Shootingstar, im wahrsten Sinne des Wortes.

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Pokljuka/Innsbruck – Lisa Hauser hat ihre Topform auch bei der WM eindrucksvoll ausgespielt. Mit dem abschließenden Goldtriumph im Massenstart, Silber in der Verfolgung und mit der Mixed-Staffel sorgte die Tirolerin in Pokljuka fast im Alleingang für die beste WM der ÖSV-Historie gleichauf mit jener 2009. Damals und auch noch bis vor wenigen Wochen hatten stets die Männer die Erfolgsgeschichten im österreichischen Biathlon geschrieben, mittlerweile ist es Hauser, die für große Glanzlichter sorgt.

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"Jetzt zähle ich zu den ganz Großen, das ist schon richtig cool. Es war unglaublich schön, die Hymne zu hören", versuchte Hauser die Bedeutung ihres Erfolges nach einem "perfekten" Massenstart ohne Schießfehler und mit großem Vorsprung einzuordnen. Es sei fast ein wenig verrückt, die erste österreichische Weltmeisterin zu sein. Es mache sie sehr stolz, diejenige zu sein, die das geschafft habe, ergänzte die 27-Jährige aus Reith bei Kitzbühel.

Es dauert

Eine entsprechende Siegesfeier im Team fiel wegen der Corona-Beschränkungen aus. Sie werde aber nach der Rückkehr mit der Familie im kleinen Kreis anstoßen, verriet Hauser. "Ich möchte das Ganze schon genießen und auskosten." Es werde aber noch dauern, bis das Geleistete verarbeitet sei. "Man kann das noch gar nicht realisieren, was man da geschafft hat."

Vor allem Erholung soll in den kommenden Tagen nicht zu kurz kommen, schließlich absolvierte Hauser mit sieben Rennen in zwölf Tagen das strapaziöse Maximalprogramm. Nach kurzer Pause wird sie aber bald wieder ins Training einsteigen. Schließlich geht es in den verbleibenden drei Rennwochen ab 4. März noch um viel. Im Gesamtweltcup hat sie dank der ebenfalls eingerechneten WM-Topergebnisse mit sieben Podestplätzen in den jüngsten zehn Rennen als Viertplatzierte noch Chancen auf die Top 3.

Ambitionen

In der Massenstartwertung redet sie noch um die kleine Kristallkugel mit. In Sprint und Verfolgung sind ebenfalls Spitzenergebnisse im Gesamtklassement drinnen. Jene im Einzel hat sie sich mit ihrem vierten WM-Rang in dieser Disziplin schon gesichert.

Kein besonderes Erfolgsgeheimnis

Ihr Trainer Markus Fischer hofft, dass sich Hauser von den WM-Strapazen schnell erholt und im Weltcup weiter reüssieren kann. "Das ist eine neue Situation mit der Lisa, wir werden schauen, dass wir das in dieser Woche abpuffern können. Wir hangeln uns selbst von Ziel zu Ziel", sagte Fischer.

Fischer hat gemeinsam mit Schießtrainer Gerald Hönig einen großen Anteil am aktuellen Höhenflug. Ein besonderes Erfolgsgeheimnis für die in dieser Saison stark verbesserte Laufform gebe es aber nicht. "Letztendlich ist es die stabile Trainingsarbeit über die Jahre. Wir haben vor der Saison ein bisschen umgestellt, sie war über den Sommer wirklich fließig", erläuterte Fischer. Dank Hausers stabiler Grundlage erwarte er nicht, dass jetzt noch ein Einbruch kommen werde, so der Deutsche.

Jubeln aus der Ferne

ÖSV-Herren-Cheftrainer Ricco Groß durfte die WM-Erfolge nach seinem positiven Corona-Befund kurz nach der Anreise nur aus der Ferne in der Quarantäne in Ruhpolding bejubeln. "Das war natürlich totaler Wahnsinn, was Lisa geschafft hat, das war absolut sensationell, Weltmeisterin, das ist unfassbar", sagte Groß zum ORF.

Aber auch der Rest des Teams habe sich sehr gut verkauft. "Das war toll, was die Athleten da umgesetzt haben", erläuterte Groß und meinte vor allem die Mixed-Silbermedaille von Hauser, Dunja Zdouc, David Komatz und Simon Eder, der am Schlusstag als Massenstart-Vierter beinahe auch noch für weiteres Edelmetall gesorgt hätte.

Aber auch mit drei Medaillen habe man die Erwartungen übertroffen, betonte Groß. Das werde sicherlich auch in der ÖSV-Zentrale in Innsbruck viel Anklang finden, war er sich sicher. Damit will man sich im Trainerstab aber nicht zufriedengeben. "Wir wollen mehr, nächstes Jahr sind die Olympischen Spiele, da geht es schon wieder weiter. Wir müssen auch Athleten, die jetzt nicht ganz zufrieden sind, auf den Weg bringen, dass wir auch da wieder um Medaillen mitkämpfen können", hofft Groß auf einen längerfristigen Effekt auf Felix Leitner, Julian Eberhard und Co. Kurzfristig wäre ein Impuls auf den Nachwuchs bei der anstehenden Junioren-Heim-WM in Obertilliach wünschenswert. "Es wäre schön, wenn der Funke überspringt." (APA, 22.2.2021)