US-Präsident Joe Biden, First Lady Jill Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Mann Douglas Emhoff beim Gedenken an die Corona-Opfer.

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"Wir müssen uns dagegen wehren, taub gegen das Leid zu werden. Wir müssen uns dagegen wehren, jedes Leben als eine Statistik zu sehen", sagte der US-Präsident Joe Biden am Montagabend bei einer Gedenkzeremonie für mittlerweile mehr als eine halbe Million Corona-Opfer. "Wir müssen das tun, um die Toten zu ehren. Genauso wichtig ist es, sich um die Lebenden zu sorgen, jene, die zurückgelassen wurden." Jeder Corona-Tote habe Familie, Freunde und ein "außerordentliches Leben" gehabt, das zu früh beendet worden sei.

Nach der Rede gedachten Biden, First Lady Jill Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Mann Douglas Emhoff der Opfer mit einer Schweigeminute auf der Südseite des Weißen Hauses, wo zahlreiche Kerzen entzündet waren. Sie beugten ihre Köpfe, kurz darauf spielte eine Militärkapelle das Lied "Amazing Grace".

Flaggen auf halbmast

Um der Toten zu gedenken, ordnete Biden im ganzen Land das Herabsetzen der Flaggen auf halbmast an. Dies gilt für fünf Tage an öffentlichen Gebäuden, Militärstützpunkten und den diplomatischen Vertretungen der US-Regierung im Ausland. Im Repräsentantenhaus erhoben sich die Abgeordneten zu einer Schweigeminute.

Die Wintermonate der Pandemie waren in den USA verheerend. Allein seit Anfang Jänner starben mehr als 150.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern gibt es inzwischen 28,2 Millionen bestätigte Infektionen.

Zuletzt gab es jedoch Hoffnung auf eine baldige Besserung der Lage. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen fiel von mehr als 200.000 Anfang Jänner auf inzwischen weniger als 70.000. Und auch die Impfkampagne schreitet voran: Bisher erhielten 44 Millionen Menschen in den USA die erste Impfung, rund 19,4 Millionen Menschen schon beide Impfdosen, wie aus Daten des CDC hervorgeht.

Biden macht bei der Impfkampagne seit seinem Amtsantritt vor gut einem Monat massiv Druck. Die USA bekommen von den Herstellern Moderna und Pfizer/Biontech nun bis Ende Juli rund 600 Millionen Dosen Impfstoff, was für alle Erwachsenen im Land ausreichend wäre. Damit könnte manchen Experten zufolge – wenn alles gut geht und sich zudem nur ein geringer Anteil der Amerikaner der Impfung verweigert – im Herbst das Gröbste der Pandemie vorbei sein.

Sorge um Mutationen

"Dieses Land wird wieder lachen, dieses Land wird wieder sonnige Tage haben. Dieses Land wird wieder Freude erfahren", zeigte sich Biden zuversichtlich. "Wir werden das durchstehen, ich verspreche es Ihnen." Er nannte keinen konkreten Zeitpunkt, ab wann er mit einer Rückkehr zu einer gewissen Normalität im Land rechnet. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich die Lage in der zweiten Jahreshälfte deutlich bessern sollte. Biden erklärte: "Wir haben nie aufgegeben. Wir sind Amerika. Wir können und werden das schaffen."

Viele Experten warnen allerdings, dass es wegen der Ausbreitung neuer Varianten bald wieder zu einem Anstieg der Neuinfektionen kommen könnte. Mit besonderer Sorge verfolgt die Regierung die Ausbreitung der in Großbritannien entdeckten Variante. Sie könnte nach Ansicht der Gesundheitsbehörde CDC bis Ende März die vorherrschende Variante des Virus werden.

Die USA sind in absoluten Zahlen das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land. Relativ zur Einwohnerzahl ist die Zahl der Toten jedoch in einigen europäischen Ländern höher. In den USA starben den Johns-Hopkins-Daten zufolge rund 152 Menschen pro 100.000 Einwohner. In Belgien liegt dieser Wert bei 192, in Großbritannien bei 182, in Italien bei 158. Experten gehen zudem in vielen Ländern bei Infektionen und Todesfällen von einer hohen Dunkelziffer aus. (APA, red, 23.2.2021)