Das Herzogpaar Meghan und Harry bleibt in Kalifornien – und das ist unvereinbar mit den royalen Pflichten in London.
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Der britische Prinz Harry und seine US-amerikanische Ehefrau Meghan haben Queen Elizabeth II formell mitgeteilt, dass sie nicht mehr als arbeitende Royals zurückkehren wollen. Damit ist der "Megxit", den Harry und Meghan vor gut einem Jahr probehalber ausprobierten, endgültig geworden. Wenn man "von der Arbeit der Königlichen Familie zurücktrete", ließ der Buckingham-Palast verlauten, dann "ist es nicht möglich, die Verantwortungen und Pflichten weiterzuführen, die mit einem Leben des Dienstes an der Öffentlichkeit einhergehen."

Daher werden die militärischen Ehrentitel des Prinzen sowie die königlichen Schirmherrschaften des Herzogpaars von Sussex wieder an die Queen zurückgegeben, "bevor sie unter den arbeitenden Mitgliedern des Königshauses verteilt werden".

Im Statement des Palastes wird betont, dass es sich um keinen Abschied im Streit handle: "Obwohl alle traurig sind über ihre Entscheidung, bleiben der Herzog und die Herzogin heißgeliebte Mitglieder der Familie."

Ende der Probezeit

Am 1. April 2020 begann offiziell der Rückzug des Herzogpaars als arbeitende Royals. Zuvor war vereinbart worden, dass nach zwölf Monaten noch einmal eine Überprüfung der Entscheidung erfolgen solle. Dies ist jetzt vorgezogen worden.

In Gesprächen mit der Queen und anderen hochrangigen Royals hatte Prinz Harry klargemacht, dass eine Rückkehr aus Kalifornien, wo er sich mit seiner Frau und seinem bald zweijährigen Sohn Archie niedergelassen hat, nicht infrage kommt. Das dürfte die Queen umso mehr schmerzen, als demnächst, wie das Herzogpaar am Valentinstag verkündet hatte, ein zweites Kind erwartet wird. Archie und seine Schwester oder Bruder werden so bald nicht von den Urgroßeltern umarmt werden.

Erst am 14. Februar, am Valentinstag, hatte das Paar publik gemacht, dass Nachwuchs unterwegs ist.
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"Harter Megxit"

Der Abschied des Herzogpaars ist durch, und es bleibt bei einem harten Megxit. Die Sussexes müssen endgültig auf ihren königlichen Status und damit auf den Titel "Ihre Königlichen Hoheiten" verzichten, da sie nicht mehr arbeitende Mitglieder des Königshauses sind. Das hatte zur Konsequenz, dass das Herzogpaar keine öffentliche Gelder mehr empfangen konnte und finanziell auf eigen Füßen stehen muss.

Auch die Umbaukosten von Frogmore Cottage, das die Queen ihm als Heim gegeben hatte, musste Prinz Harry zurückzahlen – immerhin rund 2,4 Millionen Pfund (2,77 Millionen Euro). Am meisten dürfte den Prinzen schmerzen, dass er seine militärischen Ehrentitel verliert, denn an seiner Verbindung zu den Streitkräften lag dem gedienten Soldaten sehr viel.

Für Harry und Meghan ging es bei der Entscheidung immer um ein Entweder/Oder. Ein Weitermachen als Teilzeit-Royals, halb drinnen und halb draußen – das ging nicht. So muss man auch die Konsequenzen schultern: Keine Unterstützung durch Steuergelder, keine offiziellen Repräsentationen, keine Privilegien, die nur arbeitenden Mitgliedern des Königshauses zustehen.

Die neue Freiheit

Was die Sussexes dafür eingetauscht haben, ist die Freiheit, das zu tun, was sie immer gewollt haben. Sie haben sich eine knapp 15 Millionen Dollar (12,4 Millionen Euro) teure Villa im kalifornischen Montecito gekauft und zur Finanzierung ihres Lebensstils Verträge mit Netflix gezeichnet. Sie hoffen, dem unbarmherzigen Scheinwerferlicht des globalen Medieninteresses entkommen zu können, aber das mag ein frommer Wunsch sein.

Vonseiten des Buckingham-Palastes wird erwartet, dass die Sussexes "fortfahren, die Werte Ihrer Majestät aufrecht zu erhalten". Das bedeutet, dass sie nichts tun dürfen, was die Queen blamieren könnte. Harry als Werbeträger für dubiose Produkte beispielsweise oder Meghan in nicht salonfähigen Rollen, das will der Palast nicht sehen. Für die beiden gilt weiterhin: Noblesse oblige, Adel verpflichtet zu vornehmem Verhalten.

Der Abschied vom britischen Militär und die Rückgabe seiner Ehrentitel dort dürfte Harry nicht leicht gefallen sein, hört man.
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Die Entscheidung der beiden, demnächst ein ausführliches Interview mit der amerikanischen Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey zu führen, hat daher zu hochgezogenen Augenbrauen bei Hofe geführt. Allerdings signalisieren sie durchaus guten Willen zum Wohlverhalten. Ein Sprecher von Harry und Meghan sagte am Freitag: "Der Herzog und die Herzogin von Susssex bleiben ihrer Pflicht und dem Dienst für das Vereinigte Königreich verbunden und bieten ihre Unterstützung weiterhin jenen Organisationen an, die sie repräsentiert haben, unabhängig von ihrer offiziellen Rolle. Wir können alle ein Leben des Dienstes leben. Dienst ist universal." (Jochen Wittmann aus London, 19.2.2021)