Die Skepsis gegenüber dem neuen Mobilfunkstandard vermischt sich immer mehr mit Erzählungen zum Coronavirus.

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Sie heißen "Stop 5G Österreich", "Stop 5G Wien" und "5G Adé – Zusammenhalten für eine heile Erde" – Gruppen auf dem sozialen Netzwerk Facebook, in denen sich 5G-Skeptiker über den neuen Mobilfunkstandard austauschen. Die Gruppen haben jeweils ein paar hundert Mitglieder, "5G Adé" kommt auf knapp über 1.000 Fans.

Geteilt werden in diesen Foren unter anderem Einladungen zu gemeinsamen Protestaktionen – etwa zum kommenden "globalen 5G-Protest-Tag" am 20. März –, aber auch diverse Verschwörungserzählungen rund um 5G: So findet sich hier so manches Youtube-Video, das den vermeintlichen Zusammenhang zwischen dem Mobilfunkstandard und etwaigen Erkrankungen erläutern will. Auch "Warnungen" vor angeblicher Strahlenbelastung werden regelmäßig ausgesprochen – schlimm soll es etwa am Wiener Westbahnhof sein.

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Kombiniert wird dies oft mit anderen kruden Theorien. Etwa der Erzählung, dass Impfen Autismus verursache. "Wenn das wahr ist, verdienen die Verantwortlichen den Tod!", lautet der Begleittext zu einem der geposteten Anti-Impf-Videos.

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Und was inzwischen Standard in derartigen Gruppen ist: Man kreidet die Corona-Politik der Regierung an und ruft dazu auf, allerlei Anti-Corona-Maßnahmen – darunter das Impfen selbst – zu boykottieren.

Geteilt werden hingegen Beiträge wie jene rund um den Corona-Leugner Sucharit Bhakdi, der zuletzt mit dem "Goldenen Brett vorm Kopf", einem Schmähpreis, ausgezeichnet wurde.

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Große 5G-Skepsis in Österreich

Österreich gehört zu den Ländern mit den weltweit meisten 5G-Skeptikern. Das ist nicht nur das subjektive Ergebnis aufgrund der Beobachtung der besagten Gruppen, sondern auch der Schluss der Beratungsfirma Prolifics Testing, die jene Staaten aufgelistet hat, in denen am häufigsten zu Risiken durch 5G gegoogelt wurde – etwa "Ist 5G gefährlich?" oder "Verbreitet 5G das Coronavirus?".

Auch 3G sorgte bereits für Unruhe

Befürchtungen zum jeweils aktuellsten Mobilfunkstandard gab es hierzulande aber schon lange vor Corona. So sahen sich die heimischen Mobilfunker regelmäßig mit ängstlich eingestellten Anfragen konfrontiert, berichtete DER STANDARD im Sommer 2019.
Schon beim Ausbau des Mobilfunkstandards 3G gab es Ängste. Wissenschaftliche Belege für negative gesundheitliche Auswirkungen gibt es aber nicht. Wie die BBC berichtet, schätzte die WHO die Nutzung von Smartphones 2014 als unbedenklich ein.

Eine mit Mäusen durchgeführte Untersuchung des US-Gesundheitsministeriums 2018 fand zwar eine höhere Chance für einen Herztumor bei männlichen Ratten, nicht aber bei weiblichen oder Mäusen. Außerdem lebten die Ratten aus der Gruppe, die Strahlen ausgesetzt wurde, länger als jene aus der Kontrollgruppe. Die Wissenschafter kamen zu dem Schluss, dass die Ergebnisse grundsätzlich nicht auf Menschen zu übertragen seien. Die Strahlenbelastung sei nicht mit jener bei der Verwendung eines Mobilfunkgeräts vergleichbar.

5G trifft auf Corona

In den vergangenen Monaten haben sich Skepsis und Verschwörungsmythen um 5G mit jenen zum Coronavirus vermengt. So sahen einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketagent vom August zufolge 5,4 Prozent der Befragten einen Zusammenhang zwischen dem Virus und der Mobilfunktechnologie. Auch bei der Beobachtung der besagten Facebook-Gruppen bestätigt sich der Eindruck, dass man in Österreich gerne eine Verbindung zwischen Corona und 5G herstellt. Und auch die Klarstellung der WHO, dass kein Zusammenhang zwischen 5G und Corona bestehe, konnte an dieser Wahrnehmung nichts ändern – denn der WHO vertrauen die 5G-Skeptiker ohnehin nicht mehr.

Weltweit sorgte die Angst vor 5G dafür, dass Mobilfunkmasten angezündet und Telekom-Mitarbeiter bedroht wurden – etwa in Großbritannien und den Niederlanden. Aufgrund der Verbreitung derartiger Mythen in sozialen Medien haben im vergangenen Jahr Konzerne wie Facebook vermehrt in Fake-News eingegriffen und diese mit Warnhinweisen gekennzeichnet. (red, 25.2.2021)