Mit Nathalie Becquart stimmt erstmals eine Frau bei der Bischofssynode mit.

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Eine Frau wird Untersekretärin, und die halbe Welt ist aus dem Häuschen. Zumindest die halbe katholische. Denn mit der Übernahme der Position der Untersekretärin des Synodensekretariats erhält die französischen Theologin Nathalie Becquart automatisch volles Stimmrecht in der Bischofssynode – als erste Frau in der jahrhundertealten Geschichte der katholischen Kirche.

Becquart wird damit auch zum Symbol einer erhofften Öffnung. Der aktuelle Papst Franziskus unterstreiche mit dieser Ernennung vor allem seinen Willen, Frauen "stärker in kirchliche Entscheidungsprozesse" einzubeziehen, betonte Generalsekretär Kardinal Mario Grech. Welche "weiteren Schritte in der Zukunft" folgen, bleibt abzuwarten.

Die Bischofssynode jedenfalls gehört als Beratungsorgan des Papstes zur Führungsspitze der päpstlichen Behörde und unterstützt den Pontifex in seiner Leitungsfunktion. Dass gerade Becquart nun mit der Position der assistierenden Sekretärin betraut wurde, ist per se für Eingeweihte keine Überraschung. Seit 2019 war sie Konsultorin des Generalsekretariats der Bischofssynode. Für ihre fachliche Kompetenz wurden der Nonne von Beginn an Rosen gestreut.

Einstieg im Marketingbereich

Eine berufliche Zukunft in der Männerdomäne Kirche lag für die mittlerweile 52-Jährige nicht von Beginn an auf der Hand. Zuerst sah es ganz nach einer wirtschaftlich geprägten Laufbahn aus. In Paris absolvierte die in Fontainebleau Geborene die Elitehandelshochschule HEC. Ihre ersten beruflichen Erfahrungen machte Becquart im Marketingbereich.

Erst 1995 ereilte sie "der Ruf", und sie trat der Ordensgemeinschaft Institut La Xavière bei. Anschließend folgten Studien der Theologie, Philosophie und Soziologie.

2005 verschrieb sie sich dann ganz und gar ihrem Herrn Jesus und legte das ewige Gelübde ab. Die ersten Jahre als Nonne widmete sich die sportliche Becquart vor allem der Jugend, organisierte "spirituelle Segeltörns", war Studentenseelsorgerin im Pariser Vorort Créteil. Dort entwickelte sie die Überzeugung, dass die Organisation Kirche auch soziale Verantwortung trage. In der Tradition der Xavière-Schwestern sieht sie sich vor allem als "Bindeglied zwischen der Kirche und denen, die ihr fernstehen".

Auf ihre aktuelle Berufung reagierte die ungewöhnliche Nonne in Interviews vor allem mit Demut: "Je mehr Verantwortung Sie haben, desto mehr haben Sie zu dienen." (Manuela Honsig-Erlenburg, 8.2.2021)