Betrüger nutzen die Corona-Krise, um an Geld zu kommen.

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Betrugsanrufe sind eine Plage, von der wahrscheinlich viele Menschen aus erster Hand berichten können – seien es Ping-Anrufe, vermeintliche Microsoft-Supportmitarbeiter oder falsche Gewinnversprechen. Die Methoden werden aber immer perfider, wie sich im Verlauf der Corona-Krise zeigt. Denn Betrüger scheinen sich die Ängste und Sorgen der Menschen für eine besonders geschmacklose Masche zunutze zu machen – und behaupten, ein Familienmitglied sei schwer an Covid-19 erkrankt.

Was würden Sie tun, wenn Sie einen Anruf eines vermeintlichen deutschen Mediziners bekommen, der die schlechte Nachricht verkündet, dass Ihre Tochter schwer an Corona erkrankt sei, keine Luft mehr bekomme und schnell eine teure medizinische Behandlung brauche? Diese Frage mag hypothetisch klingen, doch genau dieser Behauptung scheinen sich derzeit Betrüger zu bedienen, um Menschen um tausende Euro zu bringen, wie der STANDARD von einem Betrugsopfer erfuhr.

Teure Behandlung für die eigene Tochter

Konkret lief der Betrugsversuch folgendermaßen ab: Der Anruf soll von einer unterdrückten Nummer aus erfolgt sein. Die betroffene Wienerin nahm den Anruf deshalb entgegen, ohne ihren Namen zu nennen, wurde jedoch trotz allem mit ebendiesem angesprochen und sofort mit der schrecklichen Behauptung konfrontiert, ihre Tochter sei schwer krank. Während des gesamten Telefonats sei im Hintergrund zudem eine weinende Frau zu hören gewesen, bei der es sich um die vermeintlich kranke Tochter gehandelt haben soll.

Über Tricks und das Ausnutzen der emotionalen Not der Betroffenen konnten die Betrüger im Laufe des Gesprächs sowohl die Namen der vermeintlich kranken Person als auch den ihres Lebenspartners herausfinden und somit eine noch glaubhaftere Geschichte spinnen.

Ziel der Betrüger war dabei, einen Geldbetrag in Höhe von mehreren Tausend Euro zu erschleichen. Mit dieser Taktik waren sie laut STANDARD-Informationen fast erfolgreich – das Ganze scheiterte schließlich nur an der Nachfrage des Opfers, ob die Anrufer als Rückversicherung eine Rufnummer nennen könnten. Danach sollen sich die Betrüger nämlich zurückgezogen haben, und der Anruf sei abrupt beendet worden.

Meldestelle in Österreich

Betroffene Personen können ihre Erfahrungen an die österreichische Rundfunk- und Telekom-Regulierungs-GmbH (RTR) melden. Für verdächtige Rufnummern bietet diese auf der Webseite "rufnummernmissbrauch.at" ein Meldeformular. Auf STANDARD-Anfrage teilte die Meldestelle mit, dass der Organisation bisher keine vergleichbaren Fälle bekannt seien. Allerdings kann die RTR bestätigen, dass es seit Beginn der Corona-Krise im Allgemeinen einen Anstieg der Betrugsversuche gebe.

"Im Jänner hat unsere Meldestelle für Rufnummernmissbrauch mehr als 200 Meldungen zu Scam-Anrufen registriert. Die Betrüger tarnen sich oftmals als Service- und Support-Mitarbeiter renommierter Unternehmen, verwickeln hartnäckig in Gespräche und versuchen so, an persönliche Daten heranzukommen", erklärte die RTR erst vergangenen Montag im Rahmen einer Presseaussendung.

Das Hauptziel sei demnach die Ausforschung von Adressdaten und Kreditkartennummern, um die Opfer finanziell zu schädigen. Da die angezeigten Rufnummern meist gefälscht sind, lassen sich die Verantwortlichen jedoch nur in den seltensten Fällen ausforschen.

Auch Betrugsversuche, die dem eingangs aufgezeigten Szenario gleichen, scheint es durchaus häufiger zu geben. So soll in Deutschland bereits die Polizei vor sogenannten "Corona-Schockanrufen" gewarnt haben, berichtet "Chip.de". Insbesondere ältere Menschen würden dabei mit einer angeblichen Erkrankung eines Familienmitglieds konfrontiert, um anschließend einen hohen Geldbetrag einfordern zu können.

Selbstschutz

Sich präventiv vor solchen Versuchen zu schützen ist leider nicht möglich, die Auswahl der Opfer geschieht oft zufällig. Sollte man allerdings einen verdächtigen Anruf erhalten, empfiehlt sich ein sofortiges Beenden des Telefonats, unter keinen Umständen sollten persönliche Daten herausgegeben werden. Die RTR empfiehlt zudem, Anzeige bei der Polizei zu erstatten, falls Anhaltspunkte für die Begehung einer Straftat vorliegen sollten. (mick, 10.2.2021)