Auch wenn's gerade schwer fällt. Der ein oder andere wichtige Durchbruch wartet noch auf uns.

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Puh! Der Sommer 2020 war so was wie ein kurzes Fenster der Erholung, seitdem beschränkt die Corona-Pandemie unser Leben wieder stark. Stärker, als uns allen lieb ist, und stärker, als wir das noch vor einem Jahr befürchtet hatten.Das ist ermüdend. Und als würde das nicht ausreichen, betonen Epidemiologinnen und Risikoforscher, dass ein ähnliches Szenario jederzeit erneut über uns hereinbrechen könnte, wenn wir nicht rasch etwas an unserer Nutztierhaltung ändern und zusätzlich laufend Milliarden in die Erforschung neuer Impfstoffe buttern.

Zu all den Hiobsbotschaften werden wir quasi im Stundentakt darauf hingewiesen, worauf im Schatten der Corona-Pandemie nicht vergessen werden darf, wenn Mutter Erde nicht geradewegs auf den Abgrund zusteuern soll: Klimawandel, Energiewende, atomare Abrüstung und, und, und.Kurzum: Langsam wird das alles etwas viel. Und es stellt sich die Frage, ob es denn überhaupt noch angebracht ist, sich auf die Zukunft zu freuen. Ist zumindest noch ein Funken Optimismus angebracht? Wir sagen: Ja, es wird besser. Nicht zuletzt aus den folgenden drei Gründen …

Endlich leiten wir die Energiewende ein

Vor einigen Generationen, um 1800 herum, gab es schon einmal eine krasse Systemwende. Mit der Industrialisierung wurde das Anthropozän, das Zeitalter, in dem das menschliche Wirken zum dominanten Einfluss auf die Umwelt wurde, eingeleitet. Das argumentieren zumindest einige Wissenschafterinnen und Forscher. Die Fortschritte seither haben die Gesellschaft in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit nach vorn gewuchtet. Ein treibender Faktor dieses Entwicklungsschubs war auch die billige Energie durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe.

Illustration: Fatih Aydogdu

Damals konnte man die globalen Folgen noch nicht so gut abschätzen – und vielleicht hätte man mit dem Wissen von heute zunächst vieles trotzdem ähnlich lösen müssen, um als Spezies andere Probleme zu meistern – von der globalisierten Wirtschaft bis zur effizienten Arbeitsteilung und der Automatisierung durch schwere Maschinen. Ohne Öl, Kohle und Gas wäre die Lebenserwartung heute nicht so viel höher als damals.

Spätestens vor zwei, drei Generationen war aber wohl den meisten mit etwas Weitblick klar, dass die fossilen Brennstoffe keine dauerhafte Lösung sein können und durch erneuerbare Energien ersetzt werden müssen. Und dass das mit der Lebenserwartung auch wieder in die andere Richtung gehen kann, wenn wir der Erde weiter zusetzen. Aktuell öffnen die verheerenden, für nahezu alle sicht- und spürbaren Folgen des Klimawandels aber die linke, und die rapide fallenden Kosten der Erneuerbaren die rechte Hälfte eines Zeitfensters. Dieses weckt erstmals die Hoffnung auf eine nachhaltige Energiewende. Doch der Weg dorthin wird schwierig.

Ähnlich wie es beim Wandel autokratischer Systeme hin zu Demokratien gerade in der Phase des Umbruchs zum meisten Blutvergießen kommt, wird auch die radikale Energiewende mit negativen Begleiterscheinungen wie großangelegten Schließungen wichtiger Industriezweige und einer kompletten Umgewöhnung in unserem Alltag einhergehen. Im Unterschied zu Konflikten bei politischen Systemveränderungen kann dieser Wandel aber ohne den Verlust von Menschenleben verlaufen, letzten Endes sogar Millionen davon retten und die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen nachhaltig verbessern. Wäre es nicht schön, eines Tages mit dem Wissen zu entschlafen, einen Beitrag dafür geleistet zu haben, den Nachfahren tatsächlich eine bessere Welt zu hinterlassen?

Wir werden andere Planeten besiedeln

Manch einer erinnert sich noch selbst, andere kennen zumindest die nostalgischen Erinnerungen, denen zufolge jeder immer noch ganz genau weiß, wo er oder sie am Tag der ersten Schritte auf dem Mond war. Das Weltall und seine Exploration ziehen uns seit jeher in den Bann. Auch die Popkultur ist voll von Anspielungen auf den "man on the moon".

