Chinesische Impfstoffe werden weltweit verimpft.

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Politisch genutzt hat Peking die Corona-Pandemie von Anfang an: Schnell wurde nach dem Ausbruch in Wuhan das eigene Land für sicher, das Ausland für unsicher erklärt. Nachdem die internationale Untersuchungskommission in Wuhan nach monatelangem Gezerre endlich eine Einreiseerlaubnis erhielt, wurde sie bei jedem Schritt überwacht, wichtige Zahlen und Interviews wurden verweigert.

Nicht weniger wichtig ist für Peking nun die "Impfstoffdiplomatie". Zwar konnte China das Rennen um den ersten zugelassenen Impfstoff nicht gewinnen. Wer aber von Chinas gewaltigen Produktionskapazitäten profitieren will, sprich schnell Dosen in hoher Zahl bekommen möchte, sollte spuren.

Kürzlich sagte der taiwanische Gesundheitsminister Chen Shih-chung, man sei knapp vor einer Einigung mit dem deutschen Impfstoffhersteller Biontech gestanden. Um fünf Millionen Impfdosen sei es gegangen. Dann aber hätte die deutsche Firma im Dezember einen Rückzieher gemacht. Chen schloss die Einmischung ausländischer Kräfte, sprich Pekings, nicht aus. Denn das Mainzer Unternehmen hat auch mit der chinesischen Firma Shanghai Fosun Pharmaceutical einen Exklusivvertrag zur Entwicklung und Vermarktung des Impfstoffs in China.

Aktive Staatspresse

Dabei hatte Peking noch im Dezember Australien davon abgeraten, den Impfstoff von Biontech/Pfizer zu verwenden. Nachdem in Norwegen wohl mehr als ein Dutzend älterer Menschen nach der Impfung verstorben waren, warnte die Staatspresse vor dem Produkt. Australien, mit dem die Volksrepublik seit Monaten in einem Handelskrieg steckt, solle doch auf ein chinesisches Vakzin zurückgreifen, empfahl die Staatszeitung Global Times. Überhaupt hat Chinas Staatspresse zuletzt große Energie darauf verwendet, Impfstoffe aus westlicher Produktion zu diskreditieren.

Unterdessen haben laut chinesischen Angaben rund 40 Länder nach einem chinesischen Impfstoff angefragt. Pakistan, von jeher einer der engsten Verbündeten Pekings, erhielt kürzlich als erstes Land die dritte Lieferung der Firma Sinopharm. Am vergangenen Dienstag erreichten zudem 550.000 Sinopharm-Dosen Budapest. Ungarn ist damit das erste EU-Land, das einen chinesischen Impfstoff erhält. Dass die EU im Vergleich zu Großbritannien, den USA oder Israel relativ langsam mit den Impfungen vorankommt, gibt der rechtsautoritären Regierung von Viktor Orbán dabei Rückenwind. Auch Serbien setzt auf den chinesischen Impfstoff.

Chinesische Impfstoffe

Hinzu kommt eine Reihe afrikanischer Länder wie zum Beispiel Zimbabwe, von jeher ein Brückenkopf Pekings auf dem Kontinent. Malaysia, Thailand und Singapur zögern aufgrund der schwachen Testergebnisse bisher noch mit einer flächendeckenden Einführung.

Drei chinesische Impfstoffe sind derzeit auf dem Markt: die der Unternehmen Sinopharm, Sinovac Biotech und Cansino. Sinopharm und Sinovac setzten auf die Injektion eines inaktivierten Virus. Cansino ist ein Vektorimpfstoff. Daten über die Wirksamkeit aus den jeweiligen Phasen II und III aber gibt es kaum. Da es in China selbst angeblich kaum Infizierte gibt, werden die Tests in Ländern wie Brasilien, Indonesien und der Türkei durchgeführt. Phase-III-Studien finden außerdem in Russland, Mexiko und Chile statt. Die Zahlen aus diesen Ländern deuten bisher auf eine Wirksamkeit zwischen 60 und 78 Prozent hin. Das liegt unter den Werten der in Europa und den USA zugelassenen mRNA-Vakzine.

Die Impfstoffdiplomatie scheint der Regierung in Peking sogar wichtiger zu sein als das Impfen der eigenen Bürger. Während im eigenen Land knapp 40 Millionen Menschen geimpft wurden, seien bereits 46 Millionen Dosen ins Ausland verschifft worden, berichtete kürzlich die South China Morning Post.

Spionagevorwurf

Die politischen Implikationen von Pekings Impfstoffdiplomatie zeigt auch der Fall Kanada: Dort wurde eine geplante Studie von Cansino mit dem Canadian Center for Vaccinology abgesagt. Hintergrund dürften die Spannungen zwischen beiden Ländern um die wegen Spionage angeklagte Finanzchefin von Huawei sein. (Philipp Mattheis, 23.2.2021)