Knapp sechs Wochen nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus betritt Donald Trump erstmals wieder eine öffentliche Bühne. Am Sonntag hält er eine Rede auf einem Kongress, der republikanischen Aktivisten traditionell dazu dient, ein Glaubensbekenntnis zu den Werten des konservativen Amerika abzulegen. Die Conservative Political Action Conference (CPAC), seit 1973 alljährlich veranstaltet, versteht sich als Ideenschmiede der Partei, der gesamten wohlgemerkt, obwohl der moderate Flügel dort kaum noch zu Wort kommt. Diesmal ist sie vor allem eines: eine dreitägige Treuebekundung für Donald Trump.

Donald Trump wird am Sonntag (15.40 Uhr Ortszeit, 21.40 Uhr MEZ) erstmals seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus wieder öffentlich auftreten.
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Der abgewählte Präsident beharrt noch immer darauf, dass er durch Betrug um den Wahlsieg gebracht wurde. Gleich mehrere Arbeitskreise werden die These aufgreifen, als hätten die Richter, die Trumps Klagen in über 60 Fällen abwiesen, allesamt falsch geurteilt. Eine Diskussionsrunde widmet sich dem Thema "Der zornige Mob und die Gewalt in unseren Straßen", womit allerdings nicht der Angriff auf das Kapitol gemeint ist, sondern Demonstrationen der Black-Lives-Matter-Bewegung.

Failed US-States

Eine andere debattiert über "failed states", gescheiterte Staaten. Nicht über Afghanistan, Libyen oder Syrien, sondern über Georgia, Nevada und Pennsylvania, drei Bundesstaaten, in denen es dem Wahlverlierer trotz hartnäckiger Bemühungen nicht gelang, das Ergebnis nachträglich zu kippen. Georgia wird von den Republikanern regiert, Pennsylvania von einem republikanischen Parlament kontrolliert. Wenn man so will, wird alles, was Trump vor und nach dem Votum an Behauptungen aufstellte, noch einmal aufgewärmt. CPAC als Echokammer.

Vor allem geht es um eine Machtdemonstration. Trump will zeigen, wie fest er die "Grand Old Party" noch immer im Griff hat. Nicht zuletzt mit Blick auf ein anstehendes Verfahren in New York, wo der Staatsanwalt Cyrus Vance Jr. seine Steuerunterlagen sichtet, will er deutlich machen, wie viel Rückhalt er nach wie vor hat. Ohne ihn, will er signalisieren, geht auf absehbare Zeit nichts bei den Republikanern.

Die vermeintliche Zensur durch alle, die widersprechen, wird beim Comeback ein wichtiges Thema für Donald Trump sein.
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In der Rolle des Königsmachers gedenkt er Kandidaten zu protegieren, die bei den Kongresswahlen im Herbst 2022 als Trumpisten an den Start gehen sollen. Wer es wagt, ihm zu widersprechen, muss damit rechnen, dass ihn die republikanische Basis bei den nächsten Primaries durchfallen lässt. Senatoren wie Richard Burr und Bill Cassidy, die Trump im Impeachment-Prozess für schuldig befanden, sind von den Lokalverbänden ihrer Bundesstaaten bereits verwarnt worden.

"Menschen" vs. Politiker

"Trump ist die Partei", bringt es Jason Miller, der Sprecher des Moguls, auf eine herausfordernde Zeile. Wenn es eine Spaltung gebe, dann allenfalls zwischen Beltway-Insidern und Graswurzel-Republikanern. Der Beltway: Streng genommen ein Autobahnring rund um Washington, steht der Begriff in der Sprache der Polemiker für eine politische Klasse, die angeblich kein Gefühl mehr dafür hat, was die Menschen in der Provinz bewegt. Wer Trump aus dem Beltway heraus attackiere, sagt Miller, attackiere eine Volksbewegung.

Auch wenn die Wahrheit differenzierter ist, aktuelle Umfragen wirken wie Wasser auf die Mühlen der Trump-Loyalisten. Sechs von zehn Republikanern wollen, dass der Altpräsident die Partei weiterführt. Mehr als die Hälfte der republikanischen Wähler ist dafür, dass er sich 2024 noch einmal bewirbt. Fast zwei Drittel der Mitglieder halten es für ein wichtiges Kriterium, ob ein Kandidat für ein Wahlamt von ihm empfohlen wird.

Heimspiel für Trump

Angesichts eines solchen Befunds ist es kein Wunder, dass Trump an einem Comeback arbeitet, mit der CPAC-Rede als einer Art Aufwärmübung. Was ihm entgegenkommt, ist die Logistik. Normalerweise findet die Konferenz in einer Kongresshalle am Rande der Hauptstadt statt, diesmal sind die Organisatoren nach Orlando ausgewichen, da in Florida weniger strenge Corona-Regeln gelten. Die Wähler Floridas haben Trump am 3. November klarer als erwartet den Vorzug vor Joe Biden gegeben. Der Gouverneur des Bundesstaates, Ron de Santis, zählt zu seinen glühendsten Verehrern. In Florida auch, im Strandklub Mar-a-Lago, hat er seinen Wohnsitz. Kurzum, es ist ein Heimspiel für Donald Trump. Und gerade deswegen eine Inszenierung, die manches zukleistert, was sich an Rissen aufgetan hat.

Ein paar prominente Namen fehlen nämlich auf der Rednerliste. Mitt Romney, einst Stammgast bei CPAC, nimmt nicht mehr teil, seit er im vergangenen Februar als einziger Republikaner für die Amtsenthebung Trumps stimmte. Mike Pence, der Vizepräsident, der sich am 6. Jänner weigerte, die Zertifizierung des Wahlergebnisses durch den Kongress zu durchkreuzen, wurde zwar eingeladen, hat aber abgesagt. Auch Mitch McConnell, Fraktionschef im Senat, glänzt durch Abwesenheit. Der Kampf um die Richtung bei den Konservativen hat wohl gerade erst richtig begonnen. (Frank Herrmann aus Washington, 27.2.2021)