Schwindelerregend ... wenn nicht jede Menge Betäubungsmittel im Einsatz wären.
Foto: Green Renaissance-World Wildlife Fund/AP/dapd

Wenn sich da mal nicht Marc Abrahams schon eifrig Notizen macht, ob dieses Experiment für einen Ig-Nobelpreis in Frage käme. Zur Erinnerung: Die alljährlich an der Harvard University vergebene Nobelpreisparodie ist keine Schmähung, sondern würdigt ernstzunehmende und durchaus wichtige Forschungsleistungen ... die nur eine auf den ersten Blick etwas skurrile Anmutung haben. Wie jene US-amerikanische Studie, für die zwölf Nashörner in die Luft gehoben wurden, um zu testen, in welcher Körperhaltung ihnen das Fliegen am besten bekommt.

Notwendige Flugreisen

Der Hintergrund ist natürlich ernst: Spitzmaulnashörner sind selten geworden, mit einem Gesamtbestand von weniger als 5.000 Tieren gelten sie als vom Aussterben bedroht. Um die Art zu erhalten, müssen manchmal Tiere in Schutzgebiete verfrachtet werden, oder sie werden von einem Reservat in ein anderes transferiert, um den Genpool zu durchmischen. Mangels Straßen bleibt als einziger Transportweg oft nur der durch die Luft.

Seit einigen Jahren hat sich dabei die Praxis eingebürgert, den narkotisierten Tieren Seile um die Beine zu schlingen und sie kopfunter von einem Helikopter baumeln zu lassen. Aber ist diese Transportmethode auch unbedenklich? Von Pferden, immerhin den nächsten Verwandten der Nashörner, weiß man, dass ihnen dies nicht bekommt: Die Eingeweide drücken ihnen auf Brustkorb und Lungen und erschweren so das Atmen.

Das Experiment

Um zu testen, ob das bei Nashörnern ähnlich aussieht, führte der Tiermediziner Robin Radcliffe von der Cornell University zusammen mit dem Anästhesiologen Robin Gleed im Waterburg-Nationalpark von Namibia einen Versuch durch. Zwölf Spitzmaulnashörner wurden vom Hubschrauber aus betäubt, anschließend hängte man sie an den Füßen auf oder legte sie in Seitenlage auf eine Plattform. Solches Liegen auf einer Plattform respektive einem Schlitten ist bei Lufttransporten die einzige Alternative zur Fledermausposition.

Das Ergebnis war für die Forscher selbst eine Überraschung: Kopfunter-Schweben belastete die Atmung der Tiere ein bisschen weniger als die vermeintlich natürlichere Haltung im Liegen. Und wichtiger noch: Sie brachte den betäubten Tieren keine zusätzliche Belastung ein. Immerhin handelt es sich bei den eingesetzten Narkosemitteln um starke Opioide, die ihrerseits Atmung und Kreislauf schon stark genug belasten, aber eben leider unvermeidlich sind. Fazit: Die brachial aussehende Transportmethode kann weiterhin verwendet werden.

Flüge dieser Art werden seit etwa zehn Jahren regelmäßig durchgeführt.
Foto: Green Renaissance-World Wildlife Fund/AP/dapd

In einem nächsten Schritt will Radcliffe testen, wie sich die unterschiedlichen Transportmethoden bei etwas längeren Flügen bewähren. Immerhin können die Hubschrauberflüge, mit denen die Tiere von Reservat zu Reservat gebracht werden, in der Praxis auch schon mal eine halbe Stunde dauern. Nachdem jetzt geklärt ist, dass ein kurzer Kopfunter-Aufenthalt in der Luft dem Tier keine Beschwerden verursacht, wollen die Forscher nun auch sicherstellen, dass dies auch bei längeren Flügen gilt. (jdo, 11. 2. 2021)