Die Schlick 2000, im Hintergrund die mächtigen Kalkkögel, soll nach dem Willen der Stubaier Touristiker mit dem Elfer "verbunden" werden.

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Neustift/Fulpmes – So weit her scheint es mit der Tiroler Rückbesinnung auf einen sanfteren und nachhaltigeren Wintertourismus doch nicht zu sein. Denn mitten in der Corona-Pandemie, die das Land und ihren wichtigen Wirtschaftszweig arg beutelt, will man nun im Stubaital zwei Skigebiete ausbauen und verbinden. Für die Touristiker im Tal stellt die gut 35-Millionen-Euro-Investition eine Notwendigkeit dar, um konkurrenzfähig zu bleiben. Für die Projektgegner ist es wiederum eine unnötige, teure Neuerschließung, die kostbaren Naturraum zerstört und für Skifahrer wenig Mehrwert bringt.

Auf dieser Grafik der Bürgerinitiative "Rettet die Goldsutten" wird die geplante Zubringerbahn auf die Schlick mitsamt den neuen Pisten veranschaulicht.
Foto: Bürgerinitiative "Rettet die Goldsutten"

Elfer und Schlick gelten als die beiden Hausberge im Stubaital. Das Skigebiet Elferbahnen ist klein und eher selektiv. Eine 8er-Einseilumlaufbahn und drei Schlepplifte stehen zur Verfügung. Man vermarktet sich derzeit vor allem als Rodelparadies, und im Sommer nutzen Wanderer, Paragleiter sowie Mountainbike-Downhiller das Gebiet. Praktisch schräg gegenüber, am südseitigen Hang, liegt die größere Schlick 2000 mit insgesamt elf Liftanlagen. Hier heißt der touristische Claim "Ski- und Wanderzentrum Stubai".

Alte Pläne, neu aufgewärmt

Die Pläne zur Verbindung der zwei eher kleinen Skigebiete sind nicht neu, scheiterten bisher aber. Zuletzt im Jahr 2018, als der Neustifter Gemeinderat dagegen votierte. Am vergangenen Mittwoch wurde in der Neustifter Kommunalvertretung erneut abgestimmt, und diesmal erhielt das geplante Projekt eine knappe Mehrheit von neun zu sieben Stimmen, bei einer Enthaltung.

Während die Investition von rund 16 Millionen Euro in die Erneuerung der Anlagen und Pisten am Elfer wenig umstritten ist, ruft die geplante neue Zubringerbahn auf die Schlick – veranschlagte Kosten etwa 19 Millionen Euro – die Gegner auf den Plan. Denn mit dem Bau einer neuen 10er-Gondelbahn würden bislang unberührte Flächen zerstört, so die Kritik. Die Bahn würde von Neustift-Gmoch aus über die sogenannten Goldsutten auf auf das Sennjoch führen. Das Gebiet gilt als Naturjuwel und würde im Rahmen dieses Projekts sinnlos geopfert, so die Gegner, zu deren Wortführern auch der ehemalige Wissenschaftsminister und Stubaier Karlheinz Töchterle zählt.

Großer Eingriff in die Natur für wenig Nutzen

Aus Skifahrersicht würde die neue Zubringerbahn auf die Schlick wenig Mehrwert bringen, wie in einem Video veranschaulicht wurde. Die dadurch neu gewonnenen Pistenflächen seien unattraktiv und müssten aufwendig abgesichert werden. Die Befürworter betonen wiederum, dass die Eingriffe "minimiert" wurden und man 2,5 Kilometer neue Pisten für die Schlick gewinne.

Bergführer Robert Span ist einer der Wortführer der Bürgerinitiative "Rettet die Goldsutten". In diesem Video veranschaulicht er direkt vor Ort, was genau geplant ist und warum das aus seiner Sicht keinen Sinn macht.
Rettet die Goldsutten

Allerdings blieben zwischen der neuen Schlick-2000-Talstation in Neustift-Gmoch und jener der Elferbahnen in Neustift weiterhin 800 Meter Abstand. Die wolle man mit selbstfahrenden E-Bussen überbrücken, so die Projektplaner. Allerdings gibt es solche Systeme derzeit noch gar nicht einsatzbereit, entgegnen die Kritiker.

Geschützte Tierarten und Ruhegebiet

Anstatt in dieses "aus der Zeit gefallene" Projekt Millionen zu investieren, fordern die Gegner einen Fokus auf nachhaltigen, zukunftsweisenden Tourismus: "Auch wir sind für eine sinnvolle touristische Weiterentwicklung im Stubaital. Mit dieser Abstimmung wurde jetzt allerdings der touristische Stillstand beschlossen. Die für andere, bessere Ideen benötigten Geldmittel stehen nicht mehr zur Verfügung, weil sie für dieses Projekt, das wohl nie umsetzbar sein wird, reserviert sind." Aufgrund der Vorkommen seltener Tierarten sowie der Nähe zum Ruhegebiet Kalkkögel scheinen die Erfolgsaussichten des Projekts nämlich insgesamt gering.

Seitens der Projektwerber wird betont, dass die beiden Skigebiete nur gemeinsam ausgebaut würden. Stirbt die Zubringerbahn auf die Schlick, wäre somit auch die Modernisierung am Elfer passé. Ob dies als Druckmittel ausreicht, wird sich weisen. Generell gilt das Stubaital als touristisches Sorgenkind in Tirol. Man hat den Anschluss an die großen Player wie Ötztal, Paznaun oder Zillertal längst verpasst. Die Gästeschicht überaltert, und es fehlt an neuen Konzepten.

Bürgerbewegung gegen PR-Profis

Das wissen auch die Projektgegner, die eine Elfer-Modernisierung nicht ablehnen, sondern nur die Pläne auf Schlicker Seite. Stattdessen solle man auf zukunftsträchtigere Konzepte wie sanften Tourismus oder Radfahren setzen, so die Forderung. Beide Seiten wähnen die Mehrheit der Stubaier Bevölkerung hinter sich. Wobei die Touristiker auf die Hilfe professioneller PR-Berater setzen, während die Gegner versuchen, als Bürgerinitiative "Rettet die Goldsutten" Stimmung zu machen. Die Diskussion wird also weitergehen. (Steffen Arora, 26.2.2021)