7.710 Asylverfahren endeten im Vorjahr mit der Zuerkennung von Asyl.

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Trotz Corona-Pandemie ist die Zahl der Asylanträge in Österreich im Vorjahr zum ersten Mal seit der Flüchtlingskrise und damit seit dem Jahr 2015 gestiegen, und das immerhin um rund zehn Prozent. Das geht aus der Jahres-Asylstatistik hervor, die vom Innenministerium am Donnerstag in einer Pressekonferenz präsentiert wurde. Dies sei "völlig gegen den EU-Trend", wie der zuständige Beamte Wolfgang Taucher betonte. Denn in der Union gingen die Zahlen 2020 um 31 Prozent zurück.

In absoluten Zahlen waren es 14.192 Asylanträge nach 12.886 im Jahr 2019 und 13.746 im Jahr 2018. Letztmals höher waren die Werte 2017 mit 24.735.

Dennoch betonte Taucher, dass Österreich derzeit kein Ziel-eins-Land für Flüchtlinge sei. Viele würden bei der Durchreise in Richtung Deutschland oder Nordeuropa aufgegriffen und würden dann hier Anträge stellen. Besonders stark war der Zuwachs bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen mit plus 70 Prozent.

Aktuelle Hauptrouten

Der ansteigende Trend insgesamt lässt sich laut Gruppenleiter Taucher mit der geografischen Lage Österreichs und den aktuellen Hauptrouten erklären. Auch die Balkanstaaten Rumänien und Bulgarien sowie Kroatien hätten höhere Zahlen zu verzeichnen. Vor allem die Route von Nordmazedonien über Serbien und Ungarn, fallweise auch über Rumänien boomt, während aus der Türkei relativ wenig Bewegung Richtung Griechenland verzeichnet wird.

Wirklich entspannen wird sich die Lage wohl auch künftig nicht. Denn in der erweiterten Balkanregion warten 90.000 bis 100.000 Menschen auf eine Weiterreise.

Nationalitäten der Schlepper

Geändert hat sich seit der Pandemie die Nationalität der Schlepper. Waren bis dahin Gruppen wie Afghanen, Pakistanis und Iraker führend, würden nun vermehrt Syrer, aber auch Österreicher und sogar Niederländer ertappt, betonte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität.

Laut ihm hat Corona auch andere neue Entwicklungen zur Folge. So kommt als Motiv für die Flucht in den Westen dazu, dass es dort im Vergleich zu den Flüchtlingslagern oder Herkunftsländern bessere Behandlungsmöglichkeiten bzw. die Chance auf eine Impfung gebe. Die Kosten einer Schleppung liegen aktuell zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Dazu verlangen Schlepper bis zu 50 Euro für die Masken, die von den Asylsuchenden anzulegen sind. Ins Land kommen die meisten Flüchtlinge über die grüne Grenze oder per Lkw, aus der Mode gekommen sind kleine Kastenwägen.

Nationalitäten der Asylwerber

Topnationen bei den Asylwerbern sind unverändert Syrer und Afghanen. Überraschend und auch nicht zu erklären sei das Plus von 355 Prozent bei den nun drittplatzierten Marokkanern, betonte Taucher. Dabei habe diese Gruppe eine Anerkennungswahrscheinlichkeit von nur einem Prozent. Im Vorjahr erhielten zwei Marokkaner Asyl und drei subsidiären Schutz.

Daher sind Marokkaner wie auch Algerier und Inder besonders häufig in die verstärkt angewendeten Fast-Track-Verfahren involviert worden, wo innerhalb von 72 Stunden eine erste Entscheidung gefällt wird. Dennoch ist es schwierig, Bürger der beiden nordafrikanischen Staaten außer Landes zu bringen. Im Vorjahr gab es in beide Staaten 70 Personen, die freiwillig zurückgekehrt sind oder abgeschoben wurden. Laut Taucher hat sich die Kooperation mit Marokko zwar verbessert, ideal ist sie aber weiter nicht.

Hälfte reist freiwillig aus

Insgesamt haben im Vorjahr knapp 8.700 Flüchtlinge das Land verlassen. Knapp mehr als die Hälfte (51 Prozent) ist freiwillig ausgereist. Der Rest wurde zwangsweise außer Landes gebracht. Die meisten Abschiebungen gab es in die für das jeweilige Verfahren zuständigen Nachbarländer Slowakei und Ungarn. Unter den Top Ten finden sich aber auch Nigeria und Afghanistan. Hervorgehoben wird vom Innenministerium, dass von den Abgeschobenen 54 Prozent verurteilte Straftäter sind.

Zufrieden ist Taucher damit, dass die Verfahrensdauer trotz aller Umstände mit der Pandemie kurz gehalten werden konnte. Sie lag für Verfahren mit Asylantrag seit Juni 2018 bei 3,9 Monaten. Offen sind noch rund 21.000 Verfahren, davon etwa 15.000 bei den Gerichten. In der Grundversorgung befanden sich Ende 2020 knapp 26.700 Personen und damit 14 Prozent weniger als im Jahresvergleich.

7.710 Asyltitel zuerkannt

2020 gab es 12.633 Zuerkennungen, die meisten davon Asyltitel mit 7.710. Der Rest der positiven Bescheide betraf subsidiären Schutz oder humanitäre Aufenthaltstitel. Besonders gute Chance auf Asyl haben weiter Syrer, wo mehr als 78 Prozent der Anträge positiv beschieden werden. Fast zwei Drittel der Anträge anerkannt werden bei Somaliern und Iranern. Bei Afghanen bekommt nur knapp die Hälfte Asyl, dafür erhalten Bürger dieses Landes in absoluten Zahlen besonders oft subsidiären Schutz. (APA, 25.2.2021)