Illustration: Fatih Aydogdu

Dass die Zeit längst überreif für eine "woman on the moon" ist, hat sich mittlerweile auch bis zur Nasa durchgesprochen, und diese hat ihre Pläne entsprechend adaptiert. Ganz allgemein scheint die Raumfahrtindustrie, nachdem sie nach Ende des Kalten Kriegs aufgrund begrenzter Mittel in eine Art Winterruhe verfallen ist, wieder Fahrt aufzunehmen. Das ist positiv – sofern kein militärisches Wettrüsten hinter den Ambitionen steckt. Solche Hoffnungen sind immer ein Stück weit naiv, ließen sich mittels Rüstungskontrolle aber lösen.

Abgesehen davon kommt es im Space-Race, angetrieben von finanzkräftigen Unternehmen, immer öfter zu wertvollen Synergien mit staatlichen Institutionen. Die hohen Investments, die benötigt werden, um Planeten zu besuchen und womöglich zu besiedeln, kommen nicht länger ausschließlich aus den Staatshaushalten. Wenn Private mitmischen, muss freilich auch davon ausgegangen werden, dass sie mit einem "Return on Invest" ihrer Raumfahrtambitionen rechnen – also dass etwa bei der Forschung kommerzialisierbare Erkenntnisse abfallen. Das war bei bisherigen Raumfahrtmissionen bereits der Fall. Mehr als 2.000 sogenannte Spin-off-Produkte für die Medizin, die Computertechnologie oder die Gesundheitsindustrie sind bislang als Nebenprodukte der Nasa-Forschungen entstanden. Einiges spricht dafür, dass dieser Trend durch die neuen Synergien verstärkt wird.

Abgesehen vom unfassbaren Nervenkitzel, den die erste bemannte Mars-Mission global auslösen wird, könnten die Forschungsreisen auch erste Schritte für riesige Zukunftsprojekte sein. Die direktere Nutzung der Wärmeenergie der Sonne etwa. Oder die Diversifizierung des menschlichen Lebensraums – falls die Erde durch einen riesigen Kometeneinschlag, eine anderweitige Katastrophe oder Selbstverschulden doch einmal unbewohnbar werden sollte.

Die Bedeutung der Medizin war nie größer

Die Corona-Pandemie hat es uns fast schon schmerzlich vor Augen geführt: Die Erforschung neuer Medikamente oder Impfungen kann sehr schnell vonstattengehen, sobald eine kritische Masse an Menschen an einer Krankheit zu sterben droht und die Weltwirtschaft infolge der Eindämmungsversuche krachen geht. Das ist vor allem für jene Menschen schwer zu verdauen, die über seltenere Krankheiten verfügen und für die – brutal gesagt – einfach nicht so viel Geld lockergemacht wird, weil sich die Pharmaforschung und Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen in diesem Ausmaß wirtschaftlich einfach nicht rentiert.

Illustration: Fatih Aydogdu

Trotzdem sollte man festhalten: Die Forschenden mussten bei der Entwicklung eines Coronavirus-Vakzins nicht bei null beginnen. Die rasante Entwicklung eines Impfstoffs binnen weniger Wochen – die Monate bis zur Produktion und Auslieferung der Impfstoffmengen wurden für die ebenfalls wichtigen Zulassungstests benötigt – wäre ohne das starke Fundament aus wissenschaftlicher Grundlagenforschung nicht möglich gewesen. Gerade von den mRNA-Impfstoffen, wie sie bei einigen der Corona-Impfstoff-Hersteller nun erstmals beim Menschen eingesetzt werden, versprechen sich weite Teile der Wissenschaft Großes. So wurde bis Corona vor allem für die Krebsimmuntherapie an diesen Wirkstoffen geforscht. Nachdem sie eine solide Ausgangsbasis für die Bekämpfung der aktuellen Pandemie legten, hoffen zahlreiche Forscherinnen und Forscher darauf, dass im Umkehrschluss Krebskranke künftig von den Fortschritten bei der mRNA-Forschung profitieren könnten.

Das Problem: Universalheilstoffe wie gegen Viren gibt es bei Krebszellen nicht. Jede Therapie müsste wohl auch weiterhin individuell auf die erkrankte Person abgestimmt werden. Die kleine Euphoriewelle, die in den vergangenen Monaten durch die wissenschaftliche Community zog, lässt jedoch hoffen, dass dies bei manchen Krebsarten schon bald, frühestens aber in fünf Jahren zum Einsatz kommen könnte. Auch wenn es mitten in der Corona-Krise gerade schwerfällt, positive Ausblicke zu wagen, und auch wenn uns die Langzeitfolgen und zahlreichen Nebenwirkungen, die die erste große Pandemie in unserer Lebenszeit mit sich brachte, wohl noch eine Zeitlang beschäftigen werden, so hat diese Ausnahmezeit hoffentlich doch auch aufgezeigt, wie wichtig funktionierende und gut ausgebaute Gesundheitssysteme sind. Wir werden in Zukunft davon profitieren. (Fabian Sommavilla, 28.2.2020)