische. Ausschlaggebend wurde die Darstellung von Laurence Olivier in Henry V (1944), einem britischen Technicolor-Film auf Grundlage eines der bedeutendsten Shakespeare-Dramen. Diesem Vorbild wollte Plummer nacheifern.

Ein glanzvolle Karriere

Der Reichtum an Begegnungen in seinem Leben brachte es zum Beispiel mit sich, dass er 1953 für das kanadische Fernsehen in Othello spielte, mit Lorne Greene, dem späteren Boss der Bonanza-Ranch, in der Titelrolle. Noch im selben Jahr debütierte Plummer am Broadway, arbeitete dort unter anderem mit Elia Kazan, und 1958 hatte er schon seine erste Hauptrolle für das Kino in Wind of the Everglades, einer schwierigen Produktion, bei der Nicholas Ray gefeuert wurde und Budd Schulberg die Fertigstellung übernahm.

Plummer arbeitete danach durchgehend zweigleisig, seine Theaterrollen waren immer hochkarätig, seine Filmrollen waren gelegentlich auch geprägt von den Verwerfungen des internationalen Koproduktionskinos: in The Day That Shook the World spielte er 1975 unter der Regie des Montenegriners Veljko Bulajic den in Sarajewo erschossenen Thronfolger Franz Ferdinand; in dem Horrorfilm Vampire in Venice sah man ihn 1986 neben Klaus und Nastassja Kinski. In Amerika bekam er die besseren Rollen: The Insider (1999) von Michael Mann und Inside Man (2005) von Spike Lee zählen zu den Höhepunkten. Im Star Trek-Universum war er General Chang, hinter Maske und Augenklappe schon stark auf sein eigentliches Markenzeichen angewiesen: die gebieterische Stimme. Für seine Nebenrolle in der Komödie Beginners (2010) bekam er einen Oscar. In der Thriller-Parodie Knives Out hatte er kürzlich noch einen denkwürdigen, späten Auftritt als altes Ekel.

Christopher Plummer war dreimal verheiratet, aus der erste Ehe stammt die Schauspielerin Amanda Plummer. Mit seiner dritten Frau Elaine Taylor lebte er zuletzt in Connecticut. Dort ist er am Freitag im Alter von 91 Jahren an den Folgen eines Sturzes verstorben. (Bert Rebhandl, 6.2.2021)