Mit einem Haustier ist man selbst im Lockdown nicht wirklich allein.
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In der Corona-Krise haben die Österreicher ihre Liebe zu Haustieren neu entdeckt. Tierschutzvereine und Züchter berichten bei der Vergabe von sprunghaft angestiegener Nachfrage seit dem ersten Lockdown, im Zoofachhandel brummt seither das Geschäft. "Die Leute haben kaum soziale Kontakte. Da ist ein Tier naheliegend", sagt Andreas Popper, Vorsitzender des Zoofachhandels in der Wirtschaftskammer Österreich und Geschäftsführer von Alsergrund Zoo.

"Wir merken das seit dem ersten Lockdown", bestätigt man bei Tierschutz Austria, früher als Wiener Tierschutzverein bekannt. Die Nachfrage nach Haustieren sei allgemein höher, besonders nach Hunden. Anfragen nach den Vierbeinern haben sich laut einem Sprecher seither etwa verdreifacht und blieben weiter hoch. Warum gerade Hunde? Das liegt für Brigitte Lueger-Schuster auf der Hand: "Weil man spazieren gehen muss."

Sie leitet die Arbeitsgruppe Psychotraumatologie an der Universität Wien und führt das gestiegene Interesse an Haustieren seit Beginn der Corona-Krise nicht nur auf Einsamkeit zurück, auch die Suche nach Beschäftigung stelle einen wichtigen Grund dar. Zudem würden Eltern verstärkt an Heimtiere denken, um ihren Kindern eine Alternative zu den digitalen Versuchungen zu bieten. "Sie lernen dabei auch, Verantwortung zu übernehmen", ergänzt Lueger-Schuster.

Ketten und Onlinehandel

Für den Zoofachhandel sind das gute Nachrichten, schließlich benötigen die tierischen Mitbewohner jahrelang Futter und Zubehör. Am stärksten profitieren von dem Haustierboom Popper zufolge die großen Ketten und der Onlinehandel. Im Gegensatz dazu müssten sich viele kleine der insgesamt etwa 1.000 Händler mit deutlich geringeren Zuwächsen begnügen. Wie viel die Branche insgesamt umsetzt, dazu liegen Popper zufolge keine belastbaren Zahlen vor – allerdings sind es alleine 215 Millionen Euro, die der Marktführer Fressnapf 2020 in Österreich erlöste.

Mit einem Plus von 18 Prozent erzielte die deutschen Kette, die im Vorjahr ihr 30-Jahr-Jubiläum beging, hierzulande ein Rekordwachstum, wie Geschäftsführer Hermann Aigner berichtet. Mehr als verdoppelt habe sich der Onlinebereich, der 2018 gestartet wurde – "gerade rechtzeitig", wie Aigner mit Blick auf das starke Wachstum im Vorjahr anmerkt. Aber auch im Filialbereich sei deutlich mehr erlöst worden.

Katzen sind in Österreich unangefochtene Nummer eins unter den Haustieren.
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Insgesamt leben in Österreich etwa fünf Millionen Haustiere, sagt Wirtschaftskammer-Experte Popper. Darunter sind ihm zufolge zwei Millionen Katzen und eine Million Hunde als ungebrochene Lieblingstiere der Österreicher vor Kleintieren wie Hamstern. Langfristig abnehmende Nachfrage verortet er bei Reptilien, Vögeln oder Fischen.

Aber selbst in der Aquaristik verzeichnet Daniel Nemes, Inhaber des darauf spezialisierten Fachgeschäfts Zoo am Alsergrund, derzeit gestiegene Nachfrage. Er hat sein Geschäftskonzept im Vorjahr stärker auf den Anlagenbau ausgerichtet und sagt: "Es werden schon mehr Aquarien verkauft. Bei Privatkunden besteht auf jeden Fall mehr Interesse."

Mehr Dienstleistungen

Überdrüssig geworden sind die Österreicher ihrer neuen Mitbewohner bisher noch nicht, bei Tierschutz Austria ist jedenfalls keine vermehrte Abgabe von Haustieren festzustellen. Allerdings sei offen, was nach der Pandemie passieren werde, wenn viele Menschen aus dem Homeoffice in Büros zurückkehren oder vermehrtes Reisen wieder möglich ist.

In solchen Nöten sieht Fressnapf-Chef Aigner auch eine Chance. Mit Fressnapf Reisen werden etwa in Kooperation mit Rewe spezielle Angebote für hundefreundliche Hotels oder Campingplätze geschnürt. Auch sonst will er die Kette stärker zum Anbieter und Vermittler von Dienstleistungen entwickeln. Neue Geschäftsfelder sieht Aigner etwa bei Versicherungen, Tierärzten, Tracking oder in der Tierbetreuung. Einiges soll schon demnächst gestartet werden wie zuletzt Hundefriseure, die bereits in zwei Fressnapf-Filialen ihre Leistungen anbieten. (Alexander Hahn, 9.3.2021)