So sieht WM-Gold aus.

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Schon auf der Schanze legte Johannes Lamparter mehr als nur den Grundstein zum Titel.

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In der Loipe brachte er seinen Vorsprung souverän über die vier Runden.

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Oberstdorf – Gold bei der Junioren-WM und bei der WM der Erwachsenen in einer Saison, das ist so oder so sensationell. In der Nordischen Kombination macht es die athletische Reife, die der Langlauf verlangt, zu einer absoluten Seltenheit. 32 Jahre nach dem legendären Norweger Trond Einar Elden, der es in umgekehrter Reihenfolge 1989 schaffte, zeigte am Donnerstagnachmittag der Österreicher Johannes Lamparter dieses Kunststück. Rund einen Monat nach seinem Sieg im Einzel von Lahti triumphierte der 19-jährige Tiroler in Oberstdorf im Großschanzenbewerb.

Lamparter ließ auf dem Weg zum zweiten österreichischen Gold nach jenem der Skispringerinnen dem Kombinations-Gott Jarl Magnus Riiber keine Chance, Der Norweger holte sich vor dem Japaner Akito Watabe Silber. Riiber hatte in der Loipe schon früh kapituliert, "denn ich war heute auf der Schanze nicht gut genug. Und er war heute der Weltbeste."

Tatsächlich, Lamparter hatte am Vormittag auf der Großschanze unterm Schattenberg die Basis für seinen goldenen Lauf über vier Runden oder zehn Kilometer am Nachmittag gelegt. Nach einem Flug auf 138 Meter lag er umgerechnet 22 Sekunden vor Watabe und 37 Sekunden vor Riiber. Die mitfavorisierten Deutschen, darunter Titelverteidiger Eric Frenzel, lagen wie die restlichen Österreicher außerhalb der Schlagdistanz.

Der Weltmeister wird von Mario Seidl geherzt.
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Riibers Einsicht

Lamparter begann wie schon im Normalschanzeneinzel, in dem er Siebenter wurde. Diesmal musste er allerdings auch in den letzten Kilometern nicht nachgeben und lag nach insgesamt siebentbester Laufzeit bequem 37,1 Sekunden vor Riiber. Der gab zu, schon recht bald desillusioniert gewesen zu sein. "Wir waren bis auf 27 Sekunden heran. Das war zu wenig", sagte der Sieger von 34 Weltcupbewerben, der dreimalige Gesamtweltcupsieger.

Lamparter war im Ziel hin und weg, der erst zweite Einzelweltmeister Österreichs nach Bernhard Gruber (2015 in Falun) ist zugleich der jüngste österreichische Einzelmedaillengewinner in der Kombination. Diesbezüglich löst er den aktuellen Sportdirektor Mario Stecher ab, der 1999 bei seinem Sprintsilber in Ramsau 21 Jahre alt war.

"Das ist brutal, ich bin überglücklich. Da stehen so viele Leute dahinter, bei denen möchte ich mich bedanken", sagte Lamparter nach seiner zweiten Medaille in Oberstdorf. Im Team hatte das Seine zu Bronze beigetragen.

Der in Hall geborene und in Rum lebende Athlet des Nordic Team Absam hat das Skispringen unter Weltmeister Andreas Felder erlernt. Superstar Riiber attestiert ihm das Potenzial, auch bei den Spezialspringern vorne mitzumischen. Erstaunlich ist aber die Stärke in der Loipe. "Ich habe von Beginn an bis zum Schluss versucht, das Tempo hochzuhalten", erzählte der Weltmeister über sein Rennen. An den Triumph geglaubt habe er allerdings erst, "nachdem ich über die Ziellinie gelaufen bin. Vorher weiß man gar nicht, ist das wahr oder nicht – unglaublich."

FIS Nordic Combined

Seidls Ehre

Die Kollegen konzentrierten sich mehr auf Lamparters Rennen, als auf den eigenen Lauf. Lukas Greiderer freute sich fast so, als ob er selbst Gold geholt hätte. "Wir werden sehen, wer die Ehre hat, mit ihm den Teamsprint zu laufen." Diesbezüglich hatte sich der glückliche Cheftrainer Christoph Eugen fast festgelegt. Mario Seidl, gestern der zweitbeste Österreicher, soll die Ehre am Samstag haben. (Sigi Lützow, 4.3.2021)

Kombination Männer, Großschanzenbewerb mit 10 km Langlauf:

1. Johannes Lamparter (AUT) 23:11,1 Minuten
2. Jarl Magnus Riiber (NOR) +37,1 Sek.
3. Akito Watabe (JPN) +45,8
4. Eric Frenzel (GER) +1:57,7
5. Fabian Rießle (GER) +1:57,9
6. Ilkka Herola (FIN) +1:59,0.

Weiter: 12. Mario Seidl +2:39,4
13. Lukas Greiderer +2:48,6
26. Lukas Klapfer (alle AUT) +4:13,